Zwangswerbung bei TiVo
Ab März kommenden Jahres will der Hersteller digitaler Videorecorder beim Spulen über Werbeblöcke einer aufgenommenen Sendung zwangsweise Popup-Werbung einblenden.
Ab März kommenden Jahres will der Hersteller digitaler Videorecorder TiVo beim Spulen über Werbeblöcke einer aufgenommenen Sendung zwangsweise Popup-Werbung einblenden. Nach einem Bericht der Los Angeles Times können TiVo-Nutzer zudem bei Interesse an den per Popup beworbenen Produkten per Knopfdruck ihre Kontaktdaten direkt an die Produktanbieter senden. Später soll es sogar möglich sein, Produkte direkt von der Couch aus per Fernbedienung zu erwerben. Schon heute ist das direkte Überspringen von Werbesendungen bei TiVo-Recordern nicht möglich, sondern nur ein schnelles Vorspulen mit maximal achtfacher Geschwindigkeit.
Die eingeblendete Werbung kommt nicht von ungefähr: So hat TiVo bereits seit längerem eine Funktion integriert, welche das Zuschauerverhalten analysiert. Praktisch jede Aktion des Benutzers wird aufgezeichnet. Anhand dieser Daten lässt sich ein Profil für jeden Kunden generieren, der dann Werbung für "passende" Produkte erhält. TiVo experimentierte in der Vergangenheit bereits mit "Thumbs-Up"-Symbolen, die bei bestimmten Sendungen den Zugriff auf weitere Informationen wie Kataloge und Demo-DVDs erlaubten.
Zudem denkt TiVo darüber nach, zusammen mit der Firma NetFlix einen Online-Film-Leihdienst aufzubauen. Filme würden dann per Breitband-Verbindung auf die Festplatte des Videorecorders gespeichert werden. Experten gehen in diesem Szenario vom Einsatz MPEG4-komprimierte Videos aus, womit jeder Film eine Größe von rund 700 MByte hätte. Weitere Premium-Dienstleistungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls nur gegen ein Entgelt zu haben sind, sollen folgen. Hintergrund dürfte die Suche nach weiteren Einnahmequellen sein, da das Unternehmen trotz eines Umsatzsprungs im vierten Quartal 2004 seit dem Start 1999 noch keinen Gewinn eingefahren hat. (Stefan Goehler) / (nij)