Regulierer legt neue Tarife für Festnetz-Zusammenschaltung fest [Update]
Die Entgelte für die Weiterleitung von Telefonaten sinken durchschnittlich um zehn Prozent. Die Bundesnetzagentur will Infrastrukturanreize für Telekom-Konkurrenten aufrechterhalten und Planungssicherheit bis Ende 2008 schaffen.
Die Bundesnetzagentur senkt die so genannten Zusammenschaltungs- oder Interconnection(IC)-Entgelte im Festnetz zum 1. Juni. Die in zwei Zeit- und drei Tarifzonen gestaffelten Gebühren werden von den Telekommunikationsnetzbetreibern für die Weiterleitung von Gesprächen in ihrem Netz berechnet; die Behörde veröffentlichte am heutigen Donnerstag die Festlegungen. Als marktbeherrschendes Unternehmen muss die Deutsche Telekom diese Tarife alle zwei Jahre beim Regulierer vorab genehmigen lassen.
Anders als von der Telekom gewünscht, behält die Bundesnetzagentur die Gebührenspreizung zwischen der Tarifzone I für lokale Zusammenschaltungen und der Tarifzone II bei. Dies begünstigt zum Beispiel City-Carrier, die in eigene Infrastruktur investiert haben und Telefonate ihrer Kunden der Telekom an einem nahe gelegenen Zusammenschaltungspunkt übergeben. Das IC-Entgelt in der Zone I beträgt werktags künftig 0,52 Cent pro Minute, in Zone II sind es 0,88 Cent und in der Tarifzone III 1,36 Cent. Damit müssen Anbieter von Call-by-Call oder Preselection, die nur wenige IC-Punkte mit der Telekom haben, deutlich mehr bezahlen als Anbieter mit gut ausgebauter Infrastruktur.
Die neuen IC-Gebühren wurden im Schnitt um zehn Prozent gesenkt und gelten bis zum 30. November 2008. Der Regulierer begründete die Absenkung mit dem "Effizienzgewinn", der aus dem Kostenrückgang im Telecom-Sektor resultiert. Zugleich will die Bundesnetzagentur "Planungssicherheit für alle Marktteilnehmer" schaffen. Der Verband der Telekom-Wettbewerber VATM begrüßte den Entscheid des Regulierers als "Impuls für stärkeren Infrastrukturwettbewerb".
[Update:
Das Ergebnis der Telekom wird durch den Entscheid der Bundesnetzagentur über drei Jahre um insgesamt 200 Millionen Euro geschmälert, sagte der Leiter Regulierung bei der Telekom-Festnetzsparte T-Com, Frank Schmidt, am Donnerstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Er bezog sich dabei auf den operativen Gewinn (EBITDA) und den Überschuss.]
(ssu)