Friedrichshafen will T-City behalten
In den drei Jahren seit dem Start der Zukunftswerkstatt in der Stadt wurden dort 40 Projekte betrieben. 2012 läuft die Zusammenarbeit mit der Telekom aus, momentan wird über eine Verlängerung gesprochen.
Der Zeppelin, Wahrzeichen der Stadt Friedrichshafen, dreht bei schönem Wetter majestätisch seine Runden über dem Bodensee. Dabei wirbt er für T-City. Die Zukunftswerkstatt der Deutschen Telekom ist Werbepartner des Zeppelins; das riesige Logo an der Seite des Luftschiffs ist weithin sichtbar. Der magentafarbene Aufdruck soll die Verbundenheit von T-City mit der Stadt Friedrichshafen und der Bodenseeregion dokumentieren.
Wie lange es diese Verbindung noch gibt, steht in den Sternen. Die Stadt hat mittlerweile Interesse bekundet, das Projekt fortzusetzen. Gespräche darüber werden mit der Telekom geführt, Ergebnisse gibt es noch keine. Das Telekom-Projekt T-City Friedrichshafen ist bis 2012 angelegt. "Wir denken im Moment jedenfalls nicht an das Ende", kommentiert Melanie Schmitt, Sprecherin von T-City in Friedrichshafen.
Mit ehrgeizigen Zielen ist T-City 2008 angetreten. 52 Städte hatten sich seinerzeit bei der Telekom beworben, den Zuschlag bekam Friedrichshafen. Ziel ist aufzuzeigen, welchen Nutzen Bürger, Unternehmen und Verwaltung von modernsten Kommunikationstechnologien haben. Zu mehr Lebensqualität der Menschen am See und besserer Standortqualität für die Wirtschaft wollte man beitragen. 80 Millionen Euro hat die Telekom für die Zukunftswerkstatt T-City bereitgestellt. "Wie viel von diesem Geld noch da ist, kann ich nicht sagen", erzählt Melanie Schmitt. "Aber wir haben in den drei Jahren insgesamt 40 Projekte umgesetzt und werden dieses Jahr noch neue Projekte aufnehmen."
Aus Sicht von T-City hat die Stadt Friedrichshafen von der Partnerschaft mit der Telekom profitiert. "Wir haben in Friedrichshafen eine Deckung von VDSL und HSDPA (das ist das mobile Pendant von DSL, also die Hot-Spot-Verbindungen für Smartphones und Laptops) von 98 Prozent." Eine derartig hohe Quote sei einzigartig für Städte in der Größenordnung von Friedrichshafen mit rund 58.000 Einwohnern.
Auf der Basis dieser digitalen Infrastruktur wurden einige visionäre Projekte angestoßen. "Smart-Metering" etwa ist eines der größten derzeit laufenden T-City-Projekte. Zwei komplette Stadtteile in Friedrichshafen, Oberhof und Windhag, mit insgesamt 2200 Haushalten wurden mit "Smart-Metern" ausgestattet. Das sind intelligente, digitale Stromzähler, die zum Beispiel feststellen können, zu welcher Tageszeit und an welchem Wochentag der Stromverbrauch am höchsten ist. "Eine Familie weiß also, zu welcher Zeit am meisten Strom verbraucht wird und kann so Stromfresser identifizieren und gegebenenfalls austauschen", erklärt Melanie Schmitt. Diese Daten werden via DSL zentral an einen Server weitergegeben, der kann dann die Spitzenzeiten für das ganze Viertel ermitteln.
"Das ist aber noch nicht alles", betont Schmitt. Theoretisch wären die beiden Stadtteile in der Lage, sich selbst mit Strom zu versorgen. Es gibt dort ein Blockheizkraftwerk, viele Photovoltaik-Anlagen und einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien. In Spitzenzeiten reicht die dort produzierte Menge Strom aber nicht aus. Also muss der Stromversorger, die Technischen Werke Friedrichshafen, Strom einkaufen, um die Versorgung sicherzustellen. Der ist teurer als der selbst hergestellte und erhöht die Strompreise. Die Vision von T-City, die hier allerdings noch nicht Wirklichkeit ist, sieht so aus: In den Stadtvierteln sollen Spitzenzeiten vermieden werden. Denkbar ist eine Art Stromampel im Haus – steht diese auf Grün, können zusätzliche Geräte eingeschaltet werden, denn dann ist der Strom billiger.
Einige der 40-T-City-Projekte wurden wieder eingestellt. Der automatische Seenotruf zum Beispiel oder das Katamaran-Ticket, das per Handy bezahlt werden kann. Schmitt: "Hier waren wir unserer Zeit zu weit voraus, die Handy-Hersteller haben die dafür notwendigen Technologien zunächst nicht weiter verfolgt." Andere Projekte dagegen sind im Alltag angekommen, die Tumor-Konferenz zum Beispiel: Ärzte der Kliniken Friedrichshafen und Konstanz müssen nicht mehr umständlich über den Bodensee fahren für ihre wöchentliche Konferenz. Sie nutzen die Möglichkeit, auch riesige Datenmengen von Röntgenbildern und Befunden auszutauschen, sich in einer Videokonferenz zu treffen und gleichzeitig die Bilder auf eine Leinwand projizieren zu können. Die Zeitersparnis ist enorm. (anw)