Blu-rays Erben: Philips treibt Near-Field Recording voran

Die Blu-ray Disc ist noch nicht einmal aus der Taufe gehoben, da melden sich schon die Nachfolger an: Philips setzt dabei auf Near-Field Recording und will die Kapazität auf 75 GByte pro Layer erhöhen.

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Obwohl die Blu-ray Disc noch nicht offizell gestartet wurde -- Philips spricht derzeit von einem Launch auf der Consumer Electronic Show (CES) Anfang Januar 2006 in Las Vegas --, tüftelt man in Eindhoven schon an der vierten Generation optischer Datenträger. Am meisten versprechen sich die Philips-Ingenieure derzeit vom Near-Field Recording.

Bei dieser Aufnahmetechnik schwebt eine Solid Immersion Lens (SIL) nur 25 Nanometer über der Discoberfläche. Da die SIL einen deutlich höheren Brechnungsindex als Luft hat, kann der Laser an der Unterseite der SIL auf einen wesentlich kleineren Punkt fokussiert werden. Durch die SIL ist es möglich, mit sehr hohen numerischen Aperturen von bis zu 1,9 zu arbeiten (bei der Blu-ray Disc sind es 0,85). Die Wellenlänge des Lasers wird jedoch nicht weiter verkürzt und bleibt bei 405 nm, da es bei kürzeren Werten schwierig wird, geeignete durchlässige Materialien zu finden.

Wegen des kleinen Abstands der SIL zur Informationsschicht war es bisher nicht möglich, eine Near-Field Disc mit einer Schutzschicht zu versehen, die sie vor Schmutz und Kratzern bewahrt. Nun ist es den Philips-Ingenieuren jedoch gelungen, einen drei Mikrometer dicken Lack auf die Informationsschicht aufzutragen, der ähnlich der Scratchproof-Beschichtung für Blu-ray Discs die Robustheit der Medien deutlich erhöht.

Laut Philips mache der Lack gar eine Cartridge zum Schutz der Disc überflüssig. Der Schutzlack hat den gleichen Brechungsindex wie die SIL, weshalb der Laserfokus nun in der Schutzschicht liegt. Allerdings verringert sich dadurch die numerische Apertur, die nur noch bei 1,5 liegt. Auf einer Scheibe mit 12 Zentimetern Durchmesser lassen sich so pro Aufnahmeschicht 75 GByte speichern. Mit einem zweiten Layer, der weitere drei Mikrometer unter dem ersten liegt, sind gar 150 GByte möglich.

Laut Philips sei die Gefahr des Aufsetzens der SIL auf die Disc trotz des geringen Abstands nicht besonders groß. Zum einen kann der eingesetzte Servo -- Philips nutzt derzeit ein Standardbauteil aus einem DVD-Laufwerk -- Unebenheiten bis zu einer Drehzahl von 50 Hz problemlos ausgleichen. Radiale Verbiegungen der Disc werden durch die konisch geformte Unterseite der Linse aufgefangen. Zum zweiten wirkt sich selbst ein Kontakt nicht so fatal aus, da die Linse auf der kurzen Distanz kaum Fahrt aufnehmen kann und relativ langsam auf die Oberfläche kommt, was den Schaden gering hält.

Philips will seine neuesten Forschungsergebnisse in der nächsten Woche auf dem International Symposium on Optical Memory and Optical Data Storage, das vom 10. bis 14. Juli auf Hawai stattfindet, vorstellen. Dort werden neben dem Near-Field Recording noch weitere alternative Methoden, wie Holographie oder Super-RENS von Forschern aus Japan und den USA gezeigt. (hag)