Deutsche Firmen prüfen Rückzug von Wall-Street-Börsennotierung
Der deutsche Siemens-Konzern zieht die Aufgabe der Aktien-Notierung in New York in Erwägung.
Der deutsche Siemens-Konzern zieht die Aufgabe der Aktien-Notierung in New York in Erwägung. Das meldet der Berliner Tagesspiegel. Schon fest entschlossen, die Leitbörse der Welt zu verlassen, sind dagegen einige kleine Unternehmen: Der Elektrodenhersteller SGL Carbon würde sich nach Aussagen seines Vorstandschefs Robert Koehler lieber heute als morgen zurückziehen. Hauptgrund für einen Rückzug sind zumeist die hohen Kosten -- etwa für Berichte an die Börsenaufsicht SEC, für Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer oder teure Manager-Versicherungen. Vor allem kleinere Unternehmen leiden darunter.
Enttäuscht von der Wall Street gibt sich der in Turbulenzen steckende Softwarehersteller Lion Bioscience. "Wir prüfen, ob sich ein Delisting lohnt, weil sich unsere Erwartungen nicht erfüllt haben", sagte eine Sprecherin dem Blatt. Gemessen an den Aktienumsätzen an der deutschen Börse sei ein Handelsvolumen von maximal fünf Prozent an der Technologiebörse Nasdaq zu gering, um die hohen Kosten der Notierung dort zu rechtfertigen. "2004 hat uns die Nasdaq 400.000 Euro pro Quartal gekostet", sagte die Sprecherin. "Das entspricht sieben Prozent der Gesamtkosten von Lion im kommenden Jahr."
Auch der Graphitspezialist SGL Carbon will sich die Kosten des Listings sparen. Ein Sprecher des Unternehmens begründet auch, warum es heute nicht mehr wichtig ist, amerikanische Investoren in den USA selbst zu locken. Die Pensionsfonds hätten früher nur in New York Aktien kaufen dürfen, jetzt seit das auch in Frankfurt am Main möglich. (tol)