Armenisches GSM-Netz seit drei Wochen gestört
Mit Preissenkungen hat der Ex-Monopolist Armentel erreicht, dass Kunden das Mobilfunknetz ĂĽber seine Belastungsgrenzen treiben -- nach Angaben der Firma stehen aber auch griechische und deutsche Techniker hilflos vor dem Problem.
Seit fast drei Wochen haben armenische Mobilfunk-Nutzer große Probleme. Telefonate sind kaum möglich, das Mobilfunknetz Armentel Mobile kämpft mit technischen Schwierigkeiten. Entsprechend sauer sind die gut 200.000 Kunden. Bis Ende Juni hatte der Anbieter ein Monopol, seit 1. Juli ist mit K-Tel ein Konkurrent am Markt. Genau zu diesem Termin senkte Armentel, eine Tochter der griechischen OTE, die Gebühren. Die dadurch gestiegene Nutzung dürfte das schlecht ausgebaute Netz vollkommen überlasten. Die Regierung, die zu Beginn eine schnelle Lösung versprochen hatte, überlegt nun, den ehemals staatlichen Anbieter zu bestrafen.
Armentel hat derweil griechische und deutsche Techniker eingeflogen, die jedoch auch nicht schnell helfen können -- Kapazitätserweiterungen dauern eben. Nach offiziellen Angaben stehen aber auch die ausländischen Techniker vor einem Rätsel und finden die Ursache der Störungen nicht. Der Anbieter hat seine Kunden aufgefordert, nur zum Zweck der Überprüfung der Netzfunktion getätigte Anrufversuche zu unterlassen, da dies das Netz weiter belasten und echte Kommunikation weiter erschweren würde.
K-Tel versorgt zu Beginn nur die Hauptstadt Jerevan, dehnt das Netz aber auf weitere Städte aus. Unter dem Markennamen VivaCell sollen innerhalb von drei Monaten 300.000 Kunden gewonnen werden -- mehr als der Ex-Monopolist seit 1996 geworben hat. OTE hat 1998 90 Prozent von Armentel für 200 Millionen Dollar gekauft. Die damals in der armenischen Regierung Verantwortlichen haben Presseberichten zufolge inzwischen eingestanden, dass die Gewährung eines Mobilfunk-Monopols ein Fehler gewesen sei. Für Verbindungen ins Ausland besteht das Monopol fort. Armenien hat gut drei Millionen Einwohner, 1,25 Millionen von ihnen leben in der Hauptstadt. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)