ThemenmolekĂĽl: Willkommen im Universum

Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute mit Universen in der Dose, selbst gemachten Knicklichtern sowie Zweikörperproblemen.

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Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Peter Glaser

Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu digitalen Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen. Diesmal unter anderem: Universen in der Dose, selbst gemachte Knicklichter, Zweikörperprobleme und fabelhafte Flickr-Früchte.

Ex-Liebesdinge: Im Jahr 2007 hatte es mit einer Wanderausstellung begonnen. Seit Oktober 2010 hat das von Olinka Vistica und ihrem Ex Drazen Grubisic gegründete Museum of Broken Relationships eine ständige Unterkunft in Zagreb gefunden. Im Laufe mehrerer Jahre haben die beiden mehr als 700 Artefakte auseinandergegangener Beziehungen aus der ganzen Welt gesammelt – darunter auch dieses rätselhafte Molekül-Tier aus dem slowenischen Ljubljana mit angeklebten Augen (Dank für den Tip an Max Ackermann!).

Die dänischen Spezialisten von 10TONS fertigen zoologische und botanische Modelle als auch paläontologische Rekonstruktionen. Walfische und Dinosaurier in Originalgröße haben sie auch schon gemacht, ebenso Mikroorganismen, groß wie Häuser. Die Modelle, ob Plankton oder Vorzeitkreatur, entstehen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und in beeindruckender Qualität.

Das (lösbare) Zweikörperproblem: Zwei Mädchen simulieren einen Teilchenzusammenprall – mit Körpereinsatz!

Data is Nature: Immer wieder einen Blick wert ist das vorzügliche Blog von Paul Prudence, in dem er Material über Roboterkunst, algorithmische und prozedurale Kunst, Computerästhetik, Fehler-Ästhetik, VJ-ing, Videokunst, Computerarchäologie und anverwandte Themen versammelt: "My impetus behind this weblog is to share and collate my findings in a central repository and publish for the benefit of interested communities." Hier zum Anschmecken ein Beitrag aus der Reihe "Flickr Fruits", sowie ein Posting über das Programm Structure Synth, mit dem sich mit Hilfe einfacher Regeln komplexe, dreidimensionale Strukturen erzeugen lassen.

Der Flickr-Fotopool "Vintage Science" ist eine Fundgrube fĂĽr Freunde von Illustrationen und Fotos mit Retro-Anmutung, die uns den Geist von Wissenschaft und Forschung aus zurĂĽckliegenden Jahrzehnten auf's Neue herantransportieren.

Wie man zu Hause selbst Knicklichter herstellt, zeigt ein Instruktionsvideo. Netz-Experimentator NurdRage verrät uns die Geheimnisse der Leuchtstabflüssigkeit anhand sämtlicher Chemikalien, die man braucht, um es in verschiedenen Farben leuchten zu lassen. Bonus: Eine Erläuterung der chemischen Abläufe bei der sogenannten Lumineszenzreaktion. Hier noch der interessante, ausführliche Artikel zum Thema in der deutschen Wikipedia.

Das Universum in der Dose: Der Künstler Jonathan Keats hat ein wissenschaftliches Spielzeug gebaut, mit dem sich bestimmte erstaunliche Effekte der Quantentheorie experimentell untersuchen lassen sollen. Der Versuchsaufbau besteht aus einem Zylinder aus Uranglas, in dem ein Szintillationszähler untergebracht ist. Während das Uran zerfällt, "beobachtet" der Detektor die Ereignisse – und produziert neue Universen. Natürlich alles im Quantenbereich. Ein solches Universe Creation Kit ist schon für 20 Dollar zu haben; wenn man's recht überlegt, ist das eigentlich sehr günstig.

Mathematik an der Decke: Die Leute aus dem Designstudio Ball-Nogues in Los Angeles haben aus knapp 50 Kilometern Garn und mit Hilfe eines computergesteuerten Airbrush-Systems ein fantastisch geformtes und gefärbtes Skulpturgespinst namens "Gravity's Loom" angefertigt, das im Atrium des Indianapolis Museum of Art zu sehen ist. Was mit dem Garn passiert, wenn die Installation wieder abgebaut wird, ist nicht bekannt (man könnte eine Menge Katzen damit glücklich machen). Hier eine Videosimulation des Geflechts. Ein ähnliches Projekt war letztes Jahr im Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles zu sehen – Feathered Edge.

Eine interessante paradox-anatomische Querschnittgrafik von etwas, das aussieht wie eine Frucht mit der Bauchinnenraumausstattung eines Menschen. Die japanische Bildunterschrift besagt laut Google Translate "Lehrer und ihre GĂĽnstlinge mit Lara Nishimoto Hutoshi Abteilung Studium b g ich kenne", was das Ganze nicht weiter erhellt, zumal der Vorname Hutoshi und der Familienname Nishimoto auch keine weiteren SchlĂĽsse zulassen.

Blog-Empfehlung: Fresh Photons ist ein ĂĽberraschungsreiches, wissenschaftsgestimmtes Blog. Hier unter anderem zu sehen ist ein Modell des Weltraumteleskops Hubble aus Filz, ein Mann mit seelischen Problemen in einem Erlenmeyerkolben, sowie ein Foto von einem Zusammentreffen Stephen Hawkings mit Brent Spiner ("Data").

Das Experiment: Aus einer Sammlung von Glasnegativen der National Photo Company aus den Beständen der amerikanischen Library of Congress: Das um 1923 in Washington aufgenommene Foto zeigt eine Wissenschaftlerin, zeittypisch gekleidet, vor dem Aufbau eines chemischen Experiments (via Shorpy Historic Photo Archive).

Welcome to the Universe ist eine mehrteilige Dokumentation der League of Reason (vormals Andromeda's Wake, der gleichnamige YouTube-Channel existiert nach wie vor), die man sich unbedingt in HD und Vollbildschirmformat zu Gemüt führen sollte. Sie befasst sich mit unserem Verständnis des Kosmos und den Wissenschaftlern, den Experimenten und den Missionen, die dieses Verständnis geformt haben. Hier der Trailer, dann der erste Teil mit einer Einführung, der zweite Teil ("Beyond the Sky") und der dritte Teil ("The Size of Things").

Am 31. Dezember 1904 veranstaltete die New York Times erstmals eine Silvesterparty auf dem Times Square, um den Einzug in das neue Verlagsgebäude One Times Square zu feiern. Beim Feuerwerk kam es zu zahlreichen Verletzten, die Verbrennungen erlitten. Silvester 1907 wurde anstelle des Feuerwerks die berühmte Lichterkugel eingeführt, die an einem Fahnenmast auf das Gebäude abgesenkt wird. Bei dem aktuellen Waterford Crystal Times Square New Year's Eve Ball handelt es sich um eine knapp vier Meter durchmessende geodätische Kugel, die etwa doppelt so groß ist wie ihre Vorgänger und 5.386 Kilo wiegt. Ihre Oberfläche besteht aus 2.668 Elementen aus Waterford-Kristallglas und sie wird von 32.256 LEDs erleuchtet, die 16 Millionen Farbvarianten darstellen und Millliarden von spektakulären kaleidoskopischen Mustern hoch über dem Times Square produzieren können. (bsc)