Microsofts und Suns gelebte Partnerschaft

Die frĂĽheren Erzrivalen berichteten in einer gemeinsamen Telefonkonferenz ĂĽber erste Ergebnisse ihres im April geschlossenen Kooperationsvertrags.

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Von
  • Erich Bonnert

Ist dies der Beginn einer großen Freundschaft? Wohl kaum. Immerhin, im Vergleich zum Verhältnis vor dem spektakulären Waffenstillstand sieht Suns Technologiechef Greg Papadopoulos einen Unterschied wie Tag und Nacht: "Früher haben wir uns gegenseitig die Reifen aufgeschlitzt, jetzt helfen wir einander beim Flicken." Ganz so herzlich ist die Beziehung dann doch noch nicht: Eigentlich hätte auch Bill Gates beim Conference Call am Mittwochnachmittag am Apparat sein sollen, zumindest hatte Sun-Chef Scott McNealy dies vor wenigen Wochen noch so angepriesen. Doch stattdessen ließ sich der Chief Software Architect von Managern aus der zweiten Reihe vertreten.

Allerdings habe es mehrere Treffen zwischen ihm und Gates gegeben, berichtete Papadopoulos. Auch mit gemeinsamen Kunden saßen die beiden obersten Softwarestrategen zusammen, um über die wichtigsten Probleme beim Betrieb der unterschiedlichen Produktarchitekturen zu reden. Insgesamt hätten in den vergangenen acht Monaten 15 Besprechungen zwischen beiden Firmen stattgefunden. Dabei ging es primär um die ursprünglichen Kooperationsziele: die Interoperabilität zwischen den Zugangsverwaltungen der jeweiligen Netzwerksysteme sowie eine Harmonisierung der Web-Service-Architekturen.

Im Bereich der Web Services sind die einstigen Streithähne vorangekommen. Dies dürfte jedoch zum Teil auch an den Bemühungen innerhalb der entsprechenden Standardisierungsgremien gelegen haben. Für die unterschiedlichen Protokolle zum authentifizierten Netzwerkzugang wollen Sun und Microsoft innerhalb der nächsten sieben Monate eine Lösung für ein gleichzeitiges Sign-on-Verfahren auf Windows- und Solaris-Servern finden.

Die Unterstützung der auf AMD-Chips basierenden Sun-Server scheint beiden Firmen ein wichtiges Anliegen zu sein. So arbeiteten Teams gemeinsam an der Zertifizierung von Sun Opteron-Maschinen für Windows. Bei den AMD-basierten Workstations stellte man gemeinsam sicher, dass Benutzer des XP Service Pack 2 in den Genuß des erweiterten Virenschutzes der Opteron-Hardware kommen. Ebenso erhielten Suns Speichersysteme Storedge ein Microsoft-Siegel, da sie geprüfter maßen die Storage-Schnittstellen unter Windows unterstützen. Da Microsoft die Entwicklung ihrer eigenen Java Virtual Machine auslaufen lässt, empfehlen die Dotnet-Spezialisten nunmehr Suns VM für Windows -- und wollen sich um optimale Laufbedingungen kümmern. Auch um die Interoperabilität der Staroffice-Suite mit XP Service Pack 2 hat man sich in Redmond bemüht. Sun wird ein Kompetenzzentrum auf dem Redmonder Campus einrichten, in dem Windows-Kunden ihre Anwendungen auf Sun-Hardware testen können. (Erich Bonnert) / (tol)