Asiatische Länder drängen auf Internationalisierung der E-Mail-Adressen
Die IETF will mit einer Standardisierung von asiatischen E-Mail-Adressen den Eigenentwicklungen vieler Email-Anbieter aus China, Japan und Korea gegensteuern.
Noch sind Domainregistries, Hoster und auch Browserentwickler dabei, internationalisierte Domains zu verdauen, da kommt aus China, Japan und Korea der Wunsch, so schnell wie möglich auch nicht-englische E-Mail-Adressen zu standardisieren. Experten bei der Internet Engineering Task Force (IETF) warnen bei ihrem Sommertreffen in Paris allerdings vor zu schnellen und daher technisch nicht ausgereiften Lösungen. Die Verfasser eines Vorschlags weisen darauf hin, dass etwa in China eine ganze Reihe von Hostern bereits angefangen haben, eigene Lösungen für internationalisierte E-Mail-Adressen (IMA) anzubieten.
Mitautor des Vorschlags ist James Seng, ehemaliger Chef der IETF-Arbeitsgruppe, die bereits die Internationalisierung von Second-Level-Domains vorbereitet hat. Er gibt zu bedenken, dass schon die Lösungen innerhalb der chinesischen Sprachgemeinde von Anbietern wie 35.com, zzy.cn, bizcn.com, ce.net.cn, dns.com.cn and topbiz.cn untereinander nicht kompatibel seien. Es blieben daher nicht mehr als sechs bis zwölf Monate, um durch einen IETF-Standard eine Fragmentierung der E-Mail-Kommunikation zu vermeiden. Dazu müssten sich alle großen E-Mail-Anbieter einigen, was für diejenigen mit nur wenigen Kunden in Asien jedoch nicht sonderlich attraktiv sei. Die Entwicklung zur kompletten Internationalisierung in Asien könne man jedoch kaum aufhalten.
Der Vorschlag sieht vor, das für die Internationalisierung von Domains entwickelte System des ASCII Compatible Encoding (ACE) für E-Mail-Adressen zu erweitern. Die Lösung wäre nach Ansicht der Autoren relativ schnell zu implementieren. Sie räumen allerdings auch eine Reihe von Problemen ein. So gäbe es für E-Mail-Adressen beispielsweise deutlich mehr Trennungszeichen als für Domains, bei denen nur Punkte zwischen einzelnen Bestandteilen stehen dürfen. Zudem klassifiziert das Autorenkollektiv die vorgeschlagene Lösung als spamanfällig.
IMA befördere homografische Attacken. Dabei verwenden Böswillige ein grafisch leicht verwechselbares Zeichen, um Nutzer auf eine falsche Webseite zu locken. Browser-Hersteller wie die Mozilla-Foundation zeigen daher IDNs im Punycode an oder arbeiten wie Opera mit White Lists. Diese erfordern allerdings häufige Updates. E-Mail-Adressen könnten wie die Webadressen durch das Ausnutzen solcher Ähnlichkeiten in den Zeichensätzen leicht gefälscht werden.
"Die Internationalisierung von E-Mail-Adressen ist wesentlich komplizierter als die Internationalisierung von Domains", meint der ehemalige Chef des Internet Architecture Board (IAB) und SMTP-Mitentwickler John Klensin. Die Auflösung von Domains sei sehr viel weiter standardisiert als die Adressierung von E-Mail, die Syntax des lokalen Adressteils erlaube alle Zeichen. Klensin warnt ebenfalls vor einer übereilten Lösung und schlägt daher vor, das für den E-Mail-Text bereits übliche MIME-Format für den Adressteil von E-Mails weiterzuentwickeln.
Während des Pariser Treffens wurde den Autoren ein so genanntes Bird-of-Feather-Treffen zur Einrichtung einer neuen Arbeitsgruppe noch verwehrt. Seng rechnet damit, dass man beim nächsten IETF-Treffen mit der Arbeit an der ACE-Lösung starten kann. Die Nutzung anderer Alternativen, etwa die mit UTF-8 (8-bit Unicode Transformation Format) verträgliche MIME-Lösung für den lokalen Teil der E-Mail-Adressen, wären zwar nachhaltiger, würden allerdings mehr Zeit benötigen. Auch bei der Einführung internationalisierter Top-Level-Domains (TLDs) hat man sich gegen eine Lösung entschieden, die ASCII komplett ersetzt hätte.
Das IAB arbeitet noch an einem Bericht zur Internationalisierung, der der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) auch Anhaltspunkte für eine möglichen Einführung von nicht-englischen TLDs liefern soll. Einer der Bewerber um eine neue TLD, das .asia-Konsortium, würde gerne auch asiatische Varianten für .asia ins Netz bringen. Bei chinesischen Anbietern sind solche Adressen, etwa die chinesische Variante von .com, auch jetzt schon zu haben. (Monika Ermert) / (mhe)