Die Kippe, das iPhone und die Champagnerlaune

Das Rauchen aufhören ist ganz einfach. Im Prinzip. Wenn man dafür ein iPhone bekommt oder fünf Champagner-Flaschen im Monat. Eine Geschichte mit multiplem Happy End.

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Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Marcel Magis

Ausnahmsweise hatte Milena mit meinem Entschluss nichts zu tun. Ich wollte das Rauchen aufgeben. Ich hatte ausgerechnet, dass ich statt Glimmstengel jeden dritten Tag eine Flasche Champagner kaufen könnte, also zehn im Monat. Zum Beispiel.

Ich erzählte Milena von meinem Entschluss.
"Willst du zum Alkoholiker werden? Wenn du schon so viel Geld sparst, dann kannst du mir auch ein iPhone kaufen."
"Du hast ein iPad."
"Das Geld reicht sogar fĂĽr zwei iPhones."
Ich begann zu ĂĽberlegen.
"Wir könnten auch mir ein iPhone kaufen und für dich fünf Champagner-Flaschen im Monat. Dann würde ich kein Alkoholiker werden und du hättest immer gute Laune."
Jetzt überlegte Milena. Sie wägte ab, mit der Zungenspitze sozusagen.

iPhone oder Kippen? EIn Größenvergleich

(Bild: Florian Eckerstorfer, Lizenz CC by-sa via Flickr)

"Und was ist, wenn du wieder anfängst? Dann hast du immer noch das iPhone, ich hab aber keinen Champagner mehr."
"Dann bekommst du das iPhone von mir", sagte ich.
"Deal?"
"Deal."

Der erste Tag meines Rauchentzugs war die Hölle. Der zweite war noch schlimmer, am dritten Tag drehte ich durch und am vierten Tag ging mir Milena mit ihrer guten Laune auf den Wecker. Der Champagner wirkte bei ihr, so viel war klar. Mein neues iPhone war schick, änderte aber meine Laune nicht im geringsten, selbst, als ich diverse Champagner-Apps herunterlud und virtuell Sektkorken knallen ließ. Noch schlimmer waren die Zigaretten-Apps. Ich blies virtuellen Rauch in die Luft, schüttelte virtuelle Asche ab und fühlte mich zunehmend selbst virtuell.

Nimm Zwei

(Bild: Inferis, Lizenz CC by-sa via Flickr)

Milena hopste derweil kichernd durch die Wohnung und hörte nicht auf zu reden, ich verkroch mich ins Bett und zog mir die Decke über den Kopf. Morgen würde bestimmt alles besser sein. Ich schlief mit dem Gedanken ein, dass es ein Morgen im Prinzip niemals gibt, weil es dann schon ein Heute ist. Also würde niemals alles besser werden.

Ich wachte mitten in der Nacht auf, wahrscheinlich durch Milenas Schnarchen. Ich küsste Milena schnell auf den offenstehenden Mund und sie hörte auf. Wenige Augenblicke später spürte ich ihre warme Hand und als es Tag wurde, dachte ich nur noch: Was für ein verdammt schöner Morgen. Ich zündete mir eine Zigarette an.
(se)