Open-Source-Aktivist kritisiert Gerätehersteller
Auf rechtlicher Ebene sieht Harald Welte das Projekt gpl-violations.org rundherum erfolgreich. Allerdings profitiere die Open-Source-Gemeinde nicht auf technischer Ebene von den Entwicklungen vor allem von Embedded-Anbietern.
Open-Source-Aktivist Harald Welte resümiert in seinem jüngsten Blog-Eintrag seine bisherige Arbeit als Betreiber der Initiative gpl-violations.org, die Verstöße gegen die GNU General Public Licence (GPL) verfolgt. Auf rechtlicher Ebene seien die Bemühungen bisher erfolgreich gewesen. Sie hätten das Potenzial, künftige Verletzungen der GPL vermeiden zu helfen, zumal sich andeute, dass die Softwareindustrie die Lizenz besser verstehe. Doch sorgt er sich darum, wie Freie Software nicht als Projekt einer Bewegung oder Gemeinde, sondern auf technischer Ebene vom GPL enforcement profitieren könne.
Welte beklagt, die Menge des GPL-Codes von – meistenteils – Hersteller von Embedded-Geräten, der in Freie Software zurückfließe und von dem diese profitiere, sei verschwindend klein. Welte begründet das mit der mangelhaften Qualität des Codes. Beispielsweise würden bestehende Standard-APIs außer Acht gelassen und stattdessen eigene neu entwickelt. Auch missachteten Softwarehersteller Erfordernisse der Portabilität zum Beispiel bei SMP und DMA. Sie entwickelten "Wegwerf-Software", die entgegengesetzt zu den langfristigen Zielen des Projekts der "Free and Open Source Software" (FOSS) stehe. Ein weiteres Problem seien Software-Anbieter, die für einen Markt mit halbjährlichen Produktlebenszyklen Code auf Basis veralteter Software entwickeln. Linux und andere Freie und Open-Source-Software sei auf dem Embedded-Markt nicht deshalb so populär, weil sie etwa verlässlich, sicher oder gut zu warten sei, sondern weil sich die Anbieter Kostenvorteile erhofften.
So kommt Welte in seinem Blog-Eintrag zu dem Schluss, dass Freie Software momentan in keiner Weise von den Software-Anbietern profitiere. Aber auch wenn sein Blog-Eintrag verbittert und resigniert klingen möge, bleibe die Durchsetzung der GPL wichtig. Er sei zuvor nicht davon ausgegangen, dass das GPL enforcement einen Rückfluss verwendbar Software erbringen könne, so dass er nicht enttäuscht sei, schreibt Welte. Er habe den Verdacht, dass es außerhalb der Hackergemeinde kaum technisches Verständnis gebe.
Im Jahr 2003 hatte Welte damit begonnen, GPL-Rechte an von ihm entwickelter Software des Projekts netfilter/iptables durchzusetzen. Das Projekt gpl-violations.org startete im Januar 2004 und kam beispielsweise im Frühjahr 2004 zu einer Einigung mit Fujitsu Siemens. In dem Jahr hat es nach eigenen Angaben Verstöße gegen die GPL vor allem im Embedded-Markt registriert, es fanden sich Linux-Kernel-Entwickler, die dem Projekt die Rechte an der Durchsetzung der GPL-Rechte an ihrer Software treuhänderisch übergaben. Im Juni 2006 erreichte gpl-violations.org die Marke von 100 Fällen, die zu 100 Prozent erfolgreich abgeschlossen worden seien. Im September konnte sich Welte in einem für die GPL wichtigen Gerichtsverfahren gegen den Hardware-Hersteller D-Link durchsetzen. (anw)