SAP bekommt erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Betriebsrat
Bei einer SAP-Mitarbeiterversammlung bestimmten die 3233 anwesenden Beschäftigten einen Wahlvorstand; die eigentliche Wahl der Betriebsräte soll voraussichtlich in acht bis zehn Wochen erfolgen.
Europas größter Softwarekonzern SAP bekommt erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Betriebsrat. Bei einer Mitarbeiterversammlung am Stammsitz in Walldorf bei Heidelberg bestimmten die 3233 anwesenden Beschäftigten einen Wahlvorstand, der die Abstimmung über die Arbeitnehmervertretung vorbereiten soll. Das teilte ein Unternehmenssprecher am Donnerstagabend mit. Die eigentliche Wahl der Betriebsräte soll voraussichtlich in acht bis zehn Wochen erfolgen. Seit der Gründung des Unternehmens 1972 hatten Vorstand und auch Beschäftigte eine Arbeitnehmervertretung immer wieder abgelehnt.
Zuletzt hatten sich bei einer Betriebsversammlung Anfang März noch rund 91 Prozent der Belegschaft gegen einen Betriebsrat ausgesprochen. Am Donnerstag kürten die Beschäftigten nun in geheimer Abstimmung einen Wahlvorstand, der aus neun Mitarbeitern besteht. Vier von ihnen sind Arbeitnehmervertreter im 16-köpfigen Aufsichtsrat. Bisher hatten insgesamt acht Arbeitnehmervertreter in dem Gremium zugleich auch die Interessen der Belegschaft gegenüber der Geschäftsleitung vertreten.
Für den Wahlvorstand hatten 17 Beschäftigte kandidiert, verlautete nach der dreieinhalb Stunden dauernden Versammlung. Mit welchem Ergebnis sie abschnitten, wurde nicht bekannt. Erforderlich für die Einsetzung eines Wahlvorstands ist die einfache Mehrheit der Anwesenden. Drei Kandidaten, von denen die Initiative zur Gründung eines Betriebsrats ausgegangen war, wurden nicht gewählt. Trotz der Ablehnung ihrer Kollegen Anfang März hatten die drei Beschäftigten, die zugleich Mitglied der IG Metall sind, zunächst beim Mannheimer Arbeitsgericht geklagt, um einen Betriebsrat durchzusetzen.
In einer ĂĽberraschenden Wende hatte der Unternehmensvorstand jedoch seinen Widerstand aufgegeben; die Arbeitnehmervertreter nahmen die Betriebsratswahl fĂĽr die rund 9000 Mitarbeiter an den Standorten in Walldorf und dem benachbarten St. Leon-Rot selbst in die Hand.
Im Vorfeld der ersten Abstimmung hatte der SAP-Mitgründer und langjährige Vorstandschef Dietmar Hopp starke Vorbehalte gegen den Einfluss einer Gewerkschaft in dem Unternehmen geäußert. Die IG Metall und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di versuchen seit Langem, einen Fuß in den Konzern zu bekommen. Das Softwarehaus hat in Deutschland rund 14.000 Beschäftigte, weltweit sind es knapp 35.900 Mitarbeiter. (dpa) / (jk)