Wolkig geht’s weiter
Cloud Computing ist en vogue – daher überrascht es wenig, dass Hersteller und Dienstleister am liebsten all ihre Angebote mit dem wolkigen Label schmücken würden. Und natürlich widmen auch die Veranstalter der CeBIT dem Thema eine Sonderausstellung. Für den Messebesucher und potenziellen Kunden ist es aber nicht trivial, echte Cloud-Angebote von solchen zu trennen, die nur mit einem Marketing-Label geschmückt sind.
- Susanne Franke
- Axel Kossel
Private und öffentlich zugängliche Cloud-Umgebungen mit einem verbrauchsabhängigen Abrechnungsmodell können Unternehmen einen attraktiven geschäftlichen Mehrwert bieten. Doch trotz dieser offensichtlichen Vorteile haben immer noch viele Anwender Bedenken, Ressourcen und Anwendungen aus der Cloud einzusetzen – laut einer aktuellen Studie des Dienstleisters Deloitte etwa 60 Prozent in Deutschland. Kein Wunder: In Zeiten von Industriespionage und Wikileaks versuchen Firmen, ihre kritischen Informationen vom Internet fernzuhalten. Das Konzept, sie dort zu lagern und zu verarbeiten, läuft dem entgegen.
Doch die Branche ist optimistisch. Einer Studie von BITKOM und Experton Group zufolge lag der Umsatz mit Cloud Computing in Deutschland im Jahr 2010 bereits bei 1,14 Milliarden Euro und soll auf 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2015 steigen, bei einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 48 Prozent pro Jahr. Damit wĂĽrden in fĂĽnf Jahren etwa 10 Prozent der gesamten IT-Ausgaben in Deutschland auf diesen Bereich entfallen.
Blauer Himmel
Microsoft stellt seinen CeBIT-Auftritt unter das Motto: „Ihr Weg in die Cloud beginnt hier.“ Anhand konkreter Szenarien sollen Privatanwender, mittelständische und große Unternehmen, öffentliche Einrichtungen sowie Entwickler das Leben und Arbeiten in der Cloud auf der Messe selbst testen können. Mittelpunkt ist Windows Azure, das Cloud-Computing-Angebot von Microsoft, über das sich Webanwendungen und Speicherplatz mit geringem Administrationsaufwand, hoch verfügbar und skalierbar in Microsoft-Rechenzentren bereitstellen lassen. Das gezeigte Portfolio reicht vom stets und überall verfügbaren Microsoft Office bis zur Virtualisierung ganzer Rechenzentren. Mehr als 50 Partner sind am Microsoft-Stand vertreten. Ein Schwerpunkt liegt auf Cloud-Diensten für die öffentliche Verwaltung.
Einen PC aus der Cloud gibt es von IBM für 13,98 Euro pro Monat. Der Virtual Desktop for Smart Business macht an Notebook, Netbook, Tablet oder Thin Client Anwendungen und Rechenleistung übers Internet verfügbar. Er läuft wahlweise unter Windows oder Linux und kann entweder in die eigene IT-Infrastruktur implementiert oder über die Cloud eines IBM-Geschäftspartners wie Janz AG bezogen werden. Außerdem zeigt IBM das angekündigte LotusLive Symphony, die Cloud-Version seiner kostenlosen Office Suite, die eng in das Cloud Service Angebot LotusLive integriert sein wird.
Dicke Wolken
Der IBM Virtual Desktop ist über verschiedene Geräte von überall aus erreichbar, die Daten sind sicher aufgehoben.
Besonders dicht ist die Wolke auf der Sonderschau „Bitkom Cloud Computing World“. Hier präsentiert etwa Alcatel-Lucent seine Netzwerktechnik unter dem Motto: „Wenn Cloud die Zukunft ist, benötigt die Zukunft noch leistungsfähigere Netze.“ Visionapp stellt die Software-Module und Services seiner Cloud-Factory vor, die im zweiten Quartal erscheinen soll. Das Baukastensystem soll Unternehmen aller Größen und Branchen den einfachen und schnellen Aufbau einer Cloud-Infrastruktur ermöglichen. CSC BizCloud wird als Service nutzungsabhängig nach Listenpreis abgerechnet, läuft aber als Private-Cloud-Lösung im Rechenzentrum des Kunden. Das soll hohe Sicherheits- und Performance-Ansprüche ohne Kapitaleinsatz erfüllen.
Über Cloud-Anwendungen für die öffentliche Verwaltung informiert die Fraunhofer Gesellschaft. Einerseits stellt der Umgang mit hoheitlichen und personenbezogenen Daten hohe Ansprüche an die Sicherheit, andererseits werden Kooperationen zwischen Verwaltungen vereinfacht. Anwendungen zum Thema Interoperabilität zwischen Cloud-Plattformen stehen denn auch im Mittelpunkt.
Group Business Software wirbt dafĂĽr, EMail-VerschlĂĽsselung in die Cloud auszulagern. WebCrypt soll dabei ĂĽberall und jederzeit zur VerfĂĽgung stehen und den sicheren Austausch vertraulicher E-Mails mit Partnern
erlauben, ohne dass diese Zertifikate oder spezielle Software benötigen. Astaro archiviert E-Mails über einen Cloud-Service. Das schont die lokalen Ressourcen, ist beliebig skalierbar und ermöglicht Zugang von überall. Die Mails werden verschlüsselt und digital signiert abgelegt.
Wolkenbilder
Cloud-Anbieter auf der CeBIT 2011
- Microsoft: Halle 4, A26
- IBM: Halle 2, A10
- Alcatel-Lucent: Halle 4, A58
- Visionapp: Halle 4, A58
- CSC Deutschland Solutions: Halle 4, A58
- Fraunhofer Gesellschaft: Halle 9, B36
- Group Business Software: Halle 2, B20
- Astaro: Halle 11, B36
- T-Systems: Halle 6, J23
- Cortado/ThinPrint: Halle 3, A24
- Sipgate: Halle 13, D52
- Netviewer: Halle 13, C39
- 1&1: Halle 9, C53
T-Systems Multimedia Solutions liefert mit MediaSuite und WebcastSuite Business-Lösungen für Videos im Internet, Intranet und auf mobilen Endgeräten. Damit lassen sich Events, Präsentationen und Filme über Encoder in der Cloud ins Netz bringen.
Das kostenlose Cortado Workplace für Smartphones enthält 2 GByte Online-Speicher, verschafft unterwegs Zugriff auf wichtige Dokumente und beherrscht „Cloud-Printing“: Die Ausgabe auf beliebigen Druckern, die das mobile Gerät per WLAN beziehungsweise Bluetooth erreicht. Aufbereitet werden die Druckdaten auf den Servern des Dienstes, der nach eigenen Angaben über 6000 Druckertreiber vorhält.
Die Firmenlösung Sipgate Team kann als Cloud-Dienst die gesamte Firmentelefonie für bis zu 100 Mitarbeiter über Breitbandanschluss und Browser abwickeln und macht Festnetzanlagen damit überflüssig. Rufnummernblöcke oder Dienstmerkmale lassen sich per Mausklick ordern und neue Arbeitsplätze oder Standorte sofort freischalten. Büronummern lassen sich auf Anschlüsse in Fest- oder Mobilfunknetzen umleiten.
Netviewer bietet seine Lösungen für Webkonferenzen, Webinare, Online-Support und Fernwartung als Software-as-a-Service an, mit Lizenzmodellen, die das Zusammenarbeiten übers Internet auch für Kleinunternehmen und Freiberufler interessant machen sollen. Die Kommunikation läuft dabei verschlüsselt über Server des Anbieters. (ad)