Feuervogel 2 schlüpft in Prag
Die Geburt der Open-Source-Datenbank Firebird 2.0 wurde bis zur Firebird Conference 2006 in Prag verzögert.
Dieses Wochenende soll die Open-Source-SQL-Datenbank Firebird in der Version 2.0 endgültig ihrem Stammvater Interbase davonfliegen. Zu diesem nun wieder kommerziell vermarkteten Server hatte der Hersteller Borland im Jahr 2000 die Quelltexte freigegeben – Startschuss für eifrige Entwicklungsarbeiten unter dem Mantel des neu geschaffenen Firebird-Projekts, die lange Zeit eine Neu-Implementierung der Original-Interbase-Funktionen für Firebird 1.5 zum Ziel hatten. Auch wenn die Politik anscheinend nicht ganz stringent eingehalten wurde, sollten neue Funktionen für Firebird 2.0 aufgespart werden. In dieser lang erwarteten Ausgabe sind jetzt Indexeinträgen mit maximal 4092 Zeichen möglich, außerdem gibt es dort Expression Indizes und die Fähigkeit zum inkrementellen Datenbank-Backup, durchzuführen mit dem Kommandozeilen-Werkzeug NBAK. Auch bei den unterstützten SQL-Kommandos haben die Entwickler nachgelegt: Firebird 2 kennt derived tables, execute blocks, explicit cursors und weiteres an Neuerungen. Außerdem soll sich vieles für eine bessere Datenbank-Performance getan haben, etwa durch einen größeren Cache bis zu 2 GByte, einen besseren Optimierer, ein optimiertes Netzwerkprotokoll und einen überarbeiteten UTF8-Unicode-Support, weiß Firebird-Experte Holger Klemt zu berichten.
Etwas rabenelterliche Verhältnisse muss der Jungvogel Firebird allerdings auch aushalten: Kurzzeitig war der endgültige Code schon am vergangenen Donnerstag auf der Sourceforge-Downloadseite aufgetaucht, aber kaum war er da, war er auch schon wieder weg. Wie es scheint, sind sich die Projektadmins und der Firebird-Foundation-Präsident Paul Beach nicht über das erwünschte Geburtsdatum ihres Zöglings einig geworden und haben das Downloadangebot stickum durch den Release-Candidate 5 ersetzt, um die endgültige Version erst am morgigen Sonntag auf der Firebird Conference 2006 in Prag vorzustellen. Ähnlich unaufgeräumt gibt sich der Dokumentationsbestand für die neue Datenbank: Selbst die Projekt-Webseite sagt allgemeinen Interessenten kaum etwas über die Besonderheiten von Firebird 2, und eine konsolidierte Dokumentation über das Produkt fehlt gänzlich. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Interbase-Ziehvater Jim Starkey, der sich seinerzeit pikiert von Borland distanziert hatte, heute nicht für Firebird arbeitet, sondern für die professionell dokumentierte Datenbank MySQL. (hps)