JBoss World Berlin: Vorwärts unter dem Roten Hut

Tradionsgetreu treffen sich Entwickler und Anwender der JBoss-Middleware auf der JBoss World-Konferenz, die diesmal in Berlin stattfindet. Die Übernahme durch Red Hat trägt Früchte.

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Berlin bildet diese Woche das Dekor der europäischen JBoss World. Die Organisation der dreitägigen Entwickler- und Anwenderkonferenz rund um die JBoss Enterprise Middleware Suite (JEMS) ist in den Händen von Red Hat. Der Linux-Distributor hatte den Middleware-Spezialisten im April übernommen und bietet dessen Produkte – die nach wie vor unter der eigenständigen Marke JBoss veröffentlicht werden – seit kurzem auch als Teil des eigenen Red Hat Application Stack in Kombination mit Red Hat Enterprise Linux (RHEL) an.

Durch die Übernahme und die daraus resultierende Erweiterung seines Portfolios um eine komplette SOA-Suite hat sich Red Hats Fokus von Linux-Distributor und -Dienstleister in Richtung Plattform-Anbieter verschoben. Das Unternehmen aus Raleigh im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina hat die Vertriebs- und Supportabteilungen von JBoss bereits vollständig in die eigene Infrastruktur integriert.

Beim deutlich gesteigerten Umsatzwachstum im EMEA-Markt (Europa, der Nahe Osten und Afrika) im Vergleich zum Vorjahr und beim Aufbau neuer Partnerschaften dürfte JBoss von Red Hats Präsenz in diesen Regionen profitiert haben. Das Unternehmen mit dem roten Hut ist traditionell stark vertreten im Finanzsektor, in der öffentlichen Verwaltung, im Hightech-Bereich und in der Telekommunikation.

Mit einer Vorstellung der enthaltenen Kernkomponenten machte JBoss Entwicklern und Anwendern die kommende Version 5.0 des JBoss Application Server (AS) – Kernstück der JEMS-Suite und Java EE 5 kompatibel – schmackhaft. Zu diesen gehören neben dem SOAP-Stack JBoss Web Services das Webapplikationsframework Seam, JBoss Clustering, JBoss Messaging, JBoss EJB3 – JBoss Implementierung von EJB 3.0 – und das Persistenz-Framework Hibernate.

Alle genannten Komponenten funktionieren mit dem aktuellen JBoss Application Server 4.05 und stehen, wie auch die erste Beta des Application Server 5.0, zum Download bereit. Die finale Version des AS 5.0 soll in der ersten Jahreshälfte 2007 zur Verfügung stehen.

Ebenfalls in den Scheinwerfern stand JBoss' zugekaufte ESB-Implementierung: der JBoss Enterprise Service Bus 4.0, der auf den Rosetta ESB aufsetzt und die Middleware-Produktpalette ergänzen soll.

Über Unbreakable Linux, eine Ende Oktober von Datenbank-Riese Oracle angekündigte eigene Version von Red Hat Enterprise Linux, sind sich die JBoss- und Red Hat-Manager einig: Heiße Luft, so ist der Tenor. Den Pakt, den Mitbewerber Novell unlängst mit Microsoft schloss, beäugen sie jedoch mit Argwohn. JBoss-Gründer Marc Fleury dazu: "Sie versuchen damit, den rechtlichen Support zu forken, indem sie sagen, dass sie keine Klage erheben werden." (akl)