ADA – Systemhaus ohne Zukunft?
ADA gehörte einmal zur Elite der Systemhäuser in Deutschland. Das ist lange her. Die Tragik des Unternehmens liegt darin, dass es bei der Systemhaus-Marktkonsolidierung keine Rolle spielte: Erst war kein Geld für eigene Firmenkäufe da, und später war ADA als Übernahmeobjekt uninteressant geworden.
Lieber Karl Peter Büscher, Chef von ADA – Das Systemhaus,
kĂĽrzlich fand folgender Dialog zwischen zwei Marktbeobachtern statt:
"Von ADA hört man ja auch nichts mehr."
"Seit wann interessierst du dich fĂĽr Kreuzfahrten?"
"Ich meine nicht AIDA, sondern ADA, das Systemhaus in Willich bei DĂĽsseldorf."
"Ach so, das! Ja, stimmt, da hört man nichts mehr von. Die haben ja auch keine Marketing- und Presseabteilung."
"Hm, ich glaube, es gibt Einiges, was ADA nicht hat – zum Beispiel eine Zukunft."
Autsch, wie böse und gemein! Aber der Dialog gibt auf der anderen Seite pointiert und anschaulich die doch eher traurige Entwicklung eines Unternehmens wider, das vor nicht einmal zehn Jahren eines der bedeutendsten Systemhäuser in Deutschland war und das heute von den meisten Radarschirmen der Marktbeobachter verschwunden ist.
Dass ich mich zuletzt mit der Firma ADA intensiver befasst habe, ist auch schon wieder vier Jahre her. Seitdem hat sich in Willich nicht viel getan, weder von der Sichtbarkeit am Markt noch von der Geschäftsentwicklung. Der Umsatz stagniert bei rund 150 Millionen Euro, mal ein paar Euro mehr, mal ein paar weniger. Im Jahr 2009 – der Jahresabschluss vom letzten Jahr liegt noch nicht vor – waren es gut 154 Millionen Euro, davon rund 91 Millionen Handelsumsatz und 63 Millionen Dienstleistungen. Im Jahr davor hatte ADA 155 Millionen umgesetzt, davon 99,6 Millionen Handelsumsatz und 55,5 Millionen Service. Stark wachsend, allerdings auf geringem Niveau, ist der Bereich Remarketing, also An- und Verkauf von IT-Equipment; hier stiegen die Erlöse im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 76 Prozent auf 6,7 Millionen Euro an. Immerhin konnten Sie 2009 wieder einen kleinen Gewinn verbuchen: Am Ende blieb ein Jahresüberschuss von einer Million Euro in der Kasse, nach einem Defizit von 8,2 Millionen im Jahr zuvor.
Trotz einiger positiver Kennzahlen muss man festhalten: ADA tritt seit Jahren auf der Stelle und kommt nicht vom Fleck. Von einer Perspektive, einer Vision, ist weit und breit nichts zu sehen. Auf der ADA-Homepage erst recht nicht. Da steht wirklich nur das Nötigste, in ihrer Lieblosigkeit und Uninspiriertheit ist sie ein Negativbeispiel. Wenn ADA, so die Wirkung auf potenzielle Kunden, insgesamt so wenig zu bieten hat wie hier auf der Homepage, dann schauen wir doch lieber mal bei der Konkurrenz vorbei. Aber wie gesagt: Dass sich überhaupt jemand auf die ADA-Homepage verirrt, ist eher unwahrscheinlich. Vermutlich kommen die meisten Treffer durch jene Flüchtigkeitsfehler zustande, wenn bei der Eingabe das "I" hinter dem ersten "A" vergessen wird.
Ich habe mich schon öfter gefragt, was in den vergangenen Jahren eigentlich mit ADA passiert ist. Ich glaube, dass das Schicksal oder besser die Tragik von ADA darin liegt, dass dass Unternehmen weder aktiv noch passiv an der Konsolidierung der Systemhauslandschaft partizipieren konnte. Was heißt das und warum ist das so? Um diese Frage zu beantworten, muss man ein wenig in die Historie des Unternehmens eintauchen. Damals, in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, drängten einige Systemhäuser in Deutschland an die Börse: Bechtle, Cancom, m+s (letztere schon lange Geschichte). Auch einige Investoren hatten die Idee, sie könnten sich noch schnell an einem Systemhaus beteiligen und beim späteren Going Public ordentlich Kasse machen. So dachten unter anderem die Versicherungsunternehmen Ergo und Signal Iduna und kauften das Systemhaus ADA. Doch das Engagement kam zu spät, die Zeit für erfolgreiche Börsengänge von IT-Systemhäusern war zu dem Zeitpunkt schon wieder vorbei. In der Folge fiel ADA den Versicherungsunternehmen mehr und mehr zur Last. Vor allem hatten sie keine Lust, dem aus ihrer Sicht schlechten Geld noch gutes hinterherzuwerfen. Keinen müden Cent erhielt der damalige ADA-Chef Joachim Prinz aus Düsseldorf (Ergo) und Dortmund (Signal Iduna), um durch Zukäufe von Wettbewerbern die ADA-Marktstellung auszubauen. Das Ergebnis: Während die Konkurrenz, vor allem Bechtle und Cancom, munter eine Firma nach der anderen schluckten und ihren Aktionsradius immer weiter vergrößerten, sahen ADA-Geschäftsführer Prinz und seine Leute in die Röhre und verloren immer mehr den Anschluss. Interne Probleme taten das Übrige.
Eine kurze Phase der Hoffnung bei der ADA-Belegschaft trat ein, als im Jahr 2005 das Leasingunternehmen GFKL die ADA-Gruppe übernahm. Doch der Traum von einer besseren Zukunft zerplatzte schon bald. Nur drei Jahre später, Ende 2008, trennte sich GFKL wieder von ihrer Systemhaus-Beteiligung. Sie, lieber Herr Büscher, waren damals Vorsitzender der Geschäftsführung und übernahmen das Unternehmen per Management-buy-out.
Seitdem ruht der See in Willich. Nun ist ein stiller See ja an sich nichts Schlechtes, aber ein stilles Systemhaus, ein Unternehmen, das seit vielen Jahren stagniert und kein Wachstum aufweist (von 2001 bis 2006 war der Umsatz sogar Jahr für Jahr rückläufig), ist definitiv nichts, was bei anderen Firmen Begehrlichkeiten weckt. Das ist der zweite Punkt: Zuerst, unter den Altgesellschaftern Ergo und Signal Iduna, hatte ADA kein Geld, um Firmen zu übernehmen, und danach war ADA als mögliches Übernahmeobjekt für andere, größere Systemhäuser schlicht und ergreifend uninteressant geworden. "Was nicht wächst, ist krank", so lautet das Credo in einem großen Systemhaus in Deutschland, genauer heißt es dort sogar "Was nicht mindestens um zehn Prozent im Jahr wächst, ist krank". Und ein krankes Unternehmen, eine Firma, die schon seit Jahren nicht mehr wächst und bei der auch keine Perspektive zu erkennen ist, wer will die schon haben?
Lieber Herr Büscher, schon vor vier Jahren hatte ich Ihnen einen Brief geschickt und Sie gefragt, welche Ziele und Pläne Sie mit ADA verfolgen. Sie hatten es damals vorgezogen, mir nicht zu antworten, was ich schade fand, was aber irgendwie auch wieder ins Gesamtbild passt. Vielleicht wussten Sie damals ja einfach nicht, was Sie sagen sollten. Für den Fall, dass sich dies inzwischen geändert hat, freue ich mich auf Ihre Antwort auf die Frage: Hat ADA eine Zukunft und wenn ja, welche?
Beste GrĂĽĂźe
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