Handy-Netz ohne Lizenz

Das US-Unternehmen xG Technology hat eine Funktechnik entwickelt, die Telefonie, SMS und Datenversand über freie Frequenzen erlaubt.

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  • Tom Simonite

Das US-Unternehmen xG Technology hat eine Funktechnik entwickelt, die Telefonie, SMS und Datenversand über freie Frequenzen erlaubt.

Ein neuartiges Mobilfunknetz, das momentan im amerikanischen Fort Lauderdale getestet wird, kommt ohne einen sonst höchst wichtigen Bestandteil aus: Die offizielle Frequenzzuteilung. Stattdessen setzt die Technik des Funkspezialisten xG Technology auf das in den USA freie Band um 900 Megahertz, das dort sonst für schnurlose Telefone, Babyfone und andere Kurzstreckenfunkanwendungen vorgehalten wird. Die Plattform könnte aber auch in Europa auf dort freien Frequenzen genutzt werden.

xG verwendet ein System, das von dem Unternehmen "kognitive Funksender" getauft wurde. Dabei wird bis zu 33 Mal in der Sekunden nach einem freien Bereich im Spektrum gesucht. Im Fall einer bereits belegten Frequenz stellen sich sowohl Basisstation als auch Endgeräte auf einen noch nutzbaren Funksektor ein, halten dabei aber weiter das Gespräch. Mit insgesamt sechs Basisstationen lassen sich so Radien von rund vier Kilometern abdecken.

Die smarte Frequenzabtastung funktioniert erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass das Testnetz einen Bereich mit fast 110.000 Menschen abdeckt. "Da haben wir drahtlose Überwachungskameras, Babymonitore und Schnurlostelefone, die alle auf dem gleichen Spektrum funken", erklärt Rick Rotondo, Manager bei xG. Die Basisstationen seien dennoch agil genug, den Nutzern stets eine gute Sprachqualität zu garantieren.

Bei ihrem Versuch fanden die xG-Ingenieure heraus, dass selbst in urbanen Regionen die Maximalauslastung frei verwendbarer Spektren bei nur 15 Prozent lag. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass dabei jegliche zentrale Kontrolle fehlt.

Die xG-Technik funktioniert allerdings nicht mit herkömmlichen Mobiltelefonen, stattdessen sind eigens entwickelte Endgeräte notwendig. Dafür können diese aber nicht nur Sprache empfangen, sondern auch Datenfunk und SMS-artige Textnachrichten.

xG will bestehende Netze wie GSM aber nicht ersetzen, sondern diese ergänzen. "Wir sind daran interessiert, Geräte zu bauen, die fähig sind, verschiedene Spektren dynamisch zu nutzen – sowohl lizenzpflichtige als auch lizenzfreie", sagt Rotondo. Damit kommt er großen Mobilfunkanbietern entgegen: So nutzt der US-Netzbetreiber AT&T schon jetzt seine zahlreichen WLAN-Hotspots, um Traffic aus dem Kernnetz zu nehmen. Denkbar sei, dass Geräte künftig automatisch in freie Bereiche schalteten, wenn der Datenverkehr im Standardnetz zu stark sei, so der xG-Manager, der auch neue "White Space"-Frequenzbereiche im Blick hat, die gerade in den USA und Europa freigeräumt werden.

Nach den Versuchen in Fort Lauderdale soll nun die Errichtung eines Netzes im Produktivbetrieb folgen. Dazu gewann xG einen Versorgungsvertrag für eine Trainingsbasis der US-Armee in New Mexico. Dort soll mit der hauseigenen Technik auf freien Frequenzen ein Netz entstehen, dass man sonst nur aus dem Mobilfunkbereich kennt. Im Erfolgsfall haben die Armeeoberen bereits ein Interesse daran bekundet, das System auch in Kampfgebieten einzusetzen. (bsc)