Green IT auf der CeBIT

Eine eigene Halle zum Thema Green IT gibt es in diesem Jahr nicht mehr, aber einen Schwerpunkt in Halle 9. Doch in fast allen CeBIT-Hallen finden sich Firmen, die sparsame, schadstoffarme oder langlebige Computer offerieren oder gleich komplette Ă–ko-Konzepte.

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Die in Halle 4 ausgestellten Thin Clients gehören zu den Öko-Klassikern auf der CeBIT. Die sparsamen und langlebigen Geräte kommen mit wenig RAM, ein bisschen Flash-Speicher und genügsamen Prozessoren aus – die eigentliche Rechenarbeit erledigt ja der Server. Deshalb gibt es bei den Thin Clients selbst nicht allzu viel Neues, aber bei den Nutzungskonzepten: Hier geht der Trend weg vom klassischen Server-based Computing mit einem zentralen „Terminalserver“ und hin zur Desktop-Virtualisierung.

Im Rechenzentrum arbeiten auf einem dicken Multiprozessor-Server zahlreiche virtuelle Maschinen, in denen wiederum jeweils eine Windows-Instanz läuft. Das mehrfach verfeinerte Konzept nennt Citrix XenDesktop, Microsoft Remote FX und VMware View (VDI). Ihren virtualisierten Windows-Desktop erreichen Anwender nicht nur von Thin Clients aus, sondern etwa auch mit ihrem persönlichen Notebook, via App von einem Tablet aus oder mit einem Zero Client. Letzterer ist noch dünner als ein Thin Client – daher der Name –, enthält also beispielsweise keine veränderbare Firmware mehr.

Samsung integriert „PC-over-IP“-Clients von Teradici direkt in Flachbildschirmen. In der Halle 2 findet man etwa VMware auf dem Virtualisation & Storage Forum, viele Thin-Client-Hersteller (Igel, Pano Logic, Wyse) sind am Bitkom-Stand A04 in Halle 4 versammelt.

Bei Thin Clients gibt es aber auch den gegenläufigen Trend zu höherer Performance: Rangee hat eine Box im Angebot, die bis zu vier Displays via DVI anbindet. Wyse kündigt den Z90 mit AMD G-T52R oder G-T56N sowie USB 3.0 an. Igel zeigt Thin Clients, die auch zur Wiedergabe von Video- und Audiodaten taugen. Sogar mobile Thin Clients sind zu haben. Der ökologische Vorteil im Vergleich zu sparsamen Notebooks ist hier aber gering; wichtiger sind üblicherweise zentrale Verwaltung der Systeme oder höhere Sicherheit.

Thin Clients oder virtuelle Desktops taugen bisher nicht für alle Einsatzbereiche. So benötigen manche gewerblichen Anwender zertifizierte Kombinationen aus Hardware, Betriebssystem und Treibern, um bestimmte Service-Optionen vom Hersteller ihrer aufwendigen CAD- oder Simulationssoftware erhalten zu können. Deshalb müssen sie beispielsweise eine Profi-Grafikkarte einsetzen, etwa eine AMD FireGL oder Nvidia Quadro. Doch Citrix tüftelt mit HDX 3D Pro Graphics an einer virtualisierten Lösung, die als „HDX RichGraphics with Remote FX“ auch unter Windows Server 2008 R2 mit Hyper-V funktionieren soll.

Sparsame Hardware

Sparsamer Hauptspeicher verbessert die Effizienz von Servern.

So sparsam wie Notebooks werden Desktop-PCs wohl nie sein, doch unter 20 Watt im Leerlauf kommt man bereits – zumindest mit einem 80-Plus-Netzteil, einer Notebook-Festplatte oder einer SSD sowie einem sorgfältig ausgelegten Mainboard. Außer dem AMD-Sparfuchs E-350, der von der Rechenleistung her eher gegen Intels Atom antritt, ist vor allem Intels jüngste CPU-Generation Sandy Bridge im Leerlauf sehr sparsam. Fujitsu (Halle 2) plant neue Office-PCs auf Basis des Chipsatzes Q67, der sich aber wegen des Fehlers im SATA-Controller der Serie-6-Chipsätze wohl verzögert. Bei Fujitsu wird auch fündig, wer beim PC-Kauf Wert legt auf Öko-Logos wie Blauer Engel, Energy Star oder TCO. Hiermit kann auch Dell – ebenfalls in Halle 2 – dienen, jedoch auch die kleine Firma Christmann (Halle 6) mit ihren kompakten TEO-Rechnern.

Die taiwanischen Firmen Asrock, Asus, Shuttle und Zotac (alle Halle 17) hinken bei solchen Zertifikaten noch hinterher, haben aber bereits sparsame Mini-ITX-Rechner mit AMD Fusion, also der Kombi-CPU E-350, im Angebot. Anders als bei vielen Atom-Nettops ist hier der Anschluss digitaler Displays problemlos möglich. Apropos Display: Auch hier sind deutliche Einsparungen möglich, etwa mit LED-Hinterleuchtung und besonders geringen Standby-Werten. Fujitsu hat dazu den 0-Watt-Monitor mit Speicherkondensator entwickelt, tüftelt aber auch an Details: Etwa an der Reduktion von Verpackungsmaterialien oder dem Einsatz biologisch abbaubarer Kunststoffe wie bei der Maus mit einem Gehäuse aus Biograde-Material.

Energieeffizienz ist auch ein wichtiges Thema für Rechenzentren, hier machen sich sparsame Server gleich doppelt bezahlt, weil sie auch die Kühlung entlasten. Die einschlägigen Server-Anbieter zeigen auf der CeBIT neue Systeme. Aber auch an den Kühlsystemen selbst und durch bauliche Verbesserungen in den Rechenzentren lässt sich viel Strom sparen; Anregungen soll der Bitkom-Gemeinschaftsstand ECO ICT Solutions liefern, aber auch spezialisierte Anbieter wie Rittal oder Schroff präsentieren ihre Konzepte – Rittal etwa lädt ins Live-Rechenzentrum.

Ein Zero Client wie der Wyse P20 bietet Zugriff auf einen virtuellen Windows-Desktop.

Für dicht gepackte Server sind auch die besonders sparsamen Low-Voltage-Ausführungen von Prozessoren und Speichermodulen gedacht. Intel hat LV-Xeons im Angebot, AMD die HE- und EE-Versionen der Opterons. Samsung als DRAM-Weltmarktführer liefert bereits eine breite Palette an DDR3L-RDIMMs, die mit 1,35 statt 1,5 Volt Betriebsspannung laufen. Bei Desktop-PCs mit ihrem vergleichsweise kleinen Hauptspeicher fallen Einsparungen von ein paar Watt zwar nicht ins Gewicht, aber bei Servern: Schon Maschinen mit einer CPU fassen zwischen 32 GByte (Xeon X3400) und 128 GByte RAM (Opteron 6100 auf Supermicro H8SGL), bei zwei Prozessoren sind bis zu 384 GByte möglich und mit vier Prozessoren über 512 GByte – da macht sich auch ein einziges gespartes Watt pro Gigabyte bemerkbar. Erst die jüngsten Server-Prozessoren von AMD und Intel unterstützen jedoch DDR3L.

Mehr Infos

Green-IT-Aussteller

  • Christmann: Halle 6, A35
  • Citrix: Halle 2, A30
  • Dell: Halle 2, B30
  • Eco ICT Solutions/Bitkom: Halle 13, C39
  • Fujitsu: Halle 2, B38
  • Hitachi Data Systems: Halle 2, A30
  • IBM: Halle 2, A10
  • Microsoft: Halle 4, A26
  • Rangee: Halle 3, J34
  • Rittal: Halle 11, E06
  • Samsung Semiconductor: Halle 17, D38
  • Supermicro: Halle 2, F38 (F32)
  • Schroff: Halle 12, C49
  • Thin Clients/Bitkom: Halle 4, A04
  • Virtualisation & Storage Forum: Halle 2, A30
  • VMware: Halle 2, A30

Ein wichtiger Baustein grüner Rechenzentren ist auch effizienter Massenspeicher. Eine einzige Solid-State Disk (SSDs) ersetzt wegen ihrer extrem hohen I/O-Performance in Datenbank-Servern potenziell eine ganze Batterie herkömmlicher Magnetfestplatten. Server-Profis achten jedoch auf jahrelange Zuverlässigkeit ihrer Systeme – ihnen sind die noch jungen Flash-Speichermedien oft suspekt. Doch die großen Server- und Storage-Hersteller (Halle 2) zeigen immer mehr Systeme mit SSDs oder anderem schnellem Flash-Speicher.

Auch die Verringerung des Speicherplatzbedarfs steigert die Effizienz: Deduplizierung ist deshalb ein Trend-Thema bei den Storage-Spezialisten. Die Verringerung der Redundanz beim unternehmensweiten Speichern von Daten lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise angehen: Man kann die Funktion in Storge-Systeme integrieren, in Form von Software auf Storage-Servern installieren oder als Appliance ins SAN einbinden.

Schließlich mindern auch Server-Netzteile mit hohem Wirkungsgrad die Leistungsaufnahme. Supermicro tut sich hier mit 80-Plus-„Platin“-zertifizierten Wandlern hervor, die im besten Fall weniger als 6 Prozent Abwärme erzeugen. 80-Plus-Platin-Netzteile gibt es aber noch nicht für ATX-Systeme, sondern nur mit 12 Volt als einziger Ausgangsspannung. (gs)