Micro Focus hievt Cobol in die Cloud

Über die Anbindung an Java und Microsofts Cloud-Plattform Windows Azure will der Cobol-Experte die Zukunft der Programmiersprache auch noch in den nächsten zehn Jahren gewährleisten.

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Von
  • Alexander Neumann

Die Anfänge der Programmiersprache Cobol liegen über fünfzig Jahre zurück, und doch sieht es nicht danach aus, als sollte sie schon bald in Rente gehen. Laut den Angaben des Cobol-Spezialisten Micro Focus seien heute immer noch über 200 Milliarden Zeilen Cobol-Code im Einsatz, die Sprache finde sich in rund 70 Prozent aller Geschäftsanwendungen. Mit der jetzt veröffentlichten Cobol-Plattform Visual Cobol R3 von Micro Focus lassen sich nun Cobol-Programme auch auf der Java Virtual Machine (JVM) oder in Microsofts Cloud-Infrastruktur Windows Azure einsetzen. Dadurch glaubt man bei Micro Focus, die Zukunft der Sprache auch noch in den nächsten zehn Jahren zu gewährleisten.

Das neue Produkt enthält neben dem Cobol-Sprachkern Erweiterungen für C# und Java, die es Programmierern dieser Sprachen einfacher machen soll, Cobol zu erlernen. Programmierer lernen heute nicht mehr vorrangig Cobol, sondern C#, C++, Java oder Skriptsprachen wie Ruby, weswegen Cobol-Entwickler mittlerweile schwer zu finden sind.

Die Anbindung an Java beziehungsweise die Microsoft-Cloud können Eclipse- oder Visual-Studio-Entwickler aus ihrer Programmierumgebung heraus bewerkstelligen, wodurch sich die in diesen vorhandenen Funktionen wie automatischer Codevervollständigung und IntelliSense auch auf Cobol-Code anwenden lassen. Cobol soll dadurch auch WPF- (Windows Presentation Foundation) und WCF-Kommandos (Windows Communication Foundation) aus .NET verstehen. Die Integration mit Eclipse ist neu, für frühere Versionen der Cobol-Plattform gab es schon ein Plug-in für Visual Studio, hier hat vor allem die Aktualisierung auf die aktuelle Version stattgefunden.

Auf Sprachebene verteilt Visual Cobol R3 die .NET- und Azure-Applikationen nativ über Microsofts Intermediate Language (IL), auf Java-Seite wird der Cobol-Code in Bytecode umgewandelt, sodass er in einer JVM laufen kann. Die Java-Unterstützung ist offenbar noch nicht ganz fertig, wird aber wohl in wenigen Monaten so weit sein – die Entwickler arbeiten noch an der Bedienfreundlichkeit. Ein weiteres neues Feature ist schließlich Visual Cobol Development Hub, ein Werkzeug zum Schreiben von Code, der sich danach auf "remote" liegenden Linux- und Unix-Servern kompilieren und debuggen lässt. (ane)