Lycos stoppt Anti-Spam-Kampagne endgĂĽltig
Zentraler Bestandteil der umstrittenen Aktion war ein Bildschirmschoner, über den sich Internet-Nutzer erstmals aktiv gegen die lästigen E-Mails zur Wehr setzen sollten.
Der Internet-Portalbetreiber Lycos Europe hat seine erst vor einer Woche gestartete Kampagne gegen unerwĂĽnschte E-Mails endgĂĽltig gestoppt. Lycos sei von der "enormen Resonanz" auf die Aktion "Make Love Not Spam" ĂĽberrascht gewesen, teilte das Unternehmen gegenĂĽber dpa mit. Die Kampagne habe jedoch ihr "Ziel erreicht" und sei daher beendet worden.
Lycos hatte erst am 1. Dezember offiziell gestartet. Zentraler Bestandteil der Aktion war ein spezieller Bildschirmschoner, über den sich Internet-Nutzer erstmals aktiv gegen die lästigen E-Mails zur Wehr setzen sollten. Das Programm stellte das Unternehmen im Internet zum Download zur Verfügung. War es aktiviert, zeigte es auf einer Weltkarte grafisch an, wo der gerade attackierte Webserver stand. Verschiedene permanent angezeigte Live-Daten sollten Aufschluss darüber geben, wie viele Nutzer gerade an dem Angriff beteiligt waren und ob der angegriffene Server die erwünschte Performance-Einbuße erlitt. Zur Attacke blies Lycos gegen notorische Spammer, die bei Spamcop schwarz gelistet sind. Der Bildschirmschoner sende nur http-GET-Requests und lade keine Seiten herunter, betonte Malte Pollmann, E-Mail-Produktchef von Lycos, zum Start der Aktion gegenüber heise online. Für den attackierten Webserver sei nicht unterscheidbar, ob es sich um den Bildschirmschoner oder einen herkömmlichen Browservisit handle. Ziel des Projekts sei es keineswegs, die attackierten Server lahm zu legen, sondern beim Spammer zusätzliche Kosten für den ein- und ausgehenden Traffic zu erzeugen.
Die Anti-Spam-Aktion von Lycos war dennoch etwa von Joerg Heidrich, Justiziar des Heise Zeitschriften Verlags, als Akt der Selbstjustiz kritisiert worden. Zwei einschlägige Websites aus China sollen nach Angaben der Internet-Service-Firma Netcraft durch die Aktion komplett lahm gelegt worden sein, was einer Straftat gleich käme. Dem hatte Lycos jedoch bereits am Wochenende "energisch widersprochen". Zur Zeit der Messungen von Netcraft hätten die besagten Server nicht zu den betroffenen Zielen gezählt, hieß es.
Bereits am vergangenen Freitag, also kaum zwei Tage nach dem offiziellen Start, hatte Lycos den Bildschirmschoner -- vorerst, wie es zu diesem Zeitpunkt hieß -- vom Netz genommen. Zunächst sollten noch "Management- und Hosting-Fragen" geklärt werden. Nun ist die Kampagne jedoch endgültig gestoppt. Ziel sei es lediglich gewesen, die Diskussion um Spam neu zu entfachen, und dies sei dem Unternehmen gelungen, erklärte Lycos gegenüber dpa. (jk)