Hund und Katze
Meine Frau Milena möchte ein Haustier. Unbedingt. Aber welches passt am besten in einen Apple-Haushalt? Und wenn Microsoft ein Tier wäre, dann welches?
- Marcel Magis
"Du?" Wenn Milena so anfing, dann hatte sie etwas Wichtiges auf dem Herzen. Ich knabberte weiter an meiner Toastecke und versuchte, so locker wie möglich zu bleiben.
"Wir leben jetzt schon zwei Jahre zusammen, da wird es langsam Zeit, sich Gedanken zu machen."
Ich schaffte es, mich nicht zu verschlucken, und hob meine linke Augenbraue. Der Rest meines Gesichtes fĂĽhlte sich wie Klebstoff an, der in der Sonne in sekundenschnelle trocknete.
"Wir sollten ein Haustier haben", sagte sie.
Mein Gesicht wurde wieder flĂĽssig.
"Gerne, ich liebe Katzen."
"Ich hätte lieber einen Hund."
"Ich mag keine Hunde", sagte ich. "Hunde sind was fĂĽr Leute, die Linux benutzen." Sie schaute mich fragend an.
(Bild:Â Patti Haskins, Lizenz CC by-sa via Flickr)
(Bild:Â Bild Star5112, Lizenz CC by-sa via Flickr )
"So einen Köter muss man erst erziehen, bis er funktioniert, und ständig warten, um den Block laufen und so. Eine Katze ist dagegen wie ein Mac, viel pflegeleichter. Sie macht vielleicht nicht irgendwelche Tricks, aber das, was sie macht, tut sie mit unübertroffener Eleganz. Und am Ende merkt man, dass alles Sinn ergibt, also zumindest vom ästhetischen Standpunkt aus."
"Und was wäre deiner Meinung nach Windows?"
Ich ĂĽberlegte.
"Irgendwie eine Kopie von Katze."
"Ach."
"Ein Wal."
"Was hat ein Wal mit einer Katze zu tun?"
"Ok, auch ein Hund."
"Dann sind Linux und Windows also gleich?"
"Irgendwie auch nicht, vielleicht ist Linux etwas anderes."
"Jetzt bin ich also plötzlich ein PC", schimpfte Milena.
"Nicht doch", sagte ich. "Was fĂĽr einen Hund hast du dir ĂĽberhaupt vorgestellt? Zwischen einem Dackel und einem Irish Setter liegen ja auch Welten."
"Keine Ahnung. So ein Mischling mit spitzer Schnauze und geschecktem Fell."
"Dann ist ja alles gut, ein Mischling ist eindeutig Linux. Und Windows ein Dackel. Möchtest du nicht doch lieber eine Katze?"
"WeiĂź nicht. Aber so ein Mischling muss auch nicht zur Hundeschule und ein bisschen Bewegung an der frischen Luft wĂĽrde dir gut tun."
"Wieso soll ich raus? Du willst doch einen Hund."
"Einen gescheckten. Ich frisiere ihn auch. Wenn wir Kinder haben wollten, dann wäre das viel anstrengender als ein Hund."
"Dafür haben Kinder keine Flöhe", sagte ich. Milena seufzte.
"Ich mache dir einen Vorschlag. Wir schaffen uns zuerst eine Katze an, wenn wir das schaffen, dann können wir uns später auch an einen Hund wagen."
"Hm." Milena überlegte lange. "So eine Katze ist auch schön und ich bin doch eher ein Mac-Typ, nicht? Also ich meine ästhetisch."
"Und wie." Ich lächelte. Denn eine Katze ist wie ein Mac. Und wenn ich recht hatte, dann hatte sich das Thema Hund für immer erledigt.
(se)