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Ein Marktplatz verkauft ungenutzte Rechenkapazität auf Serverplattformen von Unternehmen. Ganz transparent ist er allerdings nicht.
- Erica Naone
Ein Marktplatz verkauft ungenutzte Rechenkapazität auf Serverplattformen von Unternehmen. Ganz transparent ist er allerdings nicht.
Für anspruchsvolle IT-Aufgaben wie die Analyse großer Datenmengen oder die Verarbeitung hochauflösenden Videomaterials ist es für Firmen mittlerweile oft billiger, sich die notwendige Rechenkapazität einfach zu mieten. So können sie sich den Zugang zu leistungsfähiger Hardware erkaufen, ohne sich die teuren Geräte ins eigene Rechenzentrum stellen zu müssen. Dazu lassen sich Cloud-Computing-Dienste verwenden, die nach genutzter Zeit oder abgerufener Last abrechnen.
Das Start-up Enomaly aus dem kanadischen Toronto versucht nun, mit einem neuen Dienst mehr Effizienz in den Angebotsbereich zu bringen: einem Marktplatz, auf dem Unternehmen Rechenkapazität von zahlreichen Anbietern kaufen können. Der Service namens SpotCloud soll es zudem erlauben, im eigenen Haus momentan nicht genutzte Ressourcen kurzfristig an andere Firmen zu vermieten.
Einige Cloud-Computing-Firmen verkaufen bereits eigene Überkapazitäten. So offeriert der E-Commerce-Riese Amazon seit Jahren Teile seiner eigenen Infrastruktur in Form der "Amazon Web Services" an Kunden in der ganzen Welt. Die Idee: Technik, die sonst nur zu Spitzenzeiten gebraucht würde, lässt sich so ständig auslasten. SpotCloud will dieses Modell nun auf kleine wie große Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen übertragen – weltweit. Ziel ist mehr Wettbewerb.
Reuven Cohen, Gründer und Technikchef von Enomaly, erläutert, dass ein Unternehmen über SpotCloud beispielsweise gezielt bestimmte Märkte bedienen kann. "Wenn jemand sieht, dass es in Brasilien gerade viel Nachfrage für sein Internet-Angebot gibt, kann er sich bei uns Kapazitäten in wichtigen brasilianischen Städten sichern." Bevor SpotCloud einen neuen Anbieter zulässt, testet das Unternehmen die verfügbare Hardware außerdem, um die Servicequalität sicherzustellen. Wer der Dienstleister ist, verrät das Unternehmen seinen Kunden dann allerdings nicht – so transparent will man nicht sein.
Während einer Testphase gehörten aber laut Cohen viele traditionelle Webhoster zu den Kunden, die noch freie Kapazitäten hatten, weil beispielsweise gerade ein großer Kunde abgesprungen war. Dabei gab es dann einiges zu sparen.
SpotCloud selbst läuft konsequenterweise auf Googles App Engine, ebenfalls einem Cloud-Dienst. Technisch basiert das Angebot auf virtuellen Maschinen (VM), in denen Unternehmen ihre IT-Jobs installieren – dazu bietet SpotCloud einen sogenannten Package Builder an. Die fertige VM wird dann beim angemieteten Dienstleister hochgeladen, der ein kompatibles System bereitstellt.
Cohen betont, dass die Preise je nach Angebot und Nachfrage fluktuieren. In der Testphase fand Enomaly heraus, dass die Preise im Silicon Valley oft niedriger waren, weil dort einfach mehr Ressourcen bereitstehen. In Südamerika und Asien, wachsenden Märkten mit teilweise noch fehlenden Ressourcen, war der Dienst stets teurer.
"Die IT wird immer mehr zum ständig abrufbaren Service. Das hat den Nachteil, dass die Infrastrukturanbieter stets große Mengen an Hardware bereithalten müssen", sagt Ben Kepes, Betreiber der Cloud-Computing-Beratungsfirma Diversity Limited. Dies bedeute, dass regelmäßig ungenutzte Infrastruktur auftrete. "Um den Markt effizienter zu machen, müsste eine Clearingstelle her, über die Verkäufer ihre Überkapazitäten loswerden können – wenn nötig gegen eine geringere Gebühr."
SpotCloud wäre ein solcher Dienst. Doch hat er in seiner jetzigen Form auch Nachteile, wie Cloud-Computing-Experte Krishnan Subramanian meint. Die Tatsache, dass es nicht möglich sei, die Identität des Hosters zu erfahren, könne Geschäftskunden missfallen. "Bevor ich die Daten meiner Organisation irgendwo unterstelle, will ich doch wissen, mit wem ich da umgehe." SpotCloud biete außerdem keine Service-Level-Agreements an, die Kunden einen gewissen Leistungsstandard garantierten. Um auf Dauer erfolgreich zu sein, müsse der Dienst daher beide Bereiche nachbessern, meint Subramanian – garantierte Servicequalität und Transparenz. (bsc)