Mehr Anstrengungen bei Green IT gefordert
Der Ökonom Arnold Picot hat Politik und Wirtschaft aufgerufen, das Thema "grüne" Informationstechnologien ernster zu nehmen. Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung etwa vernachlässige diesen Bereich.
Arnold Picot vom Institut für Informationsmanagement der Ludwig-Maximilians-Universität München hat Politik und Wirtschaft aufgerufen, den Einsatz "grüner" Informationstechnologien ernster zu nehmen und stärker voranzutreiben. Die Bundesregierung habe zwar verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um die Verknüpfung der Energienetze zu verbessern, sagte der Ökonom am Donnerstag auf einer Konferenz zu Green IT in Berlin. Im Gegensatz zu den USA und China würden dem Bereich Green IT hierzulande aber nur wenige Fördergelder im Konjunkturprogramm zugemessen.
Picot forderte eine "grundlegende Umgestaltung des Energiesystems", um eine Gesellschaft zu verwirklichen, die mit möglichst wenig CO2-Belastungen auskomme. Als erforderliche Änderungen skizzierte er die Mischung zentraler und dezentraler Energieversorgung, die Bewältigung zweigleisiger Energieströme, den Bau neuer Stromspeicher und die Einführung zeit- oder lastabhängiger Tarife. Zugleich erinnerte der Wissenschaftler an die anspruchsvolle Maßgabe, dass eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zum Niveau der 1990er-Jahre notwendig sei, um den Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Ohne die intelligente Einbindung erneuerbarer Energien über "Smart Grids" sei dieses Ziel nicht zu erreichen.
(Bild:Â heise online)
Der CO2-Ausstoss von Anwendungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien liegt dem Forscher zufolge derzeit bei zwei Prozent der Gesamtmenge, wobei der Löwenanteil durch Endgeräte wie Drucker entstehe. Den größeren Beitrag zur Lösung globaler Probleme verspricht sich der Forscher aber weniger von der Ressourcenschonung in der IT-Infrastruktur selbst, sondern beim Einsparen von Energie und Material durch IT. Vor allem im Transportwesen und in der Logistik, beim Gebäudemanagement sowie in den Sektoren Energie und Industrie könnten seien unter dem Motto "Green durch IT" viele Verbesserungen möglich.
Florian König vom Green-IT-Beratungsbüro des Branchenverbands Bitkom plädierte statt einer "CO2-Strafsteuer" oder anderen Initiativen des Gesetzgebers für "zusätzliche Aufklärung". Den Verantwortlichen müsse deutlich werden, dass es "kein Bestandsrecht für Infrastrukturen" gebe. Schulungen von Mitarbeitern für Green IT seien vorzuschreiben, um das Anwendungsfeld "im gesamten privaten und beruflichen Handlungsbereich" zu umreißen und praktische Beispiele von der Videokonferenz bis hin zu ganz neuen Projekten mit "smarten Technologien" vorzuführen.
Nach dem "Hype" um die "grüne Informationstechnik" habe in der Wirtschaft hierzulande zwar "eine Phase der konstruktiven Auseinandersetzung" mit dem Thema begonnen, erklärte Stefan Heng von Deutsche Bank Research im Rahmen der Vorstellung einer einschlägigen Studie (PDF-Datei). Die Umfrage verdeutliche aber auch, dass eine Schnittstelle zwischen IT, Umweltmanagement und Etatbemessung noch nicht selbstverständlich sei. So hätten nur 83 Prozent der teilnehmenden Firmen einen speziellen Umweltbeauftragten berufen und lediglich 32 Prozent eine übergreifende Budgetverwaltung für Energie und IT definiert. 34 Prozent führten spezielle Schulungen durch. Immerhin 74 Prozent hätten strategische Klima- und Ressourcenziele formuliert. (pmz)