Gesucht: die beste Science Fiction-Geschichte
Die Leser können beim Autorenwettbewerb "what if - visionen der informationsgesellschaft" aus den zehn besten Nominierungen den Sieger küren.
- Florian Rötzer
"what if – was wäre wenn?", lautete die Preisfrage, die der Bayerische Rundfunk, Hörspiel und Medienkunst, und Telepolis, das Magazin der Netzkultur, mit der Unterstützung der Veranstalter des Informatikjahrs 2006 einer internationalen Autorenschaft gestellt hatten. Gefragt waren literarische Visionen zur Zukunft der Informationsgesellschaft in ihrer ganzen Komplexität, die Wettbewerbssprachen waren Deutsch und Englisch.
In über 340 Einsendungen haben Autoren aus den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch aus England, Ungarn, Spanien, den USA, Australien und Indien ihre Vision der Zukunft erzählerisch umgesetzt. Über ein Drittel der Beiträge stammt von Autorinnen.
Die Frage nach der Zukunft der Informationsgesellschaft haben die Autoren dieses Wettbewerbs sehr unterschiedlich beantwortet. Dennoch gibt es Themen und Motive, die in den unterschiedlichen Geschichten wiederkehren. Die virtuelle Realität hat die Autoren offenbar am meisten fasziniert. Sie birgt für viele Autoren ein großes Versprechen: Das menschliche Bewusstsein ist nicht länger an einen Körper gefesselt, das Bewusstsein wird grenzenlos und, so die Behauptung vieler Autoren, unsterblich.
Aber nicht nur die Realität geht über ins Virtuelle, auch die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer wird unsichtbar. Glaubt man den Wettbewerbsbeiträgen, so ist der Mensch der Zukunft per "Bioport" oder "Brainslot" direkt ans Internet angeschlossen und permanent online. Per Gedankenkraft vermittelt er seine Befehle direkt und ohne Umwege an den ausführenden Computer. "Thought Interface" ist einer der zahlreichen Namen für diese Technik.
Mensch und Maschine durchdringen sich immer weiter, ein regelrechtes Wettrüsten der menschlichen Spezies beginnt, so ein weiteres Thema dieses Wettbewerbs. Wer es sich leisten kann, optimiert seine Merkfähigkeit und Denkgeschwindigkeit durch einen "Biochip" oder "Brain-Prozessor". Im Krankheitsfall kommen Nanoroboter zum Einsatz. Eingriffe in die DNA haben den Krebs besiegt. Weitere wichtige Themen bei den Teilnehmern des Wettbewerbs sind: Zerstörung der Umwelt, Klimakatastrophe, Kampf um Energieressourcen, Arbeitslosigkeit und Armut, Migrationsströme und nicht zuletzt immer wieder Visionen eines weit über die Fantasien Orwells hinausreichenden Überwachungsstaats, die sich auf den gegenwärtigen Ausbau der Überwachung stützen.
Auffällig ist, dass die meisten Autoren Schreckenszenarien beschreiben. Die Zukunft wird zur Anti-Utopie: Ein hoch technisierter Staat schnüffelt seine Bürger aus; die Gesellschaft zerfällt in zwei Teile: diejenigen, die sich Technologie leisten können, stehen dem so genannten "abgehängten Prekariat" gegenüber; eine gentechnisch veränderte Spezies verdrängt den Menschen; die Technik selbst übernimmt in Gestalt von "Künstlichen Intelligenzen" die Herrschaft über den Menschen.
Die Jury hat aus den eingesandten Beiträgen 10 Geschichten nominiert, die für den Publikumspreis auf Telepolis zur Online-Abstimmung veröffentlicht werden und unter denen sich auch der Jury-Preisträger befindet. Der Jurypreis beträgt 7.500 Euro, der Publikumspreis 2.500 Euro. Das Publikums-Voting findet bis zum 10.Dezember 2006 statt. Mitte Dezember werden die Preisträger bekannt gegeben.
Die nominierten Erzählungen zum Lesen und zur Abstimmung auf Telepolis:
(fr)