Bayerische Verleger pochen auf Änderung im Mediengesetz
Zeitungsverlage müssten zunehmend crossmediale Strategien verfolgen, erklärte der Vorsitzende des Verbandes bayerischer Zeitungsverleger. Dazu gehöre neben dem Internet auch Beteiligung am privaten Rundfunk.
Trotz eines im Bundesvergleich nur geringen Auflagenrückgangs um rund ein Prozent im vergangenen Jahr blicken die bayerischen Zeitungsverleger mit Sorge in die Zukunft. Die demographische Entwicklung, der Wandel der Mediennutzung und der Kostendruck auf die privaten Haushalte lassen befürchten, dass die Zahl der verkauften Zeitungen nicht allzu schnell wieder steigt, sagte der Vorsitzende des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV), Hermann Balle, vor der VBZV-Jahrestagung in einem Gespräch mit dpa.
Die Verlage müssten zukünftig alle Vertriebswege für ihre Inhalte nutzen können. In diesem Zusammenhang forderte Balle eine Änderung des Bayerischen Mediengesetzes mit Blick auf bestehende Beschränkungen für Verleger bei der Rundfunkbeteiligung. "Es kann nicht richtig sein, Verleger unter Generalverdacht des Missbrauchs von Medienmacht zu stellen und sie so bei der Beteiligung am regionalen Hörfunk massiv zu beschränken", sagte Balle.
Schon in der jetzigen analogen Welt sprächen sich die Verleger für eine grundsätzliche Freigabe der Beteiligung bis 100 Prozent aus. Hierbei würden sie inhaltliche "Schutzzäune" gegen den Missbrauch von Meinungsmacht, etwa in Form von Rundfunkräten aus gesellschaftlich relevanten Gruppen, akzeptieren. "Ich hätte überhaupt keine Bedenken, wenn es das auch im Regionalen gäbe", sagte Balle. Mit Blick auf die künftig digitale Rundfunkwelt ohne Frequenzknappheit werde allerdings allein die Breite der Anbieter sowie Konkurrenz zu große Medienmacht Einzelner verhindern.
Zeitungsverlage müssten heute schon aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend crossmediale Strategien verfolgen. "Sie müssen also ihre Informationen auf verschiedenen Vertriebswegen verfügbar machen und entsprechend aufbereiten", erläuterte der Verleger des Straubinger Tagblatts. Dies sei einerseits die Präsenz im Internet, die bei den meisten Zeitungen längst gegeben sei und gemäß den technischen Bedingungen modernisiert sogar schon bis zu Filmsequenzen reiche. Andererseits gehöre dazu eine Beteiligung am privaten Rundfunk.
Balle zufolge ist insbesondere vor den zu erwartenden technischen Umwälzungen auf dem Medienmarkt sowie dem Bestreben der Netzbetreiber, selbst auch als Anbieter von Inhalten aufzutreten, eine Neufassung des Rundfunkbegriffs nötig und zu erwarten. Da dürften nicht ausgerechnet Zeitungsverleger als ureigenste Publizisten besondere Einschränkungen erfahren. Das Problem sei in der Politik "teilweise schon erkannt".
Der VBZV, ein Zusammenschluss von fast fĂĽnfzig Zeitungsverlagen mit einer Gesamtauflage von knapp 2,7 Millionen Exemplaren pro Tag, kommt am Donnerstag und Freitag in Aschaffenburg zur Jahrestagung zusammen. (dpa) / (jk)