Ă–sterreich: Portierung von Handynummern kommt in Mode
Immer mehr Nutzer nehmen ihre gewohnte Handynummer bei einem Wechsel des Anbieters mit. Jetzt liegt eine Zwischenbilanz der Wanderunsgbewegungen zwischen den Mobilfunkfirmen vor.
Immer mehr Österreicher machen von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Handynummer bei einem Wechsel des Anbieters mitzunehmen. An einzelnen Tagen im Juni wurden bei One sogar die vorgeschriebenen Nummernexportquoten überschritten, so dass Exportanfragen verschoben wurden. Nettogewinner sind tele.ring und 3. Die meisten Rufnummern-Exporte verzeichnete Mobilkom Austria. In Relation zum Marktanteil musste One am meisten abgeben. Dies geht aus einer von tele.ring veröffentlichten Statistik hervor, die aus der Routingdatenbank abgeleitet wurde.
Rund 43.000 Mobilfunknutzer haben seit dem Start der Rufnummernmitnahme (MNP) am 16. Oktober 2004 ihre Handynummern zu einem anderen Anbieter portiert, 40 Prozent entschieden sich fĂĽr tele.ring. Zu Beginn hatten jedoch hohe Entgelte einzelner Netzbetreiber von bis zu 109 Euro zur Verunsicherung unter den Kunden und geringen Portierungszahlen gefĂĽhrt. Erst kurz vor Weihnachten verlautbarte der Ă–sterreichische Regulierer RTR, dass nicht mehr als 19 Euro verrechnet werden dĂĽrfen. Doch auch diese GebĂĽhr wird offensichtlich von vielen Kunden als zu hoch empfunden.
Seit Beginn des zweiten Quartals erstattet tele.ring Neukunden die Portierspesen der Konkurrenz in Form einer Gutschrift. 20 Prozent der Postpaid-Neukunden des Anbieters entschieden sich seither für die Nummernmitnahme. Hatten zuvor erst 8303 Handynutzer ihre Nummer zu dem viertgrößten Anbieter portiert, kamen alleine im von Anfang April bis Ende Juni 10.728 hinzu. Damit überholte tele.ring auch den in der Nettobilanz (Ergebnis aus Importe minus Exporte) den zunächst führenden Anbieter 3. Die Gesamtbilanz weist per 30. Juni Gewinne für tele.ring (13.644) und 3 (9786) aus. Marktführer Mobilkom verlor netto 10.589 portierende Kunden, bei T-Mobile Austria und One waren es 6015 respektive 6826. Geringe Exportverluste dürfte auch Tele2 aufweisen.
Eine Umfrage von Markant Market Research unter Kunden aller Netzbetreiber, die ihre Rufnummer portiert haben, ergab, dass nur 13 Prozent der Befragten bei einem neuerlichen Wechsel ihre Rufnummer nicht wieder mitnehmen wĂĽrden ("eher nicht" und "sicher nicht"), 80 Prozent hingegen schon ("sicher", "eher schon"). Ebenfalls nur 13 Prozent wĂĽrden die Rufnummernmitnahme nicht weiterempfehlen. Allerdings berichteten 50 Prozent ĂĽber Probleme mit dem Ansagetext, den die Netzbetreiber vor jedem Anruf zu einer portierten Rufnummer einspielen mĂĽssen. Die Gestaltung dieser Ansagen ist die Aufgabe des Mobilfunkanbieters, von dem der Anruf ausgeht. Teilweise empfinden die Kunden die Texte als verwirrend oder zu lang.
Tele.ring-Chef Michael Krammer hofft daher auf konsumentenfreundlichere Vorschriften seitens der Regulierungsbehörde. Insgesamt zieht er eine positive Bilanz: "(Die großen Netzbetreiber) haben den Erfolg der Nummernmitnahme verzögert, aber nicht aufgehalten." Seine importierenden Kunden seien tendenziell hervorragende Kunden. Ihr Umsatz liege um 25 Prozent über dem allgemeinen Durchschnitt (ARPU), auch die Marge sei höher. Bislang von Nummernportierungen ausgeschlossen sind Unternehmen mit speziellen Rufnummernplänen und internen Kurzrufnummern (Virtual Private Networks). Für sie soll der komfortable Betreiberwechsel ab Oktober möglich sein. Dann möchte auch One profitieren, um mit der "Business Service Offensive" mehr Unternehmen zum Wechsel zu One bewegen. (Daniel AJ Sokolov) (ssu)