Themenmolekül: Männer mit wissenschaftlichen Brillen
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit flüssigen Ameisen, Glücksmolekülen zum Umhängen und revolutionäre Grafiken.
- Peter Glaser
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit flüssigen Ameisen, Glücksmolekülen zum Umhängen und revolutionäre Grafiken.
Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informationsatome, die sich im Lauf der Zeit zu Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen. Diesmal unter anderem: flüssige Ameisen, Glücksmoleküle zum Umhängen und revolutionäre Grafiken.
Zeitreisen per Zeichentrick: Das Zwillingsparadoxon, Einsteins berühmtes Gedankenexperiment, beschreibt einen scheinbaren Widerspruch in der speziellen Relativitätstheorie. Wenn einer von zwei Zwillingen nahe der Lichtgeschwindigkeit reist, altert er infolge der Zeitdehnung langsamer als der auf der Erde zurückgebliebene. Eine pfiffige Animation von Yuanjian Luo interpretiert die Theorie auf eine Weise, die einem das Verständnis des Phänomens etwas erleichtert, auch wenn man nicht ganz sattelfest ist mit Dingen wie Zeitdilatation oder nichtäquivalenten Bezugsrahmen. (Via Neatorama.)
HIV wie man es noch nie gesehen hat: Ivan Konstantinov und sein Team von Visual Science haben das bisher detaillierteste Modell des Immunschwächevirus geschaffen, das zurzeit existiert. Ein Bild dieser Visualisierung hat den ersten Preis der von der amerikanischen National Science Foundation ausgeschriebenen International Science and Engineering Visualization Challenge gewonnen. Das Modell enthält 17 verschiedene virale und zelluläre Proteine, die Membran 160.000 Lipid-Moleküle in acht verschiedenen Arten. Zur Erstellung der Visualisierung hat das Team über 100 Fachartikel ausgewertet und eine Reihe führender Experten auf dem Gebiet konsultiert. (Via Gizmodo.)
Das Standardmodell der Elementarteilchenphysik beschreibt die bekannten Elementarteilchen und die zwischen ihnen wirksamen Wechselwirkungen. Die Voraussagen sind durch Experimente von Teilchenphysikern "recht gut" bestätigt. Obwohl das Standardmodell die Grundlage der modernen Teilchenphysik darstellt, reicht es zur Erklärung der Welt nicht aus. Wer aber erst einmal nur das Standardmodell überblicken möchte, dem wird die anschauliche Grafik des Contemporary Physics Education Project (CPEP) eine gute Hilfe sein. In den letzten 20 Jahren hat CPEP rund eine halbe Million solcher Grafiken verbreitet. Es gibt auch noch kenntnisreiche visuelle Zusammenfassungen etwa zur Plasmaphysik, zur Geschichte und Zukunft des Universums und zur Kernphysik.
Für Freunde von Wissenschaftsillustrationen aus den 50er und 60er Jahren ist The Question and Answer Book of Everyday Science (Text: Ruth A. Sonneborn, Illustrationen von Robert J. Lee, 1961) ein vorzügliches Beispiel. Schlauheit, Klarheit und Farbenfreude auf jeweils einer Seite vereint. Wer mehr von dieser Art von Darstellungen sehen möhte, dem sei Mondorama 2000 dringend empfohlen, dort sind bevorzugt Illustrationen aus französischen Enzyklopädien um die Mitte des 20. Jahrhunderts zu sehen. Hinweisen möchte ich auch auf den Flickr-Fotopool Vintage Science.
Schmuck für Freunde der Neurochemie: Quasi unvermeidlich für jeden, der sich zu Neurotransmittern hingeneigt fühlt, sind diese versilberten Halsketten-Anhänger mit den Molekülen von Serotonin, Dopamin und Acetylcholin – gewissermaßen Glück zum Umhängen. (Via cheap perfume and cigarettes.)
Very British: Gestrickte Schimmelpilzkulturen von elinart aus dem englischen Bristol. Das Ganze gibt es in Petrischalen, als Schimmelkultur-Ringe oder als reizvollen Handtaschenbesatz. Wer sich ein solches Objekt gönnt, der hat bestimmt bald was zu myzählen. (Via lushlight.)
Eiskalte Großgeometrie: Ein ziemlich großer Schnee-Dekaeder am Porter Square in Cambridge, Massachusetts sorgsam gefertigt und ins Bild gesetzt von sushiesque. (Via mudwerks.)
We gotta do some – Science! Unternimm interaktive wissenschaftliche Experimente mit dem berühmten Wissenschaftler Mister Krümelmonster. Dave von der amerikanischen Sesamstraße sagt: "Wir haben eines der interaktiven Wissenschaftsspiele genommen, das wir für unsere Website entwickelt haben, und es für die Nutzung bei YouTube hergerichtet."
1962: Männer mit wissenschaftlichen Brillen blicken ernst auf ein mordsmäßiges Molekülmodell. Einer zeigt mit einem jener schlanken Kugelschreiber, von denen man weiß, dass sie auch in Raumschiffen schreiben, auch wenn man damit an der Decke schreibt.
The Scale of the Universe von Cary und Michael Huang lässt einen auf spektakuläre Weise durch die Größendimensionen des Universums zoomen, vom Quantenschaum bis hinaus an die Ränder – und von den Säulen der Schöpfung wieder zurück in die unermessliche Kleinheit eines Neutrinos. Dazu als Bonus: Powers of 10 (Zehn hoch), der Klassiker der skalierten Weltsicht von Charles und Ray Eames aus dem Jahr 1977, eine neun Minuten lange Reise zwischen Quarks und Quasaren.
In China ist ein Handbuch für Bayessche Statistik verboten worden, keiner weiß, warum – die mathematischen Verfahren sind für vielerlei Ingenieurstätigkeiten vonnöten. Der Autor des Werks "Data Analysis Using Regression and Multilevel/Hierarchical Models", Andrew Gelman von der Columbia University ist überrascht: "Oooh, it makes me feel so... subversive." (Via Boingboing.)
Die Ameisenflüssigkeit: Micah Streiff vom Georgia Institute of Technology zeigt in einem Video eindrucksvoll, dass ein strömendes Ameisenvolk sich sich sehr ähnlich einer Flüssigkeit verhält: "You can watch them diffuse outwards from a pool, tackle jagged surface like a viscous fluid or flow from a funnel."
Ein Gustostück für die Philatelisten unter den Wissenschaftsfreunden, insbesonders denen der Agrarwissenschaften: Eine Briefmarke von 1971 zum 50. Jahrestag der Gründung des israelischen Instituts für landwirtschaftliche Forschung (im Block und als detailliertes Einzelstück).
Grafiken, die die Welt verändert haben: BBC News versammelt eine Reihe grafischer Darstellungen – vom revolutionären Positionswechsel von Erde und Sonne in De Revolutionibus Orbium Coelestium von Kopernikus über Newtons Zeichnungen zur Optik bis hin zu den Gravuren auf den vergoldeten Platten, die an den Pioneer-Sonden angebracht wurden. (bsc)