ENUM-Dienste sollen einzeln adressierbar sein
Auf dem Treffen der Internet Engineering Task Force im kalifornischen San Diego diskutierten die Entwickler ĂĽber die direkte Adressierbarkeit von Webdiensten und Carrier-ENUM.
Der ENUM-Standard soll überarbeitet, und nach Angaben des ENUM-Entwicklers Patrik Fältström, vereinfacht werden. Ein Kernproblem ist dabei die direkte Adressierbarkeit der unter dem ENUM-Eintrag abgelegten Dienste. Dem will die beim laufenden Treffen der Internet Engineering Task Force (IETF) im kalifornischen San Diego als 3178bis vorgelegte Neufassung des Standards 3178 Abhilfe schaffen. Ursprünglich war die ENUM-Registry mit in Domainform abgelegten Rufnummern (3.2.1.9.4.e164.arpa) als Brücke zwischen klassischer und SIP-Telefonie gedacht. Bei der IETF-Arbeitsgruppe werden inzwischen regelmäßig neue, über die ENUM-Registry adressierbare Dienste präsentiert. Neben den URIs (Uniform Resource Identifiers) für das klassische Telefonnetz oder SIP lassen sich auch E-Mail sowie andere Webdienste – vom Kalender bis zur Visitenkarte – in der ENUM-Registry ablegen.
Für die verschiedenen Dienste wird jeweils ein eigener Eintrag, der so genannte "Naming Authority Pointer Resource Record (NAPTR-RR), in der ENUM-Registry angelegt, der Regeln für die Umwandlung der Anfrage enthält. "Zu viele Dienste, die als NAPTR-RRs verpackt werden, machen auf Dauer ein Problem", erläutert Peter Koch, der die IETF für die deutsche DENIC verfolgt. "Die Services einzeln anwählen zu können, ist da schon eleganter." Außerdem ließe sich auf diesem Weg die Verwaltung der einzelnen Informationen an die verschiedenen Diensteanbieter "delegieren".
Der Vorteil, findet auch Fältström: "Man kann jeweils den ENUM-Diensteprovider mit dem DNS-Betrieb für den Adresseintrag betrauen, für den er den Service betreibt." Der SIP-Provider wäre also für das funktionierende SIP-Routing, der Telefonieanbieter fürs das Routing ins und vom PSTN zuständig. Angesichts der vielen verschiedenen Diensteangebote hält Fältström, der gleichzeitig einer der Vorsitzenden der IETF-Arbeitsgruppe ist, ein spezielles Unterverzeichnis für das derzeit diskutierte Infrastruktur-ENUM nicht für zwingend notwendig. Private ENUM-Verzeichnisse seien nicht aufzuhalten, meint Fälström. Infrastruktur-ENUM soll VoIP- und IP-Telefonieanbietern ein durchgängiges IP-Routing ermöglichen, unabhängig davon, ob der Nutzer seine ENUM-Nummer einträgt.
Wenn man den Telefonieanbietern aber eigene Unterverzeichnisse zugestehe, könnten auch andere Diensteanbieter das verlangen, sagte Fälström in San Diego und räumte ein, auch "die Arbeitsgruppe will ein eigenes Verzeichnis". Wesentliche Vorarbeiten für das Unterverzeichnis leisteten bereits Vertreter der NIC.at-Tochter ENUM.at und der österreichischen ENUM-Registry und der Telekom Austria-Tochter OEFEG. Richard Stastny, ENUM-Pionier von der OEFEG, befürchtet mit Blick auf geplante Änderungen im ENUM-Standard Probleme für variable Rufnummernsysteme, wie es sie in Deutschland und Österreich im Einsatz sind.
Stastny ist zudem nicht zufrieden mit der zögerlichen Haltung der IETF-Entwickler zu einer Parallelstrategie bei der eigenen Subdomain für Infrastruktur-ENUM. Die ENUM.at testet derzeit ein System, bei dem Carrier Rufnummernblöcke unter i.3.4.e164.arpa eintragen können. Die Entwicklergemeinde neige derzeit dazu, so fürchtet Stastny, keine Festlegung dazu zu treffen, wo die Abspaltung des Infrastrukturbaumes stattfinden soll. Dies der International Telecommunication Union (ITU), der Wächterin über den Nummernplan unter e164, zu überlassen, könnte eine Entscheidung allerdings sehr verzögern. Noch wird auch um die Zulassung von Statusabfragen im ENUM-Verzeichnis gerungen, das Auskunft darüber gibt, ob eine Nummer vergeben ist. Solche Abfragemöglichkeiten könnten Datamining zu Nummerneinträgen ermöglichen, so einer der Kritikpunkte. (Monika Ermert) /
(vbr)