Diebe stahlen geheime Testkomponenten fĂĽr Handys
Der laut Nokia "auĂźerordentlich ernste" Diebstahl aus einem Labor des finnischen Handy-WeltmarktfĂĽhrers wird einer estnisch-finnischen Diebesbande unter Leitung eines ehemaligen Nokia-Mitarbeiters angelastet.
Eine estnisch-finnische Diebesbande hat streng geheime Testkomponenten für Mobiltelefone aus einer Versuchsanlage des Nokia-Konzerns gestohlen. Wie der weltweit größte Hersteller von Handys am Donnerstag in Helsinki laut dpa mitteilte, sei der Diebstahl "außerordentlich ernst und sehr außergewöhnlich". Die Zeitung Salon Seudun Sanomat berichtete, dass die Komponenten von Salo über Helsinki in die estnische Hauptstadt Tallinn geschmuggelt worden seien. Neben einem früheren Nokia-Angestellten als Drahtzieher wurden sieben andere mutmaßlich Beteiligte festgenommen.
Erst vor Kurzem hatte der finnische Zoll am Flughafen Helsinki-Vantaa 1600 kopierte Handys vom Typ Nokia 1100 beschlagnahmt, meldete der Spiegel mit Bezug auf die Tageszeitungen Aftenposten (Norwegen) und Helsingin Sanomat (Finnland). Verdächtig war, dass die Telefone ohne Ladegeräte und Handbücher in Plastiktüten mit der Aufschrift "Made in Finland" verpackt waren, während auf den Handys selbst Ungarn als Herkunftsland vermerkt war. Auch die Routenplanung des Markenpiraten hatte das Misstrauen des Zolls geweckt: Die aus Hongkong stammenden Geräte waren über Moskau nach Finnland gelangt und sollten per Lastwagen wieder zurück nach Moskau transportiert werden.
Während häufiger mehr schlecht als recht nachgemachte Marken-Handys auftauchen, waren die beschlagnahmten "Nokia-1100"-Handys Fälschungen von herausragender Qualität: Der Zoll habe sich von Nokia selbst bestätigen lassen müssen, dass die Geräte nicht echt seien. Die Kopien seien so gut, dass sie durch eine bloße Begutachtung ihres Äußeren nicht von Originalen zu unterscheiden seien. Die skandinavischen Tageszeitungen berichteten daraufhin, dass es in zahlreichen Elektronikmärkten Anfragen besorgter Kunden gegeben habe, die sich die Echtheit ihrer kürzlich erstandenen Produkte bestätigen lassen wollten. Nokia empfiehlt grundsätzlich, Markengeräte nur über lizenzierte Händler zu kaufen. Das sei der einzige Schutz davor, eine minderwertige Kopie angedreht zu bekommen. (ssu)