VDE: Jeder zweite europäische Chip kommt aus Deutschland

Laut der VDE-Studie "Innovationsmotor 2006" wird Deutschland gegenüber Asien an Boden verlieren. 2015 wird China führend in der Mikroelektronik sein, meinen 30 Prozent der deutschen Entscheider. Produktionstechnik und Automation bleiben deutsche Stärken.

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Von
  • Sven-Olaf Suhl

"Von welchen Technologien werden entscheidende Impulse für Innovationen erwartet?" "Welche Länder sind heute und welche sind 2015 Innovationsführer?" So lauten zwei der Kernfragen der Studie "Innovationsmotor 2006" die der Elektrotechnikverband VDE im März unter Mitgliedsfirmen und -institutionen durchgeführt hat. Auf der Hannover-Messe stellte VDE-Präsident Michael Stadler fest, dass das Attribut "engineered in Germany" im Ausland ein höheres Ansehen genieße als hierzulande. Dabei sei die Elektro- und Elektronikindustrie mit 80.000 Beschäftigten in Forschung und Entwicklung (F+E) und einem jährlichen Aufwand von acht Milliarden Euro die größte F+E-Branche in Deutschland.

Im Bereich der Mikro- und Nanotechnologie schätzen aktuell 45 Prozent der Befragten Deutschland und Europa als innovationsstärkste Weltregionen ein. Dabei baut Deutschland dem VDE zufolge seine Führungsposition innerhalb Europas aus: In den bundesweit über zehn Chipfabriken werden so viele Halbleiter produziert wie in keinem anderen Land Europas. Dennoch sehen die Befragten die Zukunft der Branche pessimistisch. Bis 2015 werde China eine Führungsrolle in der Mikroelektronik einnehmen, meinen 30 Prozent der Befragten. Derzeit sehen nur vier Prozent der Befragten China in dieser Position.

Um der sinkenden Zahl der Studienanfänger in der Elektrotechnik zu begegnen, setzt der VDE auf Nachwuchspflege wie den Schülerwettbewerb INVENT a CHIP. VDE-Präsident Stadler will auch verstärkt die "Lehrer mitnehmen", um das Interesse an der E-Technik zu stimulieren. Professor Erich Barke, Präsident der Universität Hannover und VDE-Experte für Mikroelektronik, räumt ein, dass er bis heute keine schlüssige Erklärung dafür gefunden habe, dass die Zahl der Elektrotechnik-Studenten nach einem Hoch um 1990 herum so konstant eingebrochen sei. Sicherlich spiele eine Rolle, dass das "Schwarzbrot", das es in der E-Technik zu kauen gebe, nicht jedermanns Sache sei – dabei gebe es in der Analogtechnik, bei der die Industrie einen besonders starken Mangel an Absolventen beklage, das "schwärzeste Schwarzbrot" zu kauen. Auch werde man als Ingenieur "nicht unbedingt reich". Als Grund für den hohen Zulauf nach Kombi-Studiengängen wie Wirtschaftsingenieurwesen sieht Barke "Entscheidungsschwäche", und er hegt Zweifel, ob für diese Absolventen genügend adäquate Arbeitsplätze zur Verfügung stehen werden.

Mit Blick darauf, dass die Hightech-Industrie in den vergangenen Jahren zwischen Boom und Talfahrt schwankte, plädiert VDE-Präsident Stadler für "realistischen Optimismus": Das enorme Wissen und Können, über das die deutsche Industrie beispielsweise in der Produktionstechnik und Automation verfüge, könne nicht binnen weniger Jahre kopiert werden. In diesem Segment trauen aktuell 74 Prozent der Befragten Deutschland und Europa die Führungsrolle zu, auch für 2015 rechnet etwa die Hälfte (51 Prozent) damit, dass es so bleibt. In der Energietechnik ist diese Einschätzung mit aktuell 90 Prozent und 69 Prozent 2015 noch ausgeprägter. Hingegen ist und bleiben die USA führend in der Internet-Branche, meinen für die Gegenwart 87 Prozent und 2015 63 Prozent der Befragten. China holt nach Einschätzung der Befragten in diesem Segment von zwei Prozent auf 16 Prozent in einem Jahrzehnt auf, Partnerland Indien sehen dann sieben Prozent in Sachen Internet an der Spitze.

Die Studie steht VDE-Mitgliedern kostenlos und ĂĽbrigen Interessenten fĂĽr 150 Euro zum zum Download zur VerfĂĽgung. (ssu)