BitDefender: "Cloud und Mobile Security eröffnen neue Chancen für den Channel"

Der Markt für Sicherheitssoftware ist hart umkämpft. Eine Vielzahl von Anbietern tummelt sich auf diesem Feld; entsprechend niedrig sind die Margen für Reseller. Kein Wunder, dass die Anbieter verstärkt auf neue Marktsegmente setzen, etwa Lösungen für mobile Geräte und Managed-Security-Services. Das gilt auch für BitDefender. Das Unternehmen will in diesem Jahr zu den "Großen" der Security-Branche aufschließen.

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Von
  • Bernd Reeder
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Harald Philipp, Geschäftsführer der BitDefender GmbH: "Managed Security Services und Cloud-gestützte Lösungen eröffnen Resellern neue Chancen, bedingen allerdings auch eine Neuorientierung."

(Bild: BitDefender)

Zu den "ganz Großen" im IT-Sicherheitsmarkt zählt BitDefender noch nicht. Laut einer Studie, die im Rahmen der Software-Zertifizierungsinitiative Oesis OK erhoben wurde, hatten die Produkte der rumänischen Firma im Juni 2010 weltweit einen Marktanteil von 1,34 Prozent. Dieser Wert bezieht sich auf die Zahl der Installationen auf Rechnern. Damit rangiert BitDefender weit hinter anderen Anbietern von Antiviren- und Antispyware-Software wie Avast (19 Prozent), Avira (11,4 Prozent) und Symantec (10 Prozent). Fairerweise muss man allerdings einräumen, dass Avast und Avira, ebenso wie Microsoft ("Security Essentials"), davon profitieren, dass sie Heimanwendern und kleinen Firmen eine kostenlose Version ihrer Produkte zur Verfügung stellen.

Im neuen Jahr will BitDefender vor allem auf dem deutschen Markt Boden gut machen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Fachhandel: "Im laufenden Jahr wird einer der Schwerpunkte auf einem neuen Partnerprogramm liegen", erläutert Harald Philipp, Geschäftsführer der BitDefender GmbH. "Unsere Intention ist es, die Fachhandelspartner durch Vertriebs- und Marketing-Aktionen gezielt zu unterstützen." Neben der klassischen Marketingkommunikation und Sales-Incentives spielt dabei laut Philipp auch der Know-how-Transfer eine zentrale Rolle: "Ein Fachhändler kann durch die technischen Trainings und Webinare von BitDefender entsprechendes Fach- und Produktwissen aufbauen, um sich beispielsweise bei Ausschreibungen erfolgreich gegen lokale Mitbewerber durchzusetzen", so der Deutschland-Geschäftsführer im Gespräch mit heise resale.

Ein Trend, mit dem sich auch Reseller von Sicherheitssoftware konfrontiert sehen, ist Cloud-Computing. Anbieter wie Symantec, McAfee oder Trend Micro forcieren das Geschäft mit "Sicherheitsservices aus der Wolke". Sie bieten beispielsweise ihre Produkte im Rahmen von Software-as-a-Service-Modellen (SaaS) an. Ein weiteres Geschäftsfeld, das lukrativer ist, als "nur" Sicherheitssoftware-Pakete zu verkaufen, sind Managed Services: Anwender übertragen in diesem Fall einem IT-Haus oder ihrem IT-Fachhändler die Aufgabe, Server oder Client-Systeme von Schadsoftware freizuhalten. "Viele Security-Services wie Antiviren-Updates oder Maßnahmen gegen Zero-Day-Attacken werden bereits jetzt über die Cloud bereitgestellt", so Philipp. "Besonders interessant für Sicherheitsfirmen wie BitDefender sind derzeit Service rund um die E-Mail- und Web-Security."

In diesen Marktsegmenten will BitDefender künftig noch stärker mitmischen: "Managed-Security-Services und Cloud-gestützte Lösungen eröffnen Resellern neue Chancen, bedingen allerdings auch eine Neuorientierung weg von Verkauf und Einmalumsätzen hin zu monatlichen Service-Pauschalen. Nur wer dies versteht und aktiv für das eigene Unternehmen umsetzt, dem eröffnen die neuen Cloud-Technologien die Möglichkeit, neue Einnahmequellen zu erschließen", warnt Philipp jedoch vor übertriebenen Erwartungen. "Die Anforderungen sehen wir eher in der vertrieblichen Argumentation, weniger in der technischen Komplexität von Cloud-gestützten oder gemanagten Sicherheitsdiensten."

Eine weitere Einnahmequelle für den Fachhandel sieht BitDefender in Software, die mobile Geräte wie Smartphones, Tablet-Rechner und Notebooks vor Schadsoftware schützt. "Mit dem zunehmenden Einsatz dieser Geräte steigen die Sicherheitsanforderungen für Unternehmen drastisch", so Philipp. "Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass die Geräte sowohl im Unternehmensnetz als auch außerhalb genutzt werden."

Laut Oesis waren Sicherheitsprogramme von BitDefender im Juni 2010 auf rund 1,3 Prozent aller Rechner weltweit installiert. Damit zählt das Unternehmen zu den kleineren Anbietern im Bereich IT-Security-Software.

(Bild: Oesis/BitDefender)

Netzwerk- und IT-Manager stellt diese Entwicklung vor neue Herausforderungen. Sie müssen solche Systeme vor Angriffen schützen und gleichzeitig sicherstellen, dass mobile Mitarbeiter über sichere Kanäle auf das Firmennetz zugreifen können, etwa über VPNs (Virtual Private Network). Für Anbieter von Sicherheitssoftware und Lösungen, mit denen sich der mobile Gerätepark verwalten lässt, eröffnen sich dadurch neue Absatzmärkte. "Hier liegt ein enormes Geschäftspotenzial für den Channel, angefangen bei der Beratung, über die Konzeption sowie die Implementierung bis hin zum Service können Reseller und Systemhäuser den Unternehmen ganzheitliche Sicherheitslösungen anbieten", ist der BitDefender-Chef überzeugt. Ähnlich wie bei Cloud-Computing und Managed-Security-Services bedürfe es auch bei Sicherheitslösungen für mobile Endgeräte eines erfahrenen Partners, der neben dem technologischen Know-how bei der Malware-Bekämpfung auch solide Produkte für unterschiedliche Plattformen und Unternehmensgrößen anbieten könne.

Allerdings sind speziell Hosted- und Managed-Security-Services derzeit ein Geschäftsfeld, das noch in den Kinderschuhen steckt. Laut der Marktforschungsgesellschaft Canalys wurden 2010 mit Hosted-Security-Services für Firmenkunden weltweit etwa 893 Millionen Dollar umgesetzt. Im Jahr zuvor waren es 748 Millionen Dollar. Somit ist bei Sicherheits-Diensten ein deutliches Wachstum um fast 20 Prozent erkennbar – wenn auch auf noch niedrigem Niveau.

Zum Vergleich: Der weltweite Umsatz mit Client-Security-Software betrug 2010 an die 2,54 Milliarden Dollar, mit Sicherheitssoftware für die Absicherung von ganzen IT-Infrastrukturen (Netzen, Servern) rund 3,8 Milliarden Dollar. Mit 7,3 Milliarden Dollar entfällt der Löwenanteil auf das Geschäft mit Sicherheits-Appliances, also mit Hardware-Systemen oder Software-Appliances. Zu dieser Kategorie zählen unter anderem Firewalls oder Intrusion-Prevention-Systeme. (map)