Perl Foundation stellt überarbeitete Lizenz vor

Eine neue Artistic Licence soll für mehr Transparenz sorgen und das Weitergeben von Code unter mehr Lizenzmodellen ermöglichen. Sie behandelt auch Softwarepatente und erteilt Anwendern eine Art Generallizenz an den Patenten aller Mitwirkenden.

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Nach einer längeren Vorbereitungsphase stellt die Perl Foundation Version 2.0 ihrer Artistic Licence als Entwurf vor. Nachdem zuerst Anwälte und Firmen, die die Programmiersprache einsetzen, das Konzept prüfen konnten, hat nun die breite Öffentlichkeit Gelegenheit, es zu kommentieren. Die zweite Auflage der von Perl-Erfinder Larry Wall ins Leben gerufenen Lizenz ist in vielerlei Hinsicht eine aktualisierte und modernisierte Kopie des Originals. Großen Wert legen die Verfasser auf eine einfache und klare Sprache, um so die rechtlichen Auswirkungen bestimmter Passagen für jeden verständlich zu gestalten.

Die wichtigste Änderung findet sich in Paragraph 4 und erweitert das sogenannte relicensing-Modell. Aktuell stehen die Skriptsprache selbst und viele der Perl-Module sowohl unter der GNU General Public Licence (GPL) als auch unter der Artistic Licence. Für Entwickler bedeutet dies, dass sie veränderte Versionen unter einer oder auch beiden dieser Lizenzen weitergeben können. Version 2.0 will es Entwicklern ermöglichen, eine modifizierte Version einer unter der Artistic Licence stehenden Software unter eine der vielen Copyleft-Lizenzen zu stellen und so flexibler in der Wahl der geeigneten Lizenz zu sein. Der neue Entwurf geht auch auf die schwierige Frage der Softwarepatente ein und erteilt ihren Anwendern eine Art Generallizenz an den Patenten aller Mitwirkenden.

Für Entwickler sieht die Perl Foundation zudem ein neue Prozedur für das Beisteuern von Code vor. So sollen sie in Zukunft ein Contributor License Agreement (CLA) unterschreiben, das Beiträge dokumentiert und den rechtlichen Rahmen regelt. Dabei behalten Programmierer das Copyright über ihren Code, erteilen aber der Stiftung das Recht, diesen zu verwenden und weiterzuverbreiten. Auch hält die Foundation das Copyright an das Gesamtwerk des beigesteuerten Codes.

Die überarbeitete Lizenz soll Ende diesen Jahres in Kraft treten. Die Stiftung erwägt, nicht nur die kommende Perl-Version 6 und den neuen Interpreter Parrot unter die Artistic Licence 2.0 zu stellen, sondern die Lizenz eventuell auch auf Perl 5 anzuwenden.

Die aktuellen Entwicklungen um die GNU Public Licence (GPL), von der ebenfalls dieses Jahr ein neue Version erscheinen soll, behandelt ein Hintergrundartikel auf heise open. (akl)