Professionelles Motion Capturing mit Microsofts Kinect
Organic Motion, Entwickler des markerlosen Tracking-Systems Stage, prĂĽft, ob Microsofts Kinect eine preiswerte Alternative zum bisherigen System mit 14 Kameras liefern kann.
- Christian Geiger
- Kersten Auel
Organic Motion, Entwickler des markerlosen Tracking-Systems Stage, hat in einem internen Forschungsprojekt Microsofts Kinect-Controller mit seiner speziellen Analysesoftware verknĂĽpft. In einem YouTube-Video berichten die Stage-Entwickler von ihren ersten positiven Ergebnissen, als sie Kinect sowie zwei bis drei Webcams mit ihrer Software verbunden haben.
Das derzeitige Stage-System der Firma aus New York, das in Deutschland die Kölner Firma Velamed und die Fachhochschule Dresden nutzten, benötigt 14 S/W-Digitalkameras, um aus den unterschiedlichen Bildern eine visuelle Hülle und ein Skelett mit 21 Segmenten zu rekonstruieren. Diese Erkennung gelingt jedoch nur, wenn der Hintergrund mit speziellem retroreflektierendem Stoff bespannt ist.
Microsofts Kinect-Sensor ist zwar eigentlich für die Steuerung der Spielekonsole XBox 360 gedacht, lässt sich aber auch für Benutzerschnittstellen am Computer verwenden, etwa in VR-Anwendungen (Virtual Reality). Allerdings erkennt Kinect eine 3D-Szene nur aus einer Perspektive und übersieht verdeckte Objekte. Die aktuelle Tracking-Software erfasst eine Person daher nur dann, wenn sie sich direkt vor der Kamera bewegt. Open-Source-Softwaresysteme wie OpenNI/NITE nehmen Körperteile, die längere Zeit verdeckt sind, nicht oder nur schlecht wahr.
Erste Ansätze, die zwei Controller verknüpfen, sind zwar in Entwicklung, liefern aber noch keine brauchbaren Ergebnisse. Die Software von Organic Motions ist jedoch darauf spezialisiert, aus mehreren unvollständigen Datenströmen ein Skelett zu rekonstruieren und robust zu tracken. Daher brauchen die Entwickler nur zwei bis drei zusätzliche Webcams, um die für den Kinect-Sensor verdeckten Informationen aufzunehmen – den Rest erledigt die Stage-Software. Für Organic Motions könnte dies den Vorteil haben, dass man den recht aufwendigen Aufbau mit 14 Kameras nicht mehr benötigt. Darüber hinaus wäre die Qualität der Personenerkennung nicht mehr von einem retroreflektierenden Hintergrund abhängig.
Alex Czarowicz, VP Sales von Organic Motion, berichtete auf Nachfrage von iX, dass sich die Arbeit noch in einer frĂĽhen Entwicklungsphase befinde. Nach dem erfolgreichen Test mit einer Kinect arbeitet man nur
daran, zunächst zwei Sensoren zu verbinden und die Tiefeninformationen aus beiden Kameras so zu synchronisieren, dass diese eine Alternative zu den aktuellen Stage-Digitalkameras darstellen. Die OM-Entwickler denken, dass ein solches System ein exaktes Skelett mit 30 Bildern pro Sekunde über ein SDK liefern kann. Das wäre allerdings noch keine technische Alternative zu dem aktuellen Stage-System, das diese Daten mit 120 Hz und deutlich höherer Genauigkeit sendet.
Organic Motion sieht diese Entwicklung eher als zusätzliche Nutzungsmöglichkeit ihrer Technik, die auf Kosten der Genauigkeit einen deutlichen Preisvorteil bieten kann. Um wieviel das bisher im oberen fünfstelligen Euro-Bereich angesiedelte System dann günstiger wird und wann mit einer Verfügbarkeit zu rechnen ist, ließ Czarowicz offen, auch, welche Anwendungsszenarien geplant sind. (ka)