ThemenmolekĂĽl: Liebe im Labor
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit Steve Jobs, hingeschmierter Mathematik und DNS im Selbstbau.
- Peter Glaser
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit Steve Jobs, hingeschmierter Mathematik und DNS im Selbstbau.
Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen. Diesmal unter anderem mit Steve Jobs und einem verbeulten Universum, hingeschmierter Mathematik und einer DNS im Selbstbau.
Verbeulter Kosmos: Von Steve Jobs heißt es, er habe sich schon in jungen Jahren vorgenommen, eine Delle im Universum zu hinterlassen. Kosmologen haben nun Hinweise darauf gefunden, dass unser Universum durch Kollisionen mit anderen Universen "gequetscht" worden sein könnte. Roger Penrose von der University Oxford und Vahe Gurzadyan von der armenischen Universität Eriwan gaben bekannt, dass sie Muster aus konzentrischen Kreisen in der vom Urknall herstammenden kosmischen Hintergrundstrahlung entdeckt haben. Die Ergebnisse sind derzeit nur schwer zu reproduzieren, aber mit besseren Daten hoffen die Wissenschaftler, ihre Beobachtung im kommenden Jahr möglicherweise bestätigen zu können.
Das poetische Promotionsatom: "Dissertation Haiku" verwandelt eine komplette Dissertation in einen einzigen Haiku. Umgekehrt wäre auch interessant, nichtwahr, Herr zu Guttenberg – sowas wie eine Popcorn-Promotionsarbeit.
Doodeleien: In diesen lehrreich hingeschmierten Videoclips aus einer Serie über kreative Nebenbeschäftigungen im Mathematikunterricht wird einem anschaulich gemacht, wie man in Form vergnügter Kritzeleien Auskunft zu Dingen wie der Graphentheorie, Schlangen, unendlichen Elefanten, dem Ouroboros ("Selbstverzehrer") oder dem Möbiusstreifen gibt. Die Seite nebst Blog wird von Vi Hart aus Long Island betrieben, die sich als "Freizeit-Mathemusikerin" bezeichnet.
Zellen endlich kompatibel: Die American Society for Cell Biology hat mit "The Cell: An Image Library" eine multidimensionale, frei zugängliche Datenbank wissenschaftlicher Aufnahmen von Zellen gestartet. Forscher nutzen dutzende verschiedene Arten von Mikroskopier-Hardware und -Software, um dreidimensionale Ansichten von Zellen herzustellen. Um die zahlreichen Datenformate zugänglich zu machen, nutzt The Cell Technologien, die von Open Microscopy (OME) entwickelt wurden. Falls jemand noch schöne Zellfotos oder Videos rumliegen hat, kann er sie dort auch hochladen. Bonus: Das Genetic Sience Learning Center der Universität Utah bietet in seinen "Learn.Genetics"-Online-Ressourcen mit "Inside a Cell" ein faszinierender digitales Mikroskop, mit dem man im Innenleben einer Zelle stöbern kann.
Evolutions-Animation: Das hätte Darwin gefallen - die Geschichte des Lebens, erzählt vermittels wandernder Finger, die sich mit ein bisschen Trickgenetik anschaulich aus minderem Meeresgewürm in höhere Lebensformen entwickeln, von denen eine inzwischen sogar in der Lage ist, komplexe Ameisenbauten wie die sechs Reaktorblöcke des Atomkraftwerks Fukushima I zu errichten.
Heiß erglüht der Bunsenbrenner: Der Videoclip zu "Filthy Love" des französischen Pop-Trios "We Are Enfant Terrible" spielt in einer klassischen Laboratoriumsatmosphäre - die reine Freude für Freunde von Petrischale, Pipette und Erlenmeyerkolben. Laut Selbstauskunft der Band gehören zu den verbindenden Interessen ihrer Mitglieder nicht nur die Begeisterung für Mode und Video, sondern auch für "gedankenschwere, wilde Tanzmusik". Die Musik hört sich jedenfalls nach gelungenen Experimenten an.
Die sonderbare Stimmung von Funktionen: Die Photographie eines russischen Mädchens, das sich, glaubt man den Kreideeinträgen an der Tafel, eingehend mit der Mathematik von Funktionen befasst. Fotoforensiker nach vorne: Was erzählt dieses Bild für eine Geschichte? Sehen wir hier in der düsteren Stimmung eines in Jahrzehnten abgenutzten Klassenzimmers den Aufbruch in eine vermeintlich neue Zeit, ein aufgeklärtes Zeitalter der Wissenschaft, eine Zeit der Gleichberechtigung?
Drüben bei Mashable gibt es zehn interessante Online-Ressourcen für wissenschaftliche Unterrichtsfächer, vom periodischen System der Videos ("it’s easier to remember the name Darmstadtium after you have seen Darmstadt") über ein Stellarium – ein Planetarium im Computer – bis hin zu einer Bastelanleitung für ein DNS-Molekül.
Das elfdimensonale Elend: Es ist das traurigste Lied von der Welt, jedenfalls wenn man Physiker ist - Jonathan Mann offeriert, in einem Video festgehalten, die betrübte Klage einer zur Rechtshirnigkeit neigenden Person: "I wish I understood string theory". Hier noch The Official String Theory Website von Patricia Schwarz sowie die Übersichtsseite des Schwerpunktprogramms 1096 der Deutschen Forschungsgemeinschaft "Stringtheorie im Kontext von Teilchenphysik, Quantenfeldtheorie, Quantengravitation, Kosmologie und Mathematik", die möglicherweise aufgrund unerwarteter Quantenfeldeffekte im Jahr 2005 festgefroren ist. Und eine schöne und nützliche Übersicht zum Thema: The Elegant Universe.
Wissenschaftler wanted: Von Megan Lee Katasuskas gibt es auf Etsy hĂĽbsche "Rock Star Scientist"-Poster mit jeweils einem markanten Symbol zur Person, darunter Honoratioren der Forschung wie Niels Bohr, Robert Oppenheimer und Nikola Tesla.
Genetik to go: "A Brief Introduction to Genetics" ist eine kleine Dokumenation von David Murawsky über die Geschichte und die Grundlagen von Genetik und Genomforschung. Der Film beschreibt die Entstehung der Wissenschaft von Gregor Mendel bis hin zu den modernen Konzepten von DNS, genetischem Code und den Techniken, mit denen Vorgänge im Erbmaterial heute untersucht werden. Gleichfalls betrachtet werden die Verbindungen zwischen Genetik und Bioinformatik. (bsc)