Energiesparfenster fĂĽr alle
In den USA läuft derzeit ein Effizienz-Upgrade-Boom bei Gewerbeimmobilien. Eines der Vorzeigeprojekte ist das Empire State Building in New York.
- Katherine Bourzac
In den USA läuft derzeit ein Effizienz-Upgrade-Boom bei Gewerbeimmobilien. Eines der Vorzeigeprojekte ist das Empire State Building in New York.
Für Architekten waren Fenster jahrzehntelang ein Problem: Sie machten Gebäude zwar außen ästhetisch oft schöner, sorgten aber gleichzeitig dafür, dass es innen im Winter kälter und im Sommer heißer wurde. Jedenfalls war das einmal so, bevor es gut funktionierende Energiesparfenster gab.
Das lernen derzeit Besitzer von Gewebeimmobilien in den USA: Dort ist, auch aufgrund eines großen Nachholbedarfs, ein Effizienz-Upgrade-Boom ausgebrochen. Zu den prominentesten Beispielen gehört das Empire State Building in New York City. Die komplette Renovierung, die unter Energiesparaspekten erfolgte, kostete rund 20 Millionen Dollar. Sie soll beim Strom rund 4,4 Millionen Dollar im Jahr einsparen helfen. Allein der Austausch der Fenster wird für 412.000 Dollar davon verantwortlich sein, ergab eine Analyse des Gebäudebesitzers.
Die Energiespartechnik stammt vom US-Anbieter Serious Materials, der Fenster mit einer sogenannten Superisolierung verkauft - die mit einer UV-Schutzschicht versehenen Scheiben, zwischen die ein isolierendes Gas gepumpt wird, bestehen aus glasfaserverstärktem Kunsttoff. Das Unternehmen selbst wirbt mit U-Werten - eine Maßzahl, die den Wärmestrom pro Quadratmeter und Grad Temperaturdifferenz angibt - von bis zu 0,17. Der US-Anbieter gibt diese Zahl allerdings nicht in SI-Einheiten an, sondern in BTU pro Stunde und Quadratfuß - umgerechnet in SI-Einheiten sind die U-Werte daher etwa um den Faktor sechs größer. Trotzdem waren solche Fenster in den USA lange nicht von der Stange zu haben, mittlerweile sind sie im Massenverkauf.
Die Renovierung von Gewerbeimmobilien mit den Energiespar-Fenstern soll sich bereits nach fünf Jahren rechnen, behauptet der Hersteller – das hängt aber auch von den örtlichen Klimabedingungen und den architektonischen Gegebenheiten ab.
"Wenn die Renovierung sowieso schon läuft, ist der Einbau hocheffizienter Fenster ein Kinderspiel", meint Alan Meier, Forscher in der Abteilung für Energieanalyse am Lawrence Berkeley National Laboratory. Meier schätzt, dass die Installation besserer Fenster allein zu einer maximalen Energieersparnis von rund 10 Prozent führt. Wenn der Austausch aber gleichzeitig mit einer Verbesserung des Heizungs- und Kühlungssystems einhergeht, zahlt er sich nahezu sofort aus. Bessere Fenster benötigen auch weniger starke Klimatechnik.
Brian Sipes, Leiter des Architekturbüros Zehren and Associates in Avon, Colorado, will die Serious-Materials-Fenster in ein Gebäude einsetzen, das die höchstmögliche Zertifizierung des U.S. Green Building Council anstrebt, einer Organisation, die grünes Bauen fördert. Noch vor 15 bis 20 Jahren habe es auf dem US-Markt fast nichts an energieeffizienten Baumaterialien gegeben. "Heute haben wir so viel Auswahl, dass wir nicht mehr gezwungen sind, zwischen Ästhetik und toller Energiebilanz zu wählen."
Die Verbesserung der Energieeffizienz eines Gebäudes kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Es gibt Firmen wie Chevron Energy Solutions oder die deutsche Kofler Energies, die das Kapital für Sanierungsmaßnahmen stellen, um sich dann die Einsparungen mit dem Gebäudebesitzer zu teilen. Forscher Meier vom Lawrence Berkeley National Laboratory sieht darin aber nur einen Anfang. Oft seien die weniger sichtbaren Bereiche für Effizienzmaßnahmen auch die spannendsten.
Meiers Kollege Stephan Seikowitz, der das Gebäudetechnik-Programm am gleichen Institut leitet, sieht noch einen weiteren Vorteil, der in den USA mittlerweile erkannt wird: Der Wert der Immobilien steigt nach einer "grünen" Sanierung. Gesetze, die die Offenlegung von Energieklassen vorschreiben, gelten nicht nur in Europa, sondern inzwischen auch in immer mehr Staaten der USA. (bsc)