Was war wirklich wahr. (Des ersten Sommerrätsels Auflösung)
Der erste Teil des Sommerrätsels ist gelaufen. Alles, was schief gehen kann, ging schief. Und doch hat alles funktioniert -- einschließlich fast aller Auflösungen durch die Leser. Und Hal Faber werkelt am zweiten Teil.
Der erste Teil des Sommerrätsels ist gelaufen. Dabei habe ich gelernt, dass Finagles Gesetz seine Gültigkeit hat. Alles, was schief gehen kann, wird schief gehen. Tief im Innern der MySQL-Datenbank rumpelte es mit der Folge, dass das WWWW nicht erschien. Eilends von lustigen Partys wegtelefonierte Wizards brachten dann zwar das WWWW heraus, doch ohne die Bilder des Sommerrätsels. Ich fühlte mich wie die Techniker der NASA, die den Start der Discovery abbrechen mussten, weil ein Tanksensor einen falschen Füllstand meldete. Kam hier etwa aus Sparsamkeit die Sensortechnik bekannter Druckerhersteller zum Zuge?
Was war wirklich wahr.
Dann aber kamen sie, die Bilder -- und fast noch schneller die Lösungen zu den Fragen. Noch im reinen Textmodus wurde als Antwort auf die letzte Frage die gute alte "42" aus dem Anhalter bemüht, Das war leider falsch. Abgebildet ist der englische Tidenrechner (das wurde mit Bild richtig erkannt) "The Great Brass Brain", der von 1914 bis 1966 im Einsatz war, also 52 Jahre lang. Übrigens wurde auch nach "42" gefragt, aber als Antwort eines Menschen. Diese Antwort stammt aus dem Jahre 1965 von einer Pressekonferenz, auf der Bob Dylan gefragt wurde, wie viele Protestsänger es auf der Welt gibt.
Am schnellsten wurde die Herkunft des Rechners gelüftet, der 1995 auf der Berliner Funkausstellung Premiere hatte. Der Woody PD von Panasonic wurde zwar gefunden, doch warum das Gerät scheiterte, darüber gab es keine Auskunft. Urbane Mythen machen einen obzönen Nebenklang verantwortlich, doch war es offenbar das proprietäre PD-Laufwerk, das Woody floppen ließ. Es konnte neben CD-ROM besondere PD-Scheiben mit 640 Megabyte Kapazität lesen und beschreiben. Sie waren zu fehleranfällig.
Vor dem Woody wurde nach einer Firma gefragt, die sich über Vaporware lustig macht. Die eigentlich einfachste Frage erwies sich als die härteste Ratenuss. Intel war die Firma, die sich in ihren Anzeigen für das Above Board 286 über das (kürzlich beerdigte) OS/2 lustig machte. Ein Beweis sei nachgeliefert mit dem nebenstehenden Scan, der sich mittels Klick zu einer vergrößeren Ansicht öffnen lässt.
Zu den bizarren Duschideen der Forumsleser gesellte sich ein Foto, mit dem die Firma Electrolux vor einiger Zeit die Zukunft der Sauberkeit visionär beschrieb. Geduscht wird trocken im Sitzen auf dem W?C in einem Ionenstrom, der praktischerweiese auch die durchgewirbelte Wäsche reinigt.
Souverän erkannten Leser auch die Lochkarten eines Jacquard-Webstuhls, passend zur unendlichen Geschichte der Firma SCO. Ob diese an dem abgebildeten Programm Rechte geltend macht, ist nicht bekannt: Es ist ein Programm, mit dem die rotgrauen Militärdecken im Königreich Hannover gewebt wurden. Mit den Webstühlen kamen Babbage und Lovelace auf die Ideen, strukturierte Rechenanweisungen zu verfassen. Die Kunst kam später darauf zurück.
Selbst das Bild eines Kindes, das mit einem Prototypen von Nokias Spielehandy N-Gage experimentiert, war schneller entschlüsselt worden als gedacht.
Etwas länger hielt man sich bei der Banane auf, doch Motorolas erstes Mobiltelefon, das offiziell "Dynamic Adaptive Total Area Coverage" getaufte DynaTAC wurde auch gefunden. Die ursprüngliche Bananenform wurde absichtlich in ein kantiges und klobiges "solides" Design verwandelt.
Auch ein Volltreffer beim Taschenbüro, das in Großbritannien zu Werbezwecken von Heineken verteilt wurde. Das abgebildete Exemplar stammt aus dem Frankfurter Design-Museum und wird dort als erste mobile Office-Lösung bestaunt.
Das Bildungsrad im Foto kann uns nicht aus der bundesdeutschen Klemme zwischen PISA und rechts geschriebener Kleinstaaterei befreien. Es ist das Riesenrad, das Stanley Kubrick für den Film "2001 -- Odyssee im Weltraum" für 75.000 Pfund bei Vickers Engineering bauen ließ. In der überdimensionalen Hamsterrolle liefen die Astronauten herum, von mitdrehenden HAL 9000 bestens versorgt.
Als erstes Foto (und letzte Antwort für heute) ist das Elektronium von Raymond Scott aufzulösen, das etwas verdreht gezeigt wurde. Mit diesem Gerät komponierte Scott die erstaunliche Musik zum Werbespot "The Paperwork Explosion", der am Beginn der Geschichte der Textverarbeitung steht.
Nun denn, wie versprochen sind wir sparsam mit den Preisen, daher kann ich mir auch die nächsten Teile des Sommerrätsel leisten -- in der Hoffnung auf weiter gespannte Leser und nicht mehr ihre Gültigkeit zwanghaft unter Beweis stellende Konfusionsgesetze. (Hal Faber) / (jk)