Sid Meiers Piraten im Hamburger Hafen
In Deutschland ist die neue Version des Spieleklassikers Pirates von Sid Meier im Handel. Der bekannte Spiele-Designer stellte sie gestern in der Hansestadt höchstpersönlich vor.
Auf dem C64 waren sie die Herrscher der Meere, als Sid Meier seine Pirates 1987 zum ersten Mal in See stechen ließ. Seit gestern ist nun die deutsche PC-Version der Fortsetzung des epischen Kaper-Spiels im Handel. Den Startschuss dafür gab der legendäre Spiele-Designer auf einer Barkasse im Hamburger Hafen. Die Freie und Hansestadt habe etwas mit Piraten zu tun, deshalb habe er Hamburg für die Präsentation gewählt. Dass das Spiel nun doch einige Monate später in den Handel kommt als eigentlich erwartet, wollte ihm bei der gestrigen Präsentation niemand so recht übel nehmen. "Wir haben eine Liste der Dinge gemacht, welche die Leute am alten Spiel besonders gut gefunden haben", erklärte Meier die Herangehensweise beim Erstellen des neuen Pirates aus dem Hause Atari. "Ganz oben auf der Liste stand, dass es sich um ein Open-End-Game gehandelt hat, ohne festen Handlungsablauf, bei dem man auch das Ende frei wählen kann".
In einer Mischung aus Rollenspiel, Runden-Strategie (Landkämpfe) und Real-Time-Strategie (Seekämpfe) sowie Adventure führt der Spieler den zu Beginn 18-jährigen Grünschnabel-Nachwuchspiraten durch Seeschlachten mit der spanischen Schatzflotte, Säbelduellen mit Kapitän Blackbeard und auf Freiersfüßen zu den zahlreichen schönen Töchtern der Gouverneure der Karibik. Im Laufe der Spielzeit altert der Charakter und nach einem erfüllten Leben kann man ihn schließlich in Rente schicken. "Das Spiel ist die Fun-Version eines Piratenlebens, mit allem was dazu gehört: Entern, Kapern, Erobern", sagte Meier. Und vor allem soll es schnell zu spielen sein, ohne das Studium langer Regelwerke und ohne verwirrende Wertetabellen im Spiel. Eine Negativliste gab es vor dem Programmieren des aktuellen Games übrigens auch: "Die Fans des ersten Spiels haben kritisiert, dass die Seereisen im Originalspiel zu lange gedauert haben." Flinkes Island-Hopping statt faules Wasser in den Fässern und der Pest an Bord ist bei Pirates 2004 also angesagt.
Weibliche Piraten müssen indes eine große Portion Fantasie an den Tag legen: Bei der Charakterwahl ist eine Seeräuberin nicht vorgesehen. Und das obwohl die Spielebranche unlängst erkannte, welch ein unerschlossenes Gamer-Potenzial sich gerade in Deutschland bei Frauen und Mädchen verbirgt. "Okay, stimmt. Das ist schade", gestand Meier ein. Als einzige Alternative bot er weiblichen Piraten an, es so zu handhaben wie ihre historischen Vorbilder: Es habe sie zwar gegeben, sie hätten sich aber stets als Männer verkleiden müssen. Also könnte die Pirates-Hauptfigur eine Frau in Männerkleidung sein. Hollywood ist da im Übrigen weiter: Geena Davis spielte in Cutthroat Island (auf Deutsch irreführend Die Piratenbraut) bereits 1996 eine Piraten-Kapitänin.
Im Frühjahr 2005 soll die Xbox-Version von Pirates in den Handel kommen. Andere Plattformen sind bislang nicht vorgesehen. Meier stellte in Aussicht, dass der Mangel an einer weiblichen Hauptfigur in der Konsolen-Version behoben sein werde. Vielleicht später ja auch in einem Add-on für den PC? Indes bestätigte Sid Meier in Hamburg, dass die Arbeiten an Civilization 4 auf Hochtouren liefen. (tol)