Verkaufszahlen des Tata Nano brechen ein
- Gernot Goppelt
Der Tata Nano scheint derzeit ein Zielgruppenproblem zu haben. Nach indischen Medienberichten sind seine Verkäufe in Indien im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 85 Prozent eingebrochen. Ganze 509 Fahrzeuge konnte Tata in dem riesigen Land demnach verkaufen.
(Bild:Â Tata Motors)
Wie Bloomberg berichtet, erklärte Tata-Chef Car-Peter Forster schon vergangenen Monat, dass ein mangelndes Angebot von Finanzierungsmöglichkeiten fĂĽr den Einbruch verantwortlich sei. Viele Banken vergeben demnach sehr zögerlich Kredite an Menschen mit geringem Einkommen, weil es ein hohes RĂĽckÂzahlungsÂrisiko gibt. Der indische Analyst Mahantesh Sabarad vermutet zudem, dass auch einige Interessenten abgeschreckt wurden, weil einige Nanos Feuer gefangen hatten.
Der extreme Einbruch der Verkaufszahlen ist offenbar dadurch zu erklären, dass die ersten Nano-Käufer oftmals keinen Kredit brauchten und das Auto einfach wegen seiner Originalität oder dem Reiz am Neuen kauften. Doch mittlerweile muss sich der Nano einer Kundschaft stellen, die selbst ihn finanzieren muss. Im Übrigen sind die Preise seit Markteinführung deutlich gestiegen. Allein im Oktober stieg der Preis um umgerechnet 198 US-Dollar. Angesichts eines ursprünglichen Grundpreises von etwa 2700 Dollar ist das nicht wenig, zumal es schon im Juli eine vierprozentige Preiserhöhung gegeben hatte.
Einige technische Verbesserungen – die es wegen der Brandfälle freilich bereits gegeben hat – können nicht der Grund sein. Am 10. November gab Tata Motors eine Pressemeldung heraus, laut der es keine Sicherheitsprobleme oder gar Rückrufe gegeben habe, wie manche Medien behauptet hätten. Die "Vorfälle" bei einigen Fahrzeugen hätten sich als spezifisch und fremdverursacht erwiesen. So sei die elektrische Ausstattung umgebaut worden oder man habe "Fremdmaterial" auf den Abgassystemen vorgefunden. Dennoch habe man sich entschieden, das Fahrzeug "sogar noch robuster" zu machen, durch zusätzliche Schutzmaßnahmen in der Elektrik und dem Abgassystem.
Um den Absatz des Nano wieder in Schwung bringen, will das Unternehmen zum einen das Händlernetz ausbauen. Zum anderen spricht Tata mit Banken, um neue Möglichkeiten für die Finanzierung zu schaffen. Es wird sich erweisen müssen, wie ein extremes Billigauto erfolgreich sein kann, wenn die Zielgruppe sich nicht einmal dieses leisten kann. (ggo)