Republik Österreich zieht sich auf Telekom-Sperrminorität zurück
Innerhalb von vier Stunden wurden 17 Prozent der Telekom Austria für rund 1,1 Milliarden Euro an institutionelle Anleger veräußert.
Die der Republik Österreich gehörende Holding ÖIAG hat sich heute aus der ehemals komplett staatlichen Telekom Austria (TA) auf eine Sperrminorität von knapp über 25 Prozent zurückgezogen. Weitere 5 Prozent sind bei der ÖIAG geparkt, aber durch eine Wandelanleihe gebunden. Durch ein Accelerated-Bookbuilding-Verfahren wurden in gerade vier Stunden 17 Prozent der TA für rund 1,1 Milliarden Euro an institutionelle Anleger veräußert. Nach Angaben der ÖIAG handelt es sich damit um die größte Platzierung in der Geschichte des österreichischen Kapitalmarktes. Der erzielte Stückpreis von 13,05 Euro stellt die obere Grenze der Preisspanne dar. Im allgemeinen Handel hat das Wertpapier gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 12,88 Euro deutlich zugelegt und notierte bei bis zu 13,30 Euro.
SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Möser spricht von "Verschleuderung eines Stücks Österreich" und der Gefährdung tausender Arbeitsplätze. Der Konzern werde "auf die Schlachtbank" geführt und unter Wert verkauft, um "frisches Geld für die verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik" des Finanzministers einzuholen. Belegschaftsvertreter Michael Kolek hatte bereits gestern mitgeteilt, der Zentralvorstand der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten habe einstimmig beschlossen, "alle Maßnahmen zur Sicherung von mindestens 25 Prozent plus einer Aktie im Besitz der Republik Österreich zu setzen." Auch TA-Chef Heinz Sundt ist für den Staat als Kernaktionär mit Sperrminorität. Die ÖIAG hat indes nach wie vor den Regierungsauftrag, noch vor dem Ende der Legislaturperiode die TA komplett zu privatisieren -- auch wenn sich der Finanzminister nach dem Stopp der Übernahme der TA durch die Swisscom zu einer Sperrminorität bekannt hat.
Am Dienstag hatte der Konzern bekannt gegeben, mit den Aktionären des bulgarischen Mobilfunkers Mobiltel (M-tel) ein Memorandum of Understanding über exklusive Verhandlungen über den Erwerb einer Kauf-Option vereinbart zu haben. Sundt möchte die Option noch im Dezember bekommen. Da der Kauf des Unternehmens nur teilweise aus dem Cashflow finanziert werden könnte, wären zusätzliche Finanzierungen über den Kapitalmarkt erforderlich. Gute Ratings verhelfen dabei zu niedrigeren Zinsen. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)