Plakate und Massenwurfsendungen reichten der DVU zum Sieg
Entgegen aller Strategien, in der Informationsgesellschaft mit dem Einsatz aller Medien Wahlkampf zu führen, hat es die DVU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geschafft, erdrutschartige Gewinne davonzutragen und von Null auf 13 Prozent zu springen, wä
Entgegen aller Strategien, in der Informationsgesellschaft mit dem Einsatz aller Medien Wahlkampf zu führen, hat es die DVU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geschafft, erdrutschartige Gewinne davonzutragen und von Null auf 13 Prozent zu springen, während die CDU eine große Niederlage erlitt, die SPD und die PDS sich halten konnten, die Grünen und die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind.
Verwunderlich am Ergebnis dieser Wahl ist, welchen Erfolg ein Wahlkampf hatte, der so gar nicht in die moderne Medienlandschaft zu passen und selbst ein Stück Rückschritt in die Vergangenheit zu sein scheint. Zwar hat der Verleger Gerhard Frey mit angeblich drei Millionen DM mehr als jede andere Partei in den Wahlkampf der DVU investiert, aber die Partei tauchte kaum in den elektronischen Medien, geschweige denn im Internet auf, hatte keine irgendwie präsente Persönlichkeit, eigentlich überhaupt keine Personen, während die Plakate und Briefe, auf die sich der Wahlkampf stützte, jenseits aller gewohnten Werbeästhetik gestaltet waren. Die Strategien der etablierten Parteien, etwa einen Menschen für eine Persönlichkeitswahl aufzubauen, professionelle Werbeagenturen einzuschalten, die elektronischen Medien zu besetzen, stark in Talk-Shows zu sein, einen furiosen Parteitag zu inszenieren oder überhaupt nur einen Wahlkampf zu führen, in dem es ein bißchen Programm und ein paar Wahlveranstaltungen zum Kennenlernen der Personen gibt, scheinen versagt zu haben. Prominenz, das Kapital der medialen Aufmerksamkeitsgesellschaft, spielte offenbar keine Rolle.
Viele Mitglieder hat keine Partei im Land, doch die DVU scheint es laut Verfassungsschutz nicht einmal auf 100 zu bringen. Eine Parteiorganisation gibt es nicht, ein Programm eigentlich auch nicht, bis auf ein paar Sprüche. Mit der DVU wählte man keine Menschen, kein Programm, keine Partei - nur eine Geste und ein paar Sätze, die vielleicht ein wenig Morgen in das No-Future-Gefühl derjenigen bringen, die für sich keine Chance sehen, an der flexiblen und globalen Informationsgesellschaft wirklich teilzuhaben. Man wählte das, was einen vor Ort anspringt, auf den Plakatwänden, in den Briefkästen, auf den Spruchbändern am Flugzeug, und nicht das, was elektronisch oder virtuell irgendwo und aus der Ferne, blinkend und hochgestylt, auf einen einprasselt.
Siehe auch den Kommentar zur Wahl in Sachsen-Anhalt in Telepolis. (fr)