EinStein im Bus
Die Ausstellung "Gott würfelt nicht -- Wissenschaft im Spiel - Spiel in der Wissenschaft" begann in Göttingen und gastiert im Oktober in Jena; weitere Orte sollen folgen.
In einem Göttinger Linien-Bus können die Fahrgäste seit zwei Tagen "EinStein würfelt nicht" gegen ein Computerprogramm spielen. Damit wirbt Dr. Reinhold Wittig für seine passend zum Einstein-Jahr 2005 stattfindende Ausstellung "Gott würfelt nicht -- Wissenschaft im Spiel - Spiel in der Wissenschaft", deren offizielles Begleitspiel "EinStein würfelt nicht" ist. Die Ausstellung, die diese Woche begann und bis zum 21. August dauert, gastiert im Oktober in Jena; weitere Orte sollen folgen.
Zu sehen gibt es neben "EinStein" jede Menge andere Spiele und Spielmaterial aus allen Epochen, so etwa Fundstücke aus der mittelalterlichen Göttinger Würfelfabrik, Exponate zu den Themen "Wie denken Maschinen, wenn sie spielen", die Rekonstruktion von Spielregeln zu altägyptischen Brettspiel-Funden, "Play Gauss", eine spielerische Annäherung an den Fürsten der Mathematik, Astronomie-Spiele und den ältesten Würfel der Welt, der schon vor 4500 Jahren in Mesopotamien rollte. "Es existieren zwar noch ältere Würfel, aber die sind eben noch nicht gefunden worden", sagte Wittig gegenüber heise online.
Es gibt viel anzufassen, zu experimentieren und zu staunen; so hat Wittig einen Großversuch zum "Ziegenproblem" in die Ausstellung aufgenommen. Es geht um eine Fernseh-Show, in der ein Kandidat sich für eine von drei verschlossenen Türen entscheiden muß. Hinter einer wartet der Hauptpreis, ein Auto, hinter zweien verstecken sich Ziegen. Hat der Kandidat eine Tür gewählt, öffnet der Showmaster eine der beiden anderen Türen, hinter der eine Ziege zum Vorschein kommt. Dann fragt er, ob der Kandidat bei seiner Wahl bleiben oder ob er zur verbliebenen geschlossenen Tür wechseln möchte. In der Ausstellung erklärt eine charmante Assistentin auf einer improvisierten Show-Bühne den Besuchern das Problem; die dürfen sich dann entscheiden. Die Antworten werden gespeichert und später ausgewertet. Es ist leicht zu zeigen, dass ein Wechsel bessere Chancen auf den Hauptgewinn bietet; viele halten es jedoch intuitiv für egal, ob der Kandidat wechselt oder nicht.
Angst, dass Rabauken den EinStein-Computer im Bus demontieren, hat Reinhold Wittig nicht: "Um den Computer bildet sich fast immer eine Menschentraube, das Angebot ist ein großer Erfolg. Da macht schon keiner was kaputt." Wer selbst einmal ein EinStein-Spiel wagen möchte, aber es gerade nicht nach Göttingen schafft, findet auf der Spieleseite Inetplay.de Gegner.
Zum Einstein-Jahr 2005 siehe auch:
- Offizielle Website zum Einstein-Jahr
- Einstein Archives Online
- The Albert Einstein Archives, Jewish National & University Library
- Einstein und Doppelkopf, Zum Einstein-Jahr: ein kleines Spiel mit Namen und Begriffen für Physiker und andere, c't 9/2005, S. 23
- Zeitfenster, Zum Einstein-Jahr: kleiner Exkurs zu Zeitmessung und PC, c't 9/2005, S. 168
- Der Gott, der lächelt: Zum 50. Todestag von Albert Einstein
- Relativität, Schnüffler und Würfel -- zum 125. Geburtstag von Albert Einstein
- "Einstein für Einsteiger" -- Internet-Portal zur Relativitätstheorie
- "Gott wĂĽrfelt nicht" -- "EinStein" auch nicht
(Lars Bremer) (jk)