Themenmolekül: Tesa-Teilchenbeschleuniger

Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute mit Nerd-Modealarmen, einem Song über Quarks, einem irren Wissenschaftler und Weltraumdingen zum Selbermachen.

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Von
  • Peter Glaser

Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu digitalen Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen. Diesmal dabei: Nerd-Modealarm, ein Song über Quarks, ein irrer Wissenschaftler und Weltraumdinge zum Selbermachen.

Kuschelweiche Wissenschaft: Entzückende handgestrickte Wassermoleküle (mit Augen!), befüllt mir antiallergenem Schaumstoff, in blauer oder rot-weisser Ausführung von ButterflyLove1. Ich warte bereits ungeduldig auf die Schmuseversionen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe.

Unpopular Science: In seinem New York Times-Blog "Abstract City" hat der fantastische Illustrator Christoph Niemann – "ob es uns nun gefällt oder nicht" – die Auswirkungen verschiedener Naturgesetze auf das Alltagsleben veranschaulicht. So lustig kann Physik sein.

Nerd-Modealarm: Diese handgefertigten Zellmembran-Halsketten aus Sterlingsilber von Tiffany und Kevin Ard schmeicheln mit einer netten Zellwand-Illustration dem Auge. "Zellen sind voller cooler Dinge wie Cytoplasmen, Mitochondrien, Chloroplasten und Golgi-Apparaten", so die Designer. Wer sich schon mal nach einer wilden Party ein endoplasmatishes Retikulum eingefangen hat, weiß, was gemeint ist. Ein prima Geschenk für Chemielehrer oder wissenschaftlich angehauchte Schnuckelhasen.

Das Vielkörperproblem oder: Alles dreht sich, alles bewegt sich. Breakpixel aus dem australischen Melbourne hat eine sehenswerte alternative Titelsequenz zu Darren Aronofskys experimentellem Science Fiction-Thriller "Pi" gebastelt (Sound: Markus Kellow). Der Schwarzweißfilm handelt von einem paranoiden Mathematikgenie namens Maximillian Cohen, das glaubt, die Welt könne anhand von Zahlen verstanden werden.

Umschlaggrafik des kanadischen Wissenschaftsmagazins "Science Affairs" von 1967, gestaltet im Stil zeitgemäßer Schlichtheit und Eleganz von dem Illustrator Stuart Ash; hier ein weiteres Cover, beide aus dem Flickr Photostream von sandiv999.

Eine der größten Schwierigkeiten im Labor gezüchteter Zellen ist der Übergang eines flach in der Petrischale anliegenden Bewuchses zu einem dreidimensionalen Gewebe. Forscher am MIT haben eine neuartige Lösung für dieses Problem entwickelt: Sie lassen lebender Zellen in Würfeln aus einem Polymer namens Polyethylenglykol (PEG) wachsen und stapeln die Würfel dann, wie biologische Legosteine, zu beliebigen Formen, aus denen später einmal ganze Organe entstehen könnten.

"...and there is no unified theory": Hank von den Vlogbrothers hat einen Song über Quarks geschrieben. Er (der Song) heißt "Strange Charm" und Hank bietet ihn ganz vergnügt dar, flankiert von ein wenig mit in Illustrator und After Effects gefertigter Motion Typography.

Die beeindruckenden Schwarzweißaufnahmen des amerikanischen Fotografen Al Fenn für das Magazin LIFE vom April 1945 zeigen X-Rac, einen von Dr. Ray Pepinsky erfundenen Elektronenrechner zur Berechnung von Atomstrukturen. Auf der Basis der errechneten Potentiallinien auf Papier wurden dreidimensionale Molekülmodelle gefertigt.

Oh, oh – böse Falle: Wir alle kennen die Fabel vom ehrgeizigen, aber irregeleiteten Wissenschaftler, der seinem eigenen Forschungsdrang auf schaurige Weise zum Opfer fällt. Der Maler Francesco Francavilla setzt das Thema auf seine Weise ins Bild.

Das Magazin MAKE mit einer Do It Yourself-Weltraumfahrtausgabe: Wie man seinen eigenen Satelliten in eine Umlaufbahn kriegt (das hätte ich vor 40 Jahren gut gebrauchen können), einen Stratosphärenballon baut und für 20 Dollar Galaxien mit dem eigenen Spektrographen analysiert. Dazu eine heliumballongestützte Kamera, die bessere Fotos macht als Google Earth, ein elektromagnetischer Levitator, mit dem man Aluminiumringe verschießen kann und ein Stroboskop, mit dem man wunderbare Momentaufnahmen machen kann.

Drüben im BoingBoing Submitterator macht Maggie Koerth-Baker darauf aufmerksam, wie man vermittels Klebeband zu einem Teilchenbeschleuniger kommt: Jedesmal, wenn man einen Streifen Klebeband von der Rolle zieht, entsteht ein elektrisches Feld, das stark genug ist, um frei herumfliegende Elektronen zu beschleunigen. Sie können sogar Röntgenstrahlen abgeben, allerdings in so verschwindendem Maß, dass man sich wegen der Strahlenbelastung keine Sorgen zu machen braucht. Eine Erläuterung des Phänomens gibt es bei Science News. Wie das Klebeband das starke elektrische Feld erzeugt, können sie allerdings auch nicht erklären.

Gaia Vince vom New Scientist hat eine beachtliche Liste mit Video-Links kompiliert, in der nette Popsongs über Wissenschaft und Technik versammelt sind – von Billy Bragg ("Armstrong and Aldrin spoke to me / From Houston and Cape Kennedy") über Jarvis Cocker und die Paralleldimensionen der Quantentheorie bis hin zu "Chemical World" von Blur. In den Kommentaren tragen fleißige Leser weitere zum Thema gehörige Klangmaterialien bei.

Wer seine Götterspeise, und zwar die rote wenn möglich, mal etwas gewagter präsentieren möchte, dem sei die anatomisch korrekte Herz-Formmulde von Archie MPhee, nun ja: ans Herz gelegt.

Beeindruckende mikromedizinische 3D-Animation in HD: Die "Nucleus 2009 Demo Reel" der Animationsspezialisten von Nucleus Medical Art "shows surgery, anatomy, mechanism of action (MOA), and physiology produced for medical devices, pharmaceutical companies, biotechnology, marketing agencies, lawyers, and more". Dazu eigens komponierte Musik von Daniel Brown.

Abgefahrene Wissenschaft: Crispian Jago hat der Geschichte der Wissenschaften auf erhellende Weise die Gestalt eines Londoner U-Bahn-Fahrplans gegeben: "500 years of modern science, reason & critical thinking via the medium of gross oversimplification, dodgy demarcation, glaring omission and a very tiny font." (bsc)