Informationstempel am Bahnhof Zoo

Die TU Berlin und die Universität der Künste haben heute die "Volkswagen Universitätsbibliothek" offiziell eröffnet.

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Von
  • Richard Sietmann

Wäre die Volkswagen AG nicht als Sponsor eingesprungen und hätte 1999 die noch fehlenden 5 Millionen Euro beigesteuert -- womöglich hätten die Studenten und Mitarbeiter der TU Berlin und der Universität der Künste noch ein halbes Jahrhundert auf eine leistungsfähige Zentralbibliothek warten müssen. Seit dem Ende des Krieges war die Universitätsbibliothek provisorisch im TU-Hauptgebäude untergebracht. Für Generationen von Studenten bedeutete jede Recherche ein treppauf, treppab mit langen Wegen. Die Ausleihe befand sich, jeder Gebäude-Ergonomie Hohn sprechend, auf der dritten Etage. Zudem war aus Platzmangel nur ein kleiner Teil des Bestandes zur Sofortausleihe frei zugänglich, sodass sie für jeden Ausleihvorgang den Weg zweimal antreten mussten, einmal zur Bestellung und ein weiteres Mal zur Abholung.

Die Planungen für ein eigenes Bibliotheksgebäude reichten bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Doch immer wieder scheiterte die Realisierung an finanziellen Schwierigkeiten. Ende der achtziger Jahre sollte es endlich soweit sein, die Baugrube war schon ausgehoben, dann fiel die Mauer und das von einer großen Koalition von SPD und CDU regierte Land Berlin setzte andere Prioritäten, insbesondere im Sporthallenbau und der misslungenen Olympia-Bewerbung. Seither chronisch pleite, konnte Berlin seinen Eigenanteil von 25 Millionen Euro zu den vom Bund in gleicher Höhe zugesagten Hochschulbau-Fördermitteln nicht aufbringen. Die TU versuchte, durch Kreditaufnahme den Landesanteil zu ersetzen, doch erst mit Hilfe des Sponsors gelang es, die Finanzierungslücke zu schließen.

Mitte 2002 konnten dann endlich die Arbeiten beginnen. Innerhalb von 27 Monaten waren 21.000 Kubikmeter Beton vergossen und 3500 Tonnen Stahl verbaut. Die notgedrungene Sparsamkeit des Zweckbaus, charmant als Industriedesign beschrieben, ist unverkennbar. Alle Versorgungsleitungen sind offen geführt und nicht einmal in den Mitarbeiterbüros hinter abgehängten Decken verborgen. Der sechsgeschossige, 120 Meter lange und 45 Meter breite Bau in unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofs Zoo ist auf rund 5 Millionen Medieneinheiten ausgelegt; jetzt beherbergt er auf einer Länge von 14 Regalkilometern 3 Millionen, davon 2,1 Millionen Bücher, von denen 400.000 frei zugänglich sind. Rund 50.000 Bücher sind bereits mit RFID-Transpondern zur Selbstausleihe ausgestattet, der Rest soll nach und nach folgen.

Von den insgesamt 715 Leseplätzen im Nutzerbereich ist ein Großteil mit Endgeräten ausgestattet, und zwar als Terminal/Server-Lösung mit Thin-Clients. Wer lieber mit seinem Laptop arbeiten möchte muss ein Ethernet-Kabel mitbringen: Alle übrigen Arbeitsplätze verfügen über eine Strom- und RJ45-Steckdose, die den Anschluss an das Bibliotheksnetz ermöglichen. Auf den Einsatz von WLAN wurde vorerst verzichtet, heißt es, weil sich sonst die "stillen Arbeitsplätze" nicht so leicht räumlich abgrenzen ließen. Gänzlich ausschließen will man die Nachrüstung allerdings nicht. (Richard Sietmann) / (anw)