Wissenschaftsrat will europäischen Höchstleistungsrechner in Deutschland

Der Wissenschaftsrat hat empfohlen, drei Höchstleistungsrechner der höchsten Leistungsklasse auf europäischer Ebene einzurichten -- und wünscht sich einen davon in Deutschland.

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Von
  • Angela Meyer

Der Wissenschaftsrat hat empfohlen, drei Höchstleistungsrechner der höchsten Leistungsklasse auf europäischer Ebene einzurichten. Einer davon sollte seinen Standort in Deutschland haben. Derzeit stünden von den weltweit 500 leistungsfähigsten Hoch- und Höchstleistungsrechnern 121 in europäischen Ländern.

In der rund vierzigseitigen Empfehlung (PDF) gibt der Wissenschaftsrat einen Überblick über den derzeitigen Stand der Rechenkapazitäten, die von den unterschiedlichsten Fachdisziplinen benötigten Ressourcen und die bereits laufenden Aktivitäten zu einem weiteren Ausbau. Mit Hilfe von Höchstleistungsrechnern seien in den zurückliegenden Jahren in zahlreichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen wissenschaftliche Durchbrüche erzielt worden, die auf Rechnern niedrigerer Leistungsklassen nicht möglich gewesen wären. Dies betreffe beispielsweise Simulationen in den Bereichen Klima- und Erdsystemforschung, Nanostrukturphysik, Festkörperphysik, Strömungsmechanik, Astrophysik, Quantenchromodynamik, Materialforschung, Chemie, Molekulardynamik, Polymerforschung und Biophysik.

Nach Ansicht des Wissenschaftsrats hat sich die Verfügbarkeit von Höchstleistungsrechnern zu einem entscheidenden Standortfaktor im internationalen Wettbewerb entwickelt: Wenn im Jahr 2005 der mit 40 Teraflop/s Spitzenleistung leistungsstärkste deutsche Rechner am Leibniz-Rechenzentrum in Garching installiert sein wird, wird gleichzeitig in den USA ein Rechner bereitgestellt werden, der das Neunfache dieser Leistung aufbringen kann. Um in Europa künftig mit Japan, USA und neuerdings auch China wissenschaftlich konkurrieren zu können, sei deshalb ein fortlaufender qualitativer und quantitativer Ausbau der Rechnerversorgung unverzichtbar. Der derzeit stärkste europäische Supercomputer in Barcelona soll bis zum Frühjahr 2005 ebenfalls von aktuell 31 auf 40 Teraflop/s ausgebaut werden.

Da die Kosten für international führende Höchstleistungsrechner sich auf etwa 200 Mio. Euro belaufen und damit nicht mehr ohne weiteres von einem Land allein finanziert werden können, empfiehlt der Wissenschaftsrat, Höchstleistungsrechner der höchsten Leistungsklasse in Zukunft durch den Zusammenschluss nationaler Ressourcen auf europäischer Ebene einzurichten. Aufgrund der Standzeit eines Höchstleistungsrechners von fünf bis sechs Jahren sei die Einrichtung von drei europäischen Höchstleistungsrechnern sinnvoll. Da Deutschland über ausgezeichnete Erfahrungen im Bereich des Höchstleistungsrechnens verfüge, sollte man sich hier als Standort für einen europäischen Höchstleistungsrechner bewerben. Für den Fall, dass die Ansiedlung eines solchen europäischen Rechners gelingen sollte, kämen auf den Bund und die Länder Kosten in der Größenordnung von 30 bis 50 Mio. Euro zu. (anm)