Spekulationen um Einstieg von EADS bei Thales

Chirac und Merkel haben vereinbart, dass EADS beim teilweise staatlichen französischen Rüstungskonzern Thales einsteigt, berichtet der "stern". Das Konglomerat würde mit rund 45 Milliarden Euro Umsatz zu einem der größten Rüstungslieferanten der Welt.

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Von
  • Sven-Olaf Suhl

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Jacques Chirac haben sich vergangene Woche in Berlin darauf verständigt, dass der deutsch-französische Luft-, Raumfahrt und Rüstungskonzern EADS beim französischen Rüstungskonzern Thales einsteigt, berichtet der stern. Die Höhe des Anteils stehe noch nicht fest. Regierungskreise in Berlin hätten gegenüber dem Magazin die Pläne bestätigt. Bis Herbst solle das Geschäft gelaufen sein. Das Konglomerat würde mit rund 45 Milliarden Euro Umsatz zu einem der größten Rüstungslieferanten der Welt.

Der Rüstungs- und Elektronikkonzern Thales, an dem die "Grande Nation" beteiligt ist, erzielte 2005 einen Umsatz von 10,3 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr konnte er Großaufträge wie die britische Drohne Watchkeeper, die italienisch-französische Fregatte FREMM (1,6 Milliarden Euro), U-Boote für Indien und Multimedia für Verkehrsflugzeuge (400 Millionen Euro) an Land ziehen. Im vergangenen November wurde dem Elektronikkonzern Alcatel Interesse an einer Thales-Übernahme nachgesagt. Für Alcatel dürfte dieses Thema mit der beabsichtigten Fusion mit Lucent vom Tisch sein.

Die Geschäftsbereiche der EADS gliedern sich in die "Divisions" Airbus (Passagierjets), Militärtransportflugzeuge, Eurocopter (Hubschrauber), Raumfahrt sowie Defence & Security Systems. Letztere Abteilung ist nach einer heute bekannt gewordenen Entscheidung des Bundesinnenministeriums einziger Kandidat für die Errichtung eines BOS-Digitalfunknetzes in Deutschland.

Die börsennotierte EADS ist eine Gesellschaft niederländischen Rechts (N.V.) und erzielte 2005 einen Umsatz von 34,2 Milliarden Euro. Mehr als 34 Prozent der Anteile befinden sich in Streubesitz verschiedener Shareholder, darunter auch die Mitarbeiter von EADS. DaimlerChrysler und die vom französischen Staat dominierte SOGEADE/Lagardère halten jeweils knapp über 30 Prozent an EADS, die spanische Staatsholding SEPI (Sociedad Estatal de Participaciones Industriales) besitzt 5,5 Prozent. Dr. Manfred Bischoff, Delegierter für den Luft- und Raumfahrtbereich der DaimlerChrysler AG, sowie Arnaud Lagardère, Chief Executive Officer (CEO) der Lagardère SCA, sind derzeit Chairmen des Board of Directors.

Zwischen Paris und Berlin werde seit Monaten um die Zukunft von EADS, Thales und anderer Rüstungsfirmen gerungen – dem Zwang zur Konsolidierung stehen nationale Interessen entgegen, heißt es in der Vorabmeldung des "stern". Daimler-Vorstand und EADS-Aufsichtsrat Rüdiger Grube soll mehrfach im Pariser Elysée-Palast verhandelt haben. Die Pläne passten in das Konzept von DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche, der den Konzern ganz auf das Autogeschäft konzentrieren möchte. Er könnte sich von einem Teil der EADS-Anteile (derzeitiger Wert: 8,6 Milliarden Euro) trennen.

Bisher streiten Deutsche und Franzosen noch, ob nach dem Zusammenschluss Teile von Thales weiterverkauft werden können. Thales-Töchter sind in etliche Korruptionsskandale verwickelt. Deswegen wolle EADS den Konzern offenbar auch nicht vollständig übernehmen, heißt es in dem Bericht. (ssu)