"Etwas, das unsere Gesellschaft verändern würde..."
Als Künstler konnte er sich kaum ernähren, doch mit der Erfindung des Schreibtelegrafen wendete sich sein Leben. Ein historisches Gespräch mit Samuel Morse.
- Gordon Bolduan
Als Künstler konnte er sich kaum ernähren, doch mit der Erfindung des Schreibtelegrafen wendete sich sein Leben. EIn historisches Gespräch mit Samuel Morse.
TR: Mister Morse, es ist nun drei Jahre her, dass Sie im Jahr 1844 erstmals eine Zeile zwischen Washington und Baltimore elektrisch in Sekundenschnelle übertragen haben. Was hat sich inzwischen getan?
Samuel Morse: Eine ganze Menge. 1269 Meilen telegrafische Leitungen existieren bereits in unserem Land, und es werden täglich mehr.
Ein gewisser Dr. Charles T. Jackson behauptete vor geraumer Zeit, dass er der alleinige Erfinder der elektrischen Telegrafie sei.
Eine traurige Gestalt. Nachdem er auch noch erklärte, die Schießbaumwolle und Äther für chirurgische Anästhesie erfunden zu haben, fristet er nun sein Dasein in einer Irrenanstalt.
Aber er war ebenfalls an Bord der durch Sie berühmt gewordenen „Sully“?
Ja. 1832 segelte ich auf diesem Schiff von Europa zurück nach Amerika. Während der Überfahrt berichtete Jackson mir, dass Naturwissenschaftler Strom über eine Entfernung von vielen Meilen geleitet hätten und keinen zeitlichen Unterschied feststellen konnten. Daraufhin folgerte ich, dass man dann damit auch Nachrichten übertragen könne. Diese Erkenntnis hat mich nicht mehr losgelassen, und bereits auf dem Schiff habe ich erste Ideen für den Apparat entwickelt. Charles Jackson spielte also sehr wohl eine Rolle, allerdings nur am Rande.
Das Patent umfasste ja weit mehr als nur die elektromagnetische Übertragungsmethode und den Apparat zum Senden. Es gehörten auch dieser spezielle Code und ein Empfänger dazu, der die Morsezeichen per Bleistift auf Papier bannt.
Warum erhielten Sie das Patent erst im Jahre 1840?
Ich lehrte als Kunst-Professor, daher konnte ich mich nur nebenbei mit der Entwicklung meines Telegrafen beschäftigen.
Man munkelt, dass Sie daran gearbeitet haben, um dauerhaft Ihren Lebensunterhalt aufbessern zu können.
Dummes Zeug. Ich habe mich damit beschäftigt, weil ich glaubte, etwas Bedeutendes zu schaffen, etwas, das unsere Gesellschaft verändern könnte.
Stimmt es denn nicht, dass Sie auf dem Fußboden schlafen mussten und Ihre Lebensmittel immer erst bei Anbruch der Dunkelheit einkauften, damit keiner sehen konnte, dass Sie im Atelier Ihre Mahlzeiten zu sich nahmen?
Ich verdiente als Professor wirklich nicht viel. Aber die von Ihnen geschilderten Beobachtungen stammen aus einer Zeit, in der ich als Künstler noch nicht etabliert war ... ()