Privatisierung der Ceský Telecom könnte Krone-Kurs helfen

Am Mittwoch will die tschechische Regierung wieder einmal darüber beraten, ob der Mehrheitsanteil an einen einzelnen Investor oder über die Börse verkauft werden soll.

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Die tschechische Regierung hat über Art und Weise der Vollprivatisierung der ?eský Telecom (CT) noch gar nicht entschieden, doch die Tschechische Krone hat vergangene Woche gegenüber dem Euro bereits 1,4 Prozent zugelegt. Die Regierung des Landes möchte ihren Anteil von 51,1 Prozent am Ex-Monopolisten alsbald verkaufen und erwartet Einnahmen in Höhe von 1,5 bis 2,1 Milliarden Euro. Sollte der Verkauf über die Prager Börse erfolgen, müssten ausländische Investoren Tschechische Kronen in großem Umfang kaufen. Dies würde den Preis der Krone gegenüber dem Euro deutlich erhöhen.

Am Mittwoch will die Regierung wieder einmal darüber beraten, ob der Mehrheitsanteil an einen einzelnen Investor oder über die Börse verkauft werden soll. Eine eingesetzte Kommission hat Letzteres empfohlen, auch 11 von 18 Regierungsmitgliedern möchten den Prager Kapitalmarkt belebt sehen. Der Vizepremier hingegen bevorzugt den voraussichtlich etwas höheren Verkaufserlös und stabile Mehrheitseigentumsverhältnisse bei einem Verkauf an einen einzelnen Investor. Eine Mischvariante, bei der sowohl die Börse als auch ein strategischer Investor bedient werden, ist zudem im Gespräch.

Das internationale Interesse ist jedenfalls sehr groß. Die Swisscom, die nach dem Scheitern der Verhandlungen über eine Übernahme der Telekom Austria (TA) weiterhin auf einer prall gefüllten Kasse sitzt, hat das Ihre bereits offiziell deponiert. Erst am 10. Dezember 2003 haben die Schweizer ihren 27-Prozent-Anteil an der CT verkauft. Seither sind alle nicht im Staatseigentum befindlichen Anteile (48,9 Prozent) im freien Handel. Auch die Telekom Austria soll ihre Lust an einer Übernahme bereits bei der Regierung bekundet haben. In Wien wurde dies gestern, Dienstag, weder bestätigt noch dementiert. Der primäre Fokus der Expansion liege nach wie vor in Südosteuropa (Bulgarien, Serbien, Bosnien-Herzegowina), aber auch der tschechische Markt werde "beobachtet", hieß es auf Anfrage. Als weitere potenzielle Käufer werden unter anderem Vodafone, Orange, die einheimische Finanzgruppe PPF, Apax Partners, die Blackstone Group, TDC (früher bekannt als Tele Danmark) gemeinsam mit Goldman Sachs, und CVC Capital Partners gehandelt.

Die Privatisierung soll im dritten Anlauf endlich klappen und in der ersten Hälfte des kommenden Jahrs abgeschlossen werden. Der erwartete Erlös ist im Budget 2005 bereits verplant. Weitere Privatisierungskandidaten sind die Czech Airlines, die Post, die Flughafenbehörde sowie der Kraftwerksbetreiber CEZ -- dessen Privatisierung bisher daran gescheitert ist, dass die Regierung das Unternehmen nicht ohne das umstrittene Atomkraftwerk Temelín verkaufen möchte. (Daniel AJ Sokolov) / (tol)