One verstärkt Engagement für mobile Musik
Der österreichische Mobilfunk-Netzbetreiber setzt auf den Vertrieb von Musikdateien.
Der österreichische Mobilfunk-Netzbetreiber One setzt auf den Vertrieb von Musikdateien. "Mobile Music ist der Wachstumsmarkt schlechthin", ist One-CCO Michael Fried überzeugt, "auf den setzen wir in den nächsten Jahren". Eine Überarbeitung der Vertriebssite Ladezone.at und der neue Mobilfunktarif 4:0 Music sind die ersten konkreten Maßnahmen. Für 29 Euro monatlich kann im Inland unbegrenzt ins Festnetz, netzintern, zu Yesss sowie zu einem nationalen Konkurrenznetz der Wahl telefoniert werden. In die anderen Mobilnetze fallen 19 Cent pro Minute an (60/30-Takt). Spezielles Verkaufsargument soll der ebenfalls im Preis enthaltene Download der wöchentlichen Top 10 der Hitparade sein. WAP-Surfen am Handy ist kostenlos, außerdem sind zehn MByte herkömmliche Datenübertragung (etwa zum Abrufen von E-Mails) enthalten. Hinzu kommt noch ein Gratis-SMS-Abo von Nachrichten aus der Musikbranche.
Vor zwei Jahren startete One als erster Mobilfunk-Netzbetreiber Europas den Vertrieb kompletter Musikstücke. Die Ladezone steht auch für Kunden anderer Mobilfunkanbieter offen. Von damals gerade 500 Songs ist das Angebot inzwischen auf rund 175.000 Lieder gewachsen. Im Preis von je 1,99 Euro ist für One-Kunden die Datenübertragung bereits inbegriffen. Angeboten werden auch Spiele, Klingeltöne, Bilder, Videos und dergleichen mehr.
Ingesamt verzeichnet One nach eigenen Angaben rund 50.000 Downloads pro Monat. Um das weiter zu steigern, wurden Layout und Struktur der Ladezone überarbeitet. Lieferant Ericsson hat parallel die technische Plattform ausgebaut. Das Portfolio soll im Laufe der Zeit auf bis zu 2,5 Millionen Musikstücke wachsen können. Noch in diesem Jahr wird der sogenannte Dual Download eingeführt. Damit werden die Musikdateien nicht nur auf das Handy übertragen, sondern zusätzlich auch für den Download auf PC mit Windows Media 10 bereitgestellt. Damit soll verhindert werden, dass der Kunde ohne Musik dasteht, wenn er sein Handy wechselt.
Bei One ist man sich durchaus bewusst, dass das Musik-Offerte nicht perfekt ist. Die großen Labels erzwingen den Einsatz von DRM, auch Digital Restriction Management genannt. Gleichzeitig sezten sie weitaus höhere Preise fest, als etwa gegenüber iTunes. "Die Labels werden merken, dass Mobile Music ein Markt für sie ist", meint One-CEO Jorgen Bang-Jensen, "die Preise werden sich angleichen. Wenn wir aber warten, bis das alles erledigt ist, können wir ewig warten." Auch One-Stratege Florian Pollack ist über die DRM-Einschränkungen nicht glücklich: "Das Teilen (von Musik) ist sehr wichtig. Wir müssen die anderen Teile der Wertschöfpungskette überzeugen, dass das der Weg vorwärts ist."
Die Festlegung des kostenlosen Download-Kontingents im neuen Tarif 4:0 Music auf die Top 10 der Mainstream-Charts wird keineswegs als ideologischer Standpunkt betrachtet. Jedoch entfallen bisher 50 Prozent aller Songdownloads auf die Top 20 der Hitparade. Gerade einmal 300 Tracks sind für 80 Prozent aller Verkäufe verantwortlich. Doch Angebote für verschiedene Zielgruppe sind in Vorbereitung. Auch selbst gerippte oder anderswo erworbene Musik ist auf One-Handys gern gesehen. Schließlich möchte One mit mobiler Musik nicht nur Umsatz machen, sondern auch das Image der eigenen Marke pflegen und für mehr Loyalität der Kunden sorgen.
Wenig Zulauf verzeichnet allerdings Lounge.FM, das von One Mitte 2005 ins Leben gerufene Streaming-Radioprogramm mit Lounge- und Chillout-Musik. Bislang im One-UMTS-Netz kostenlos empfangbar, soll es in absehbarer Zeit abgeschaltet werden. Die ursprüngliche Hoffnung, für den Empfang am Handy zahlende Kunden zu gewinnen, ist nicht aufgegangen. (Daniel AJ Sokolov) / (jo)