Telekom-Betriebsrat fordert mehr RĂĽckhalt aus der Politik
Wilhelm Wegner, Arbeitnehmervertreter im Telekom-Aufsichtsrat, meint, die Politik mĂĽsse umdenken, wolle sie die Telekommunikationsindustrie nicht an US-Investoren verlieren.
Wilhelm Wegner, der auf der Arbeitnehmerseite als Konzernbetriebsrats-Chef im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom sitzt, fordert mehr Unterstützung aus der Politik. Wenn sie die Telekommunikationsindustrie nicht an Investoren etwa aus den USA verlieren wolle, müsse die Politik umdenken wie in der Luftfahrt, wo man den US-Konkurrenten den Airbus entgegengesetzt habe. Damit fordere er keine Rückverstaatlichung der ehemaligen Telecom-Monopolisten in Europa, erläutert Wegner gegenüber Stern.de. "Airbus soll ja nur ein Beispiel dafür sein, dass man international Paroli bieten kann, wenn die politische Rückendeckung dafür da ist und man Größe fördert."
Es sei politisch gewollt, "die Deutsche Telekom einseitig und damit zu ihrem Nachteil zu regulieren". Durch den daraus entstanden Preiswettbewerb habe die Telekom erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Für die Anfangszeit sei die Regulierung des Marktes richtig gewesen, nun könne sie aber auch auf EU-Ebene zurückgefahren werden, meint Wegner. Die ehemaligen Staatskonzerne in Europa machten sich in den jeweiligen Nachbarländern gegenseitig Konkurrenz. Deshalb müsse ein nationaler und europäischer Rechtsrahmen her, der Innovationen fördert, Zukunftsinvestitionen sichert sowie Marktbereinigungen zulässt.
Angesichts des möglichen weiteren Stellenabbaus in seinem Konzern sagte Wegner, es seien Fehler in der Vermittlung gemacht worden. Der alte Vorstand habe eine Drohkulisse aufgebaut. "Die Beschäftigten vermissten ein Mindestmaß an Wertschätzung, das man braucht, um weiter motiviert zur Arbeit zu kommen", sagte Wegner. Wegner fordert, dass Aufgaben verstärkt intern erledigt und nicht an Fremdfirmen vergeben werden. "Heute werden zum Beispiel erst mal externe Montagefirmen losgeschickt. Und wenn dann etwas nicht funktioniert, kommt der Telekom-Trupp hinterher", schildert Wegner. "Viele Kunden sind mit dem Service unzufrieden. Gleichzeitig wird Personal abgebaut – das passt nicht zusammen." Wegner fordert ein neues Konzept, um die Kundenbindung zu erhöhen und Qualität und Service zu verbessern. (anw)