Silver Peak Systems macht Weitverkehrsdaten Beine
In den USA ist Silver Peak Systems eine feste Größe im Bereich Optimierung von Weitverkehrsverbindungen. Nun hat das Unternehmen auch in Deutschland eine Niederlassung eröffnet und einen ersten Partner gewonnen. Weitere sollen folgen.
Eigentlich war das Thema Optimierung von Weitverkehrsleitungen abgehakt – dank wachsender und vor allem bezahlbarer Bandbreite auf WAN-Strecken und dank des Preiskampfes von Telekommunikationsfirmen und Internet-Service-Providern. Doch mehrere Entwicklungen haben zu einem Revival von WAN-Optimiziation geführt: die Übermittlung von Echtzeitdaten wie Sprache und Videos über Weitverkehrsstrecken, die Anbindung von Außenstellen an Applikationen, die in zentralen Rechenzentren laufen, und nicht zuletzt der Trend zum Cloud-Computing.
Alle diese Anwendungsfelder setzen voraus, dass nicht nur reichlich Bandbreite zur Verfügung steht, sondern dass einzelne Datenarten mit Vorrang über WAN-Leitungen transportiert werden, etwa Voice-over-IP-Pakete oder Storage-Daten. Beide reagieren empfindlich auf Verzögerungen. Davon profitiert Silver Peak Systems. Die US-Firma bietet Hard- und Software für die "WAN-Optimization" an. Zu den Kunden des Unternehmens zählen unter anderem AT&T, der Prozessorhersteller ARM, Google, Intel, Facebook und Visa. Deutsche Unternehmen sind jedoch – noch – Mangelware.
(Bild: Silver Peak)
Das will Silver Peak jetzt ändern. "Wir haben mit Mike Betz einen erfahrenen Vertriebsprofi gewonnen, der im Raum EMEA ein Partnernetz aufbauen soll", erläutert Jeff Aaron, Vice President Marketing von Silver Peak im Gespräch mit Heise Resale. Betz, ein gebürtiger Niederländer, richtet derzeit in München die Europa-Zentrale des Unternehmens ein. "Eine zentrale Aufgabe besteht darin, eine Channel-Infrastruktur aufzubauen", so Mike Betz. Als ersten Partner für die Region Deutschland, Österreich und Schweiz hat Silver Peak den Distributor Sysob gewonnen. Weitere Unternehmen sollen folgen. Laut Betz laufen derzeit mit etlichen Kandidaten Verhandlungen. Welche das sind, wollte der frisch gebackene Vice President Europa, Mittlerer Osten und Afrika jedoch nicht verraten.
Zusatzgeschäft durch Services
Ganz, wie dies derzeit "en vogue" ist, lockt Silver Peak potenzielle Partner mit der Aussicht auf Zusatzgeschäfte durch Services. "Unsere Partner können die Hard- oder Software-Appliances von Silver Peak bei ihren Kunden installieren und parallel dazu die Optimierung und Wartung der WAN-Infrastruktur des Nutzers übernehmen", so Mike Betz.
Ein Blick auf die Produktpalette: Neben Hardware-Appliances bietet Silver Peak mit der "VRX-8 Virtual Appliance" ein WAN-Optimierungssoftware in Form einer Virtual Machine (VM). Derzeit werden die Hypervisors von Vmware (ESX) und Microsoft (Hyper-V) unterstützt. Dagegen sind Versionen für Citrix-Xen und KVM (Kernel-based Virtual Machine) noch nicht verfügbar. Sie sollen "in Kürze" folgen. Ein Grund, weshalb Silver Peak auch auf Hyper-V setzt, ist laut Aaron das Partnernetzwerk des Software-Anbieters. Dies will Silver Peak nutzen, um speziell in Deutschland Zugang zu Kunden zu finden.
Virtualisierte und Hardware-Versionen
(Bild: Silver Peak)
Die VRX-8 ist für WAN-Leitungen mit bis zu 1 GBit/s und maximal 1000 gleichzeitigen Verbindungen ausgelegt. Klassische Einsatzgebiete sind das Replizieren der Datenbestände ganzer Rechenzentren (Data Center Replication) und Disaster Recovery. Die Software unterstützt die Datenreplizierungs-Anwendungen von Anbietern von Storage Area Networks (SANs) und Network-Attached-Storage-Systemen (NAS), darunter 3Par, Dell, EMC, Hitachi Data Systems und Netapp. Für kleinere Unternehmen kommen die virtuellen Appliances der VX-Serie in Betracht. Hier stehen vier Modelle zur Verfügung, für WAN-Verbindungen von 4 MBit/s bis zu 50 MBit/s.
Unter dem Namen "NX" bietet Silver Peak insgesamt sieben Hardware-Boxen an. Im Inneren steckt dieselbe Software wie bei den virtualisierten Versionen. Laut Datenblättern sind sie für WAN-Strecken mit 4 MBit/s bis 1 GBit/s beziehungsweise 8000 bis 256.000 Connections ausgelegt.
Alle Systeme nutzen drei Verfahren, um den Datentransfer zu beschleunigen. Das erste ist Deduplizierung, also das Herausfiltern redundanter Pakete. Dies findet auf der IP-Ebene statt, nicht in der TCP-Schicht. Dadurch ist es möglich, auch Datenbestände zu komprimieren, die bereits mithilfe anderer Tools für den Transport über WAN-Links "abgespeckt" wurden. Hinzu kommt die bevorzugte Übermittlung von zeitkritischen Daten wie Sprachpaketen dank der Funktion "Network Integrity". Das Deduplizieren und Komprimieren von Daten auf TCP-Ebene bieten dagegen auch Konkurrenten an, Blue Coat und Ipanema.
Verwaltung mittels Dashboard
Managen lassen sich die Systeme über eine zentrale Konsole (Dashboard). Sie erlaubt es unter anderem, die Datenreplikation über WAN-Strecken zu überwachen. Zudem kann der Systemverwalter mithilfe von Dashboards analysieren, welche Komponenten für Engpässe oder Probleme verantwortlich sind: das Netzwerk oder die Storage-Infrastruktur.
Speziell die VRX-8-Appliance ist vor allem für den Einsatz in Data Centern gedacht. Das bedeutet, dass dieses Produkt bestenfalls für größere Systemhäuser oder Reseller mit solidem Netzwerk-Know-how von Interesse sein dürfte. Dagegen können die kleineren Appliances auch zur Anbindung von Filialen und Standorten von Partnerfirmen eingesetzt werden. Sie sind einfacher zu implementieren und zu managen. Das heißt, sie passen auch in die Produktpalette von technisch weniger versierten Resellern. (gs)